2008.09.24 Neuss : Dohmen: "Präsidium-Wechsel wäre für KSC tödlich"

Dem Karlsruher SC droht ein Führungs-Chaos. Ende September müsste laut Satzung eine neues Präsidium gewählt werden - ein Szenario, das unbedingt verhindert werden soll.

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KSC-Manager Rolf Dohmen

Sportlich kriselt es beim Karlsruher SC nach zuletzt drei Niederlagen in der Bundesliga, nun droht den Badenern auch noch ein Führungs-Chaos. Das Präsidium um den in den vergangenen Jahren so erfolgreichen Präsidenten Hubert H. Raase steht offenbar vor dem Rücktritt. Denn eine Satzungsänderung aus dem Jahr 2000, wonach Mitglieder des Präsidiums nur zweimal wiedergewählt werden dürfen, sorgt derzeit für große Unruhe beim Traditionsklub.

"Es wäre für den KSC tödlich, wenn ein so erfolgreiches Präsidium komplett ausgewechselt würde. Es ist undenkbar, dass jemand, der tolle Arbeit abgeliefert hat, wegen einer unsinnigen Satzung ausscheiden muss. Das muss verändert werden", appellierte KSC-Manager Rolf Dohmen an die Vereins-Mitglieder. Nach aktuellem Stand der Satzung müsste bei der anstehenden Mitgliederversammlung ein komplett neues Präsidium gewählt werden.

Erste Anträge liegen vor

Nicht nur Dohmen, auch Trainer Edmund Becker und Kapitän Maik Franz hoffen bei der Mitgliederversammlung am 29. September auf eine Änderung der in der Bundesliga einmaligen Satzung. Der Mitgliederversammlung liegen bereits entsprechende Anträge vor.

Der erste Antrag beinhaltet, dass die Wiederwahl des Gremiums viermal erfolgen kann. Der zweite, weitergehende Antrag, fordert die komplette Streichung der Amtszeitbeschränkung. Damit aus dem Antrag ein Bestandteil der Satzung wird, ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich. Wird diese verpasst, würde das Erfolgstrio wohl noch vor Weihnachten zurücktreten.

"Man stelle sich ein Unternehmen vor, das jährlich 30 Millionen Umsatz macht, das hohe Gewinne einfährt - und bei dem werden ohne Not die Vorstände komplett ausgewechselt. Aberwitzig! Für einen Verein ist so etwas der K.o.", sagte Vizepräsident Rainer Schütterle, der gemeinsam mit Raase und dem zweiten Vizepräsidenten Michael Steidl seit 2002 einen großen Anteil am Comeback des KSC hat.

Mehr Erfolg, weniger Schulden

Das aktuelle Präsidium sanierte seit der Amtsübernahme vor sechs Jahren den einstigen Chaosklub und reduzierte die Schulden von 8 Millionen Euro auf nur noch 1,5 Millionen Euro. Zudem wurde trotz geringer finanzieller Mittel ein schlagkräftiges Bundesliga-Team auf die Beine gestellt, das vor allem in der vergangenen Hinrunde für Furore sorgte.

Der KSC verfügt dank der Arbeit von Raase und Co. erstmals seit Jahrzehnten sogar wieder über ein Festgeldkonto. Die Lizenz erhalten die Karlsruher seit kurzem ohne Auflagen. Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) und zudem gebürtiger Badener, lobte den KSC "als wirtschaftlich hervorragend geführten Verein, der sich überall wieder Vertrauen erarbeitet hat". Unter der Führung von Raase wurde im laufenden Geschäftsjahr zudem ein Gewinn von 2,6 Millionen Euro erwirtschaftet.

Becker hofft auf die Mitglieder

"Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Das Präsidium hat nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich hohe Kompetenz. Es wäre sehr, sehr gut für den KSC, wenn wir diesen positiven Weg weitergehen könnten. Ich hoffe die Mitglieder schaffen dafür die Voraussetzungen", erklärte KSC-Coach Becker.

Auch Kapitän Franz ergriff Partei für das aktuelle Präsidium: "Damit der KSC Erfolg hat. brauchen wir Kontinuität und vor allem: Ruhe im Verein. Daher appelliere ich an die Mitglieder: Ändert die Satzung, schafft die Voraussetzungen, dass dieses Toptrio weitermachen kann. Wenn diese Präsidium aus dem Amt ausscheiden müsste - das wäre fatal."