2008.09.26 Neuss : Linsenhoff wirft das Handtuch

Mit sofortiger Wirkung ist Ann Kathrin Linsenhoff als Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe zurückgetreten. Sie wollen Schaden von der Stiftung abwenden, hieß es.

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Rücktritt bei der Sporthilfe: Ann Kathrin Linsenhoff

Das wochenlange Schmierentheater bei der Sporthilfe hat ein Ende, die bisherige Vorsitzende Ann Kathrin Linsenhoff macht mit ihrem sofortigen Rücktritt den Weg für einen Neuanfang frei. "Ich bin traurig und enttäuscht, aber es gab keinen anderen Ausweg", sagte die 48-Jährige am Freitag. Ursprünglich war ihr Rückzug wegen Dissonanzen mit Aufsichtsratschef Hans Wilhelm Gäb, der ihr Schwächen bei der Amtsführung und mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen hatte, erst zum 31. März 2009 geplant.

In der offiziellen Pressemitteilung der Stiftung hieß es dazu: "Ann Kathrin Linsenhoff wollte dem Spitzensport, dem sie persönlich viel verdankt, durch ihr Engagement etwas zurückgeben. Umso tragischer sind für alle Beteiligten die zuletzt entstandenen Irritationen, die nun keine andere Lösung möglich erscheinen lassen."

Linsenhoff, 1988 in Seoul Olympiasiegerin mit der Dressur-Equipe, geht in die 41-jährige Geschichte der Sporthilfe als Vorsitzende mit der kürzesten Amtszeit ein. Es waren nur 270 Tage. Sie hatte ihren Posten als Nachfolgerin des 72-jährigen Gäb und erste weibliche Vorsitzende der Stiftung am 1. Januar 2008 angetreten.

Der Aufsichtsrat vertraute Michael Ilgner (37), Mitglied des Vorstands und Vorsitzender der Geschäftsführung, bis zu einer Klärung der Linsenhoff-Nachfolge die operative Führung der Stiftung an. "Wir freuen uns, dass Frau Linsenhoff selbst unsere Partner dazu aufgerufen hat, uns weiter zu unterstützen, damit für die von uns geförderten Athleten kein Nachteil entsteht", erklärte Ilgner.

Die Suche nach einem Nachfolger liegt nun in den Händen des Präsidialausschusses, dem Gäb, der ehemalige Segel-Weltmeister Michael Beckereit, Ex-DaimlerChrysler-Manager Jürgen Hubbert und der ehemalige NOK-Präsident Klaus Steinbach angehören.

Und auch zwei Aufsichtsratsposten sind neu zu besetzen, denn bereits am Donnerstag hatten Bernd Rauch, Vize-Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München, und der Industrie-Manager Peter Zühlsdorff ihre Ämter niedergelegt. Zühlsdorff, ehemals Chef der Leipziger Olympiabewerbung, fungierte als Vermittler zwischen Linsenhoff und Gäb.

Zur Eskalation der Führungskrise war es am vergangenen Wochenende gekommen, als der Aufsichtsrat Gäb und Linsenhoff das Vertrauen ausgesprochen hatte, die Vorstandsvorsitzende aber trotzdem ihren Rücktritt ankündigte. Daraufhin begann eine Schlammschlacht in den Medien, unter der das Image der Sporthilfe (Motto: Leistung, Fairplay, Miteinander) erheblich litt.

Während der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Michael Groß via Bild-Zeitung den Rückzug von Gäb verlangte, was dieser ablehnte, solidarisierten sich 50 Ex-Athleten mit Linsenhoff. In einem offenen Brief an den Aufsichtsrat hieß es: "Ann Kathrin kann sich unserer Unterstützung sicher sein." Dafür dankte die scheidende Vorsitzende am Freitag: "Ich habe in den vergangenen Tagen viel Unterstützung erhalten. Das hat gutgetan."

Schäuble hält sich noch bedeckt

Die entscheidenden Gespräche mit Linsenhoff über ihre sofortige Demission führte wohl Aufsichtsrats-Mitglied Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesinnenministeriums. Sein Chef Wolfgang Schäuble war schon am Dienstag höchst missmutig, als er auf die Situation bei der Sporthilfe angesprochen wurde. Offiziell erklärt er aber noch: "Das ist die Autonomie des Sports, dazu sage ich nichts."

In Linsenhoff verliert die Sporthilfe zum zweiten Mal binnen drei Jahren ihre Führungskraft, nachdem 2005 Hans-Ludwig Grüschow wegen der Schmiergeldaffäre des Ex-Sportchefs des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, zurückgetreten war. Damals übernahm der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler Gäb das Ruder und rettete die Sporthilfe, ehe er auf den Posten des Aufsichtsratschefs wechselte.

Die Sporthilfe unterstützte seit ihrer Gründung 1967 mehr als 40.000 Athleten mit 350 Millionen Euro. Aktuell profitieren rund 3800 Kaderathleten in 50 Sportarten mit jährlich insgesamt zehn bis zwölf Millionen Euro davon.