2008.09.28 Neuss : Zwei Hauptdarsteller beim Berlin-Marathon

Haile Gebrselassie und Irina Mikitenko bestimmen das Vorfeld des Berlin-Marathons: Der Äthiopier will den Weltrekord, die Wattenscheiderin den Jackpot der World Marathon Majors.

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Haile Gebrselassie will wieder als Erster durch das Ziel laufen

Der eine jagt den Weltrekord, die andere das große Geld: Neben Lauf-Idol Haile Gebrselassie aus Äthiopien ist die Wattenscheiderin Irina Mikitenko am heutigen Sonntag der Star beim 35. Berlin-Marathon: Sie hat es auf den Jackpot der World Marathon Majors (WMM) abgesehen.

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw wird das Duo und 40.000 weitere Läufer um 9 Uhr auf die Strecke schicken (live im RBB-Fernsehen). Gebrselassie unternimmt bei dem sechs Millionen Euro teuren Lauf ein Jahr nach seinen 2:04:26 Stunden Versuch auf den 26. Weltrekord seiner Karriere (seit Juni 1994). "Ich hoffe, die Zeit ist drin", sagt der zweimalige 10.000-m-Olympiasieger mit Blick auf seine Leistung von vor einem Jahr, als er die aktuell gültige Bestmarke aufgestellt hatte: "Wenn ich wieder Weltrekord schaffe, wäre das wunderbar. Wenn nicht: auch kein Problem. Dann schaue ich auf 2009."

Er wisse, dass er eines Tages 2:03 Stunden laufen könne und nächstes Jahr hat er dazu in Berlin theoretisch gleich zwei Chanen: bei der WM im August und Ende September. Der 35-Jährige, der von seinen bisherigen acht Marathons fünf gewann, ist zum dritten Mal in der deutschen Hauptstadt dabei ("Berlin hat die beste Strecke und unglaubliche Zuschauer"). Es geht um 50.000 Euro Siegprämie und einen Rekordbonus in gleicher Höhe. Gebrselassies Antrittsgage liegt bei geschätzten 250.000 Euro. Sein schärfster Rivale ist der Kenianer Charles Kamathi, 2001 in Edmonton 10.000-m-Weltmeister, dessen Bestzeit bei 2:07:33 Stunden steht.

"Olympia ist abgehakt"

Mikitenko wäre die erste deutsche Siegerin seit vor 13 Jahren Lokalmatadorin Uta Pippig gewann. Die 36-jährige Mikitenko will der Olympiaenttäuschung davonlaufen und im Rennen um den Jackpot der WMM in Führung gehen. Acht Wochen nach dem verletzungsbedingten Verzicht auf einen Start in Peking braucht die die einstige Goldkandidatin dafür den zweiten Sieg im dritten Marathon ihrer Karriere.

"Ich will mit einem guten Rennen und einer guten Zeit beeindrucken", sagt die 36-Jährige: "Olympia ist abgehakt. Ich darf nicht mehr nach hinten schauen, sonst verliere ich Energie und Zeit."

Nach der glänzenden 42,195-km-Premiere im Vorjahr in Berlin (Rang zwei), dem London-Sieg am 13. April in der deutschen Rekordzeit von 2:24:14 Stunden und dem deutschen 10-km-Rekord von vor zwei Wochen (30:57) in Karlsruhe geht "Miki" als Favoritin ins Rennen. Dabei ist sie im Vergleich zur äthiopischen Konkurrentin Askale Tafa Magarsa (zehn Marathons, Bestzeit 2:23:23) noch eine Anfängerin.

Halbe Million US-Dollar im Visier

Mit einem Sieg in Berlin könnte Mikitenko einer halben Million US-Dollar ein bedeutendes Stück näher kommen. In der Punktwertung der WMM, der zweijährigen Serie mit den fünf größten Läufen der Welt (neben London und Berlin noch New York, Chicago und Boston) sowie den internationalen Meisterschaften, würde sie mit der Äthiopiern Gete Wami gleichziehen. Doch das interessiert sie vorerst noch nicht: "Erst muss ich gewinnen. Über alles andere können wir danach nochmal quatschen."