2008.09.29 Neuss : Deutsche Piloten fahren in Singapur vorneweg

Gleich vier deutsche Piloten fuhren am Sonntag beim ersten Nachtrennen der Formel 1 in Singapur in die Punkte. Allen voran Nico Rosberg, der als Zweiter gar auf dem Podium stand.

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Nico Rosberg (l.) durfte in Singapur auf das Treppchen

Nico Rosberg als Zweiter auf dem Podest, Timo Glock, Sebastian Vettel und Nick Heidfeld in den Punkten, Mercedes in beiden WM-Wertungen vorn - die "Formel Deutsch" erlebte unter dem Nachthimmel von Singapur eine Sternstunde. Zum ersten Mal überhaupt schafften es gleich vier deutsche Fahrer, bei einem Grand Prix in die Punkte zu fahren.

"Ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die zwei "Ausländer" muss man wohl dulden", sagte Ex-Weltmeister Keke Rosberg, der sich vor allem mit seinem Sohn Nico über dessen bestes Resultat in der "Königsklasse" freuen durfte. Mit "Ausländer" meinte Rosberg Überraschungssieger Fernando Alonso (Spanien) und WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (Großbritannien), der im "Silberpfeil" Dritter wurde und so seine WM-Führung ausbaute - ansonsten war das "Team Germany" auf den ersten sechs Plätzen unter sich.

20 Punkte holte das deutsche "Team" und stellte damit einen auf den Tag genau fünf Jahre alten Rekord ein. Am 28. September 2003 hatten Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher in Indianapolis mit den Plätzen eins, drei und fünf schon einmal dieses Traumergebnis erreicht. Mehr Punkte hatte zuletzt vor 16 Jahren Frankreich geholt, als Rene Arnoux, Alain Prost, Didier Pironi und Patrick Tambay beim Heimspiel am 25. Juli 1982 in Le Castellet mit den Plätzen eins bis vier 22 Zähler einfuhren.

"Jungs haben einen super Job gemacht"

"Die Jungs haben einen super Job gemacht. Sie sind fehlerfrei gefahren und haben das Beste rausgeholt", meinte Ex-Pilot Christian Danner. Und auch aus den Chefetagen gab es nur lobende Worte. "Die Deutschen haben sich hier prächtig geschlagen - bei einem wirklich schwierigen Rennen, vielleicht dem schwierigsten der Saison", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Vier Fahrer in den Top Sechs und Lewis Hamilton im Silberpfeil auf dem Podium. Glückwunsch an Nico, Timo, Sebastian und Nick."

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen freute sich vor allem für Nico Rosberg, der einst in einem Williams-BMW als 17-Jähriger seinen ersten Formel-1-Test bestanden hatte. "Er hat eine schwierige Saison hinter sich. Nach einem guten Auftakt ging gar nichts mehr. Er hätte auf ähnlichen Kursen durchaus die Chance gehabt, einige Punkte zu holen, aber das hat nie geklappt. Deswegen freue ich mich für ihn und Williams, dass sie hier auf dem Podium gestanden haben."

Den zweiten Platz habe sich Rosberg redlich verdient, meinte Danner: "Der arme Kerl fährt so oft um die goldene Ananas." Trotz vieler Rückschläge in den letzten Monaten hat der 23-Jährige seinem Williams-Team immer wieder die Treue geschworen ("Ich glaube, dass wir die richtigen Leute im Team haben") und setzt angesichts der weitreichenden Regeländerungen für 2009 auf eine Steigerung. "Dieses Ergebnis ist toll für das ganze Team und gibt uns einen riesigen Schub für den Winter und das nächste Jahr."

Glock und Vettel nicht ganz zufrieden

Für die hohen Ambitionen der deutschen Piloten spricht, dass Glock, Monza-Sieger Vettel und Heidfeld mit ihren Plätzen noch nicht mal hundertprozentig zufrieden waren. Glock ärgerte sich bei aller Freude über Rang vier ein bisschen darüber, dass er in der ersten Rennphase "hinter Vettel festhing", der wiederum seinerseits ein bisschen dem möglichen vierten Platz nachtrauerte, "weil Timo durchschlüpfte, als ich mich einmal verbremst hatte".

Heidfeld steckte während des gesamten Rennens im Verkehr fest. "Obwohl man sich nicht beschweren kann, wenn man von Startplatz neun aus Sechster wird, finde ich es unheimlich schade, dass ich keine Chance hatte, meinen wahren Speed zu zeigen", meinte "Quick Nick", der noch um sein BMW-Sauber-Cockpit für das nächste Jahr kämpft.

Für McLaren-Mercedes war Singapur auch ohne Sieg eine Reise wert. Nach der Tank-Panne von Felipe Massa und dem Ausfall seines Ferrari-Kollegen Kimi Räikkönen übernahmen die "Silberpfeile" mit einem Punkt Vorsprung die Führung in der Konstrukteurs-WM. In der Fahrerwertung liegt Hamilton nach Massas Nullnummer mit sieben Punkten vorn.