2008.09.25 Neuss : UEFA stellt Polen und Ukraine Zwischen-Zeugnis aus

Viel Kritik dürfte es ab heute in Bordeaux für den geplanten EM-Gastgeber Ukraine geben. Eine Entscheidung wird auf der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees aber nicht erwartet.

ero1
Michel Platini probiert traditionelles ukrainisches Brot

Berlin und Leipzig können weiterhin 2012 EM-Status erlangen. Doch vor der heute beginnenden zweitägigen Sitzung des Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union in Bordeaux mehren sich die Anzeichen, dass die UEFA noch keine definitive Entscheidung über neue Spielorte bei der Europameisterschaft 2012 treffen wird.

Während Polen wohl sicher sein kann, weiter Ausrichter der Europameisterschaft in vier Jahren zu bleiben, steht die Ukraine als EURO-Gastgeber auf der Kippe. Der dem Exko vorgelegte Report basiert auf den Eindrücken einer UEFA-Delegation, die im vergangenen Monat beide Länder inspiziert hatte.

Berlin und Leipzig dürfen hoffen

Der Sport-Informations-Dienst (sid) hatte aus Kreisen der UEFA erfahren, dass seit geraumer Zeit darüber nachgedacht wird, Berlin und Leipzig in den Kreis der EM-Städte zu integrieren - vorausgesetzt, der Ukraine wird aufgrund nach wie vor vorhandener gravierender Mängel in punkto Infrastruktur, Hotels und Stadionbau die EM wieder entzogen.

Eine offizielle Anfrage der UEFA in Richtung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) liegt allerdings noch nicht vor. Möglicherweise wird der DFB auch nicht offiziell als Mitveranstalter der EM 2012 auftreten. Nur 1988 war Deutschland bislang Gastgeber einer Europameisterschaft gewesen.

Mit dem Plan Berlin/Leipzig in der Hinterhand ist es wahrscheinlich, dass die Entscheidung über die Austragungsländer Polen und Ukraine für die EM 2012 von der Exekutive, in der auch UEFA-Vize-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder vertreten ist, unter strengen Auflagen vertagt wird.

UEFA-Präsident Michael Platini hatte zuletzt im sid-Gespräch durchblicken lassen, dass er nicht bereits vier Jahre vor dem Turnier eine drakonische Maßnahme treffen wolle. Schließlich war er bei seiner Wahl zum UEFA-Boss im Januar 2007 angetreten, auch die "kleinen" Länder an EM-Gastgeberrollen beteiligen zu wollen. Wenige Wochen nach Platinis Wahl zum UEFA-Präsidenten hatte sich die gemeinsame Bewerbung von Polen und der Ukraine unter anderem gegen die Kandidatur Italiens durchgesetzt.

Erweiterung auf 24 Mannschaften nur Formsache

Die Erweiterung der EM-Endrunde von 16 auf 24 Mannschaften ab 2016 dürfte hingegen in Bordeaux problemlos verabschiedet werden. Platini will auch mittelmäßigen Nationen die Chance geben, bei der Leistungsschau Europas aufzuspielen. Die EM würde damit um eine auf vier Wochen verlängert und um ein Achtelfinale im K.o.-System bereichert.

Allerdings wird das umfangreiche Qualifikationssystem beibehalten. Theoretisch ließen sich bei 53 europäischen Verbänden die 24 Teilnehmer fast in einem K.o.-Hin- und Rückspiel ermitteln. Wegen der beträchtlichen Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte gerade für kleine Verbände will die UEFA allerdings am Qualifikations-Marathon festhalten. Im Extremfall kommen drei von sechs Gruppen-Teilnehmern nach zehn Spielen durch.