2008.10.08 Neuss : Löw lässt sich nicht in die Karten schauen

Joachim Löw hält vor dem wichtigsten Spiel der WM-Quali die Spannung bei der deutschen Nationalmannschaft bewusst hoch. Selbst Kapitän Michael Ballack hat keine Einsatz-Garantie.

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Bundestrainer Löw lässt sich nicht in die Karten schauen

Großer Respekt vor den Russen, großer Druck auf das eigene Team: Joachim Löw hält vor dem wichtigsten WM-Qualifikationsspiel bewusst die Spannung bei der deutschen Nationalmannschaft hoch. Selbst Kapitän Michael Ballack, der erstmals nach dem EM-Finale gegen Spanien (0:1) wieder im DFB-Kader steht, erhielt vor der Partie des Vize-Europameisters am Samstag (20.45 Uhr/live in der ARD) in Dortmund gegen Russland vom Bundestrainer keine Einsatz-Garantie.

"Ich freue mich, dass ich durch die Rückkehr von Ballack, Friedrich, Frings und Mertesacker grundsätzlich wieder mehr Möglichkeiten habe. Ich werde jeden einzelnen Spieler im Training genau beobachten und dann eine Entscheidung treffen. Die Spieler müssen körperlich und mental für Russland 100 Prozent bereit sein. Wer das nicht bringt, wird nicht von Anfang an auflaufen", schürte Löw am Mittwoch in Düsseldorf den Konkurrenzkampf in seinem 21 Mann starken Aufgebot.

Deshalb forderte der Bundestrainer seine Stars noch einmal eindringlich auf, alle Nebengeräusche vor dem Duell gegen den vermeintlich stärksten Gegner der Europa-Gruppe 4 auszublenden. "Es interessiert mich in dieser Woche nicht, was in Schalke, Bremen oder München los ist. Wenn die Spieler am Samstag in Dortmund durch den Tunnel aufs Spielfeld laufen, dann dürfen sie nicht mehr wissen, für welchen Verein sie spielen und welches Auto sie fahren. Wir müssen absolute Konzentration an den Tag legen", sagte Löw eindringlich.

Löw stellt Russland auf eine Stufe mit Europameister Spanien

Zumal der 48-Jährige am Mittwoch den Gegner auf eine Stufe mit Europameister Spanien oder auch Argentinien stellte und in den höchsten Tönen lobte. Das Team des niederländischen Trainers Guus Hiddink habe eine "unglaubliche Stärke in der Offensive. Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die vom Ballgewinn bis zum Abschluss so schnell umschalten kann".

Der DFB-Coach, der sein Team am Mittwoch zweimal zum Training bat, sprach darüber hinaus respektvoll von "Wahnsinns-Kombinationsfußball". Die Sbornaja zeige eine "ganz klare Entwicklung zur Weltspitze". Hiddink habe "Struktur, Organinsation und Disziplin" reingebracht.

Auch deshalb mache er sich zusammen mit seinem Trainerstab und Chefscout Urs Siegenthaler "Tag und Nacht viele Gedanken. Wir werden der Mannschaft diesmal einige konkrete Hinweise mehr geben". Die Spieler müssten genau wissen, "was sie tun dürfen und was nicht, um den Russen ihre Stärken zu nehmen. Wir müssen vor allem unsere Fehler minimieren und leichte Ballverluste in der eigenen Hälfte vermeiden."

Gleichzeitig erwartet Löw aber auch, "dass wir unser Spiel klar und deutlich durchbringen. Wir wollen wie immer agieren und mit Risiko und Power nach vorne spielen. Davon wollen wir kein bisschen abrücken."

Löw: "Das ist die Partie mit der größten Brisanz"

Mit welchem Personal er die vielen Vorgaben am Samstagabend in der ausverkauften Dortmunder Arena umsetzen will, ließ Löw komplett offen. Weder gab es eine klare Aussage zum normalerweise gesetzten Ballack, den Torhütern oder zur Besetzung im Angriff, wo nur Miroslav Klose nach seinen drei Treffern von Finnland (3:3) seinen Platz sicher zu haben scheint.

Lukas Podolski habe im DFB-Team "häufig sehr gut gespielt". Aber auch Aufsteiger Patrick Helmes könne eine "wichtige Rolle" einnehmen, meinte Löw: "Er ist immer brandgefährlich und sprüht vor Spielfreude."

Im Tor habe zwar Robert Enke nach zuletzt drei Länderspielen einen "kleinen Vorteil", so der Bundestrainer. Aber auch Rene Adler habe nach seiner Verletzung schnell wieder seine Form gefunden: "Wir werden bis Freitag abwarten."

Nach bisher zwei Spielen auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika führt Deutschland die Tabelle der Qualifikationsgruppe 4 mit 4 Zählern an. Gegen Russland sollen zu Hause weitere 3 Punkte hinzukommen. "Das ist die Partie mit der größten Spannung und der größten Brisanz", erläuterte Löw, "aber ich glaube nicht, dass es das einzig ausschlaggebende Spiel sein wird. Um Gruppenerster zu werden, muss man auch möglichst viele Punkte gegen vermeintlich kleinere Gegner holen. Da darf man keine Federn lassen."