2008.09.27 Neuss : Schumacher und Arndt peilen WM-Krone an

Das BDR-Team will bei der Straßenrad-WM mit Stefan Schumacher und Judith Arndt voll angreifen. "Ziel ist es, einmal Weltmeister zu werden", so Schumacher.

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Will auch in Italien jubeln: Stefan Schumacher

Die Wiedergutmachung für Peking ist bereits geglückt, eines der besten deutschen WM-Ergebnisse längst eingefahren, doch mit zwei Trümpfen will das BDR-Team auch in den Straßenrennen am Wochenende für Furore sorgen. Stefan Schumacher im Männerrennen und Judith Arndt als Topfavoriten bei den Frauen haben bei der Straßenrad-WM im italienischen Varese ein großes Ziel: die WM-Krone.

"Eine Medaille habe ich schon in Stuttgart geholt. Ziel ist es, einmal Weltmeister zu werden", meinte Schumacher, der WM-Dritte des Vorjahres, mit Blick auf das 260,25km lange Rennen am Sonntag. 42 Jahre nach Rudi Altig will der Gerolsteiner-Profi, der bei der Tour de France zwei Etappensiege gefeiert hatte und im Gelben Trikot gefahren war, das Regenbogentrikot wieder nach Deutschland holen.

Gar so lang ist die Wartezeit bei den Frauen nicht. Regina Schleicher hatte 2005 als letzte Deutsche WM-Gold geholt, ein Jahr zuvor war Arndt der Sprung auf die oberste Stufe des Podiums geglückt. Das möchte die Leipzigerin im 138,8km langen Rennen am heutigen Samstag nochmal wiederholen.

Und dabei ist die Gesamtweltcupsiegerin die große Favoriten, nachdem sie in dieser Saison in einer eigenen Liga gefahren war. Sogar beim Einzelzeitfahren am Mittwoch, nicht gerade ihre Spezialdisziplin, hatte sie Bronze geholt. "Ein WM-Titel wäre mir aber noch lieber", sagt Arndt.

Der WM-Titel ist auch noch der unerfüllte Traum von Erik Zabel, der am Freitag seinen Rücktritt nach 16 Profijahren und 201 Siegen zum Saisonende ankündigte. 2004 und 2006 war er als Zweiter hauchdünn am Sieg vorbeigefahren. Der Milram-Sprinter dürfte aber allenfalls Außenseiter-Chancen haben, da die Strecke nicht gerade für Sprinter gemacht ist.

"Der Kurs ist zwar nicht so schwer wie der in Stuttgart, aber es geht ständig rauf und runter. Das dürfte das Feld selektieren", erklärt Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, der als Bundestrainer im Einsatz ist. Schumacher käme das gerade recht: "Die Strecke liegt mir einfach. Man hat nicht immer die Chance, Weltmeister zu werden."

Bettini will Geschichte schreiben

Da hat vor allem Titelverteidiger Paolo Bettini bei seinem Heimspiel etwas dagegen. "Ich bin besser in Form als letztes Jahr", behauptet der 34-jährige Italiener, der noch keinen Profi-Vertrag für das kommende Jahr hat, nachdem der belgische Rennstall Quick Step Schumacher als Nachfolger verpflichtet hat. Bettini könnte zum dritten Mal in Folge den Titel holen, was noch keinem Fahrer bisher gelungen ist.

Bettini fürchtet vor allem die spanische Armada, die in diesem Jahr im Radsport quasi alles abgeräumt hat. Alberto Contador gewann den Giro und jüngst die Vuelta, Carlos Sastre die Tour und Samuel Sanchez das Straßenrennen der Olympischen Spiele. Bei der WM konzentriert sich bei den Iberern alles auf Alejandro Valverde und Oscar Freire, der als erster Fahrer zum vierten Mal Weltmeister werden könnte.

Die Außenseiterrolle wird da im deutschen Lager gerne angenommen. Die Stimmung ist jedenfalls prächtig, nachdem Bert Grabsch den Medaillensatz komplettiert hatte. Der Wittenberger war am Donnerstag zu WM-Gold im Zeitfahren gerast, nachdem zuvor schon Patrick Gretsch bei den U23-Männern Silber und eben Arndt bei den Frauen Bronze gewonnen hatte.

Das sah in Peking noch ganz anders aus. Unweit der Chinesischen Mauer waren die deutschen Fahrer leer ausgegangen und hatten schwer enttäuscht.