2008.10.08 Neuss : Deutsche Radklassiker in Gefahr

Der Dopingfall Stefan Schumacher zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. Die Radklassiker "Rund um Köln" und "Rund um den Henninger Turm" stehen vor dem Aus.

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Die Zukunft der deutschen Radklassiker sieht düster aus

Die Zukunft der Radklassiker "Rund um Köln" und "Rund um den Henninger Turm" ist nach dem Dopingfall von Radprofi Stefan Schumacher stärker denn je gefährdet. "Mir ist die Spucke weggeblieben, als ich das gehört habe. Jetzt kann ich keinem Profi mehr trauen. Ich werde wohl nur noch ein Amateurrennen machen", sagte Kölns Cheforganisator Artur Tabat dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Henninger-Chef Bernd Moos-Achenbach erklärte: "Ich habe in den vergangenen Wochen gute Gespräche geführt, aber der Fall Schumacher wirft uns sehr weit zurück. Es gibt Radsportler, die viel in den Beinen, aber nichts im Kopf haben. Das trifft auch auf ihn zu." Aus Sicht von Tabat, der bislang erst einen Sponsor gefunden hat, der ihm ein Amateurrennen finanzieren würde, "denken viele Profis nur noch von heute auf morgen". Sie hätten immer noch nicht begriffen, dass "das Ende der Fahnenstange" erreicht sei.

Auch die Deutschland-Tour macht sich Sorgen

Zudem könnte der Dopingfall auch für die Deutschland-Tour weitreichende Folgen haben. Deren Zukunft hängt maßgeblich von einer Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ab, und die steht auf der Kippe. "Für die Kritiker am Radsport innerhalb der ARD ist dies Wind in den Segeln", sagte Rundfahrt-Chef Kai Rapp am Mittwoch: "Fürsprecher haben es dadurch noch schwerer."

Schumacher habe dem Radsport einen Bärendienst erwiesen. "Es zeigt, wie Egoismus den Leistungssport dominiert", meinte Rapp. Allerdings sei der Fall auch ein Beleg für die Zuverlässigkeit der Kontrollen: "Ich gehe davon aus, dass man anhand der im Januar 2008 eingeführten Blutprofile erkennt, wer die Schwarzen Schafe sind und sie gezielt testet."

Gerdemann hat Angst um seinen Job.

Deutschland-Tour-Sieger Linus Gerdemann sieht den Radsport nach dem Dopingfall Stefan Schumacher in den Grundfesten erschüttert und fürchtet auch Konsequenzen für seine persönliche Karriereplanung. "Die Auswirkungen sind gravierend. Mir wird die Plattform für meinen Beruf entzogen", erklärte der 26-Jährige in einem Gastkommentar für den Kölner Stadt-Anzeiger.

"Das Fernsehen überlegt seinen Ausstieg, Sponsoren auch, unsere Glaubwürdigkeit ist im Keller. Am meisten tun mir die Jugendlichen leid, denen die Basis für ihren Sport entzogen wird. Es gibt doch jetzt kein Lottogeschäft mehr, das bedenkenlos für ein Kinderrennen spendet. Das ist furchtbar", meinte der Columbia-Profi, der momentan vom Milram-Rennstall umworben wird.