2008.10.16 Neuss : Lewis für deutsche Piloten WM-Favorit

Im deutschen Formel-1-Fahrerlager gibt es einen klaren Favoriten für den Weltmeistertitel - Lewis Hamilton. "Ich glaube, dass er es schafft", sagt Adrian Sutil.

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Adrian Sutil setzt auf Ex-Teamkollege Lewis Hamilton

Für die deutschen Formel-1-Piloten ist Lewis Hamilton trotz der "Nullnummer" von Fuji der klare Favorit im Dreikampf um den Weltmeister-Titel, nur der siebenmalige Champion Michael Schumacher glaubt an seinen früheren Teamkollegen Felipe Massa. "Ich weiß, dass Felipe das kann", sagte Schumacher auf seiner Homepage (www.michael-schumacher.de): "Ich weiß, wie er fährt, ich bin gemeinsam mit ihm gefahren. Ich weiß wie gut er ist."

Dagegen spricht sich die Mehrzahl der aktuellen deutschen Fahrer vor dem Großen Preis von China in Shanghai eindeutig für McLaren-Mercedes-Fahrer Hamilton aus, Timo Glock glaubt sogar an die Außenseiter-Chance von Robert Kubica. Sebastian Vettel wäre die nicht mehr mögliche Titelverteidigung des Finnen Kimi Räikkönen am liebsten. Auf dessen Ferrari-Teamkollegen Massa setzt niemand.

Schumacher wünscht Massa den Titel

Schumacher ist darüber sehr erstaunt. "Er ist ein kraftvoller Fahrer und ein gefährlicher Gegner - aber vielleicht haben die Leute Schwierigkeiten, das zu sehen, weil er immer noch wie ein Junge aussieht", mutmaßt der Kerpener: Der Titel ist in Reichweite, die WM ist noch absolut offen." Als "Freund von Felipe" wünscht Schumacher dem Brasilianer "natürlich den Titel".

Die Konkurrenten trauen Massa das aber offenbar nicht zu, auch wenn ihm viele Sympathien gelten. "Ich glaube, dass Lewis Weltmeister wird, würde es aber Massa wünschen, weil ich ihn mehr mag", sagt BMW-Sauber-Pilot Heidfeld offen. Pikant, dass der 31-jährige Mönchengladbacher seinen Teamkollegen Kubica zwei Rennen vor Saisonende offenbar nicht mehr auf der Rechnung hat und außerdem den Brasilianer als neuen Weltmeister bevorzugt.

Vor dem Rennen am Sonntag (9.00 Uhr MESZ/live bei RTL und Premiere) führt Hamilton die WM-Wertung mit 84 Punkten vor Massa (79) und Kubica (72) an. Eine Ausgangslage, die den Silberpfeil-Star auch für Williams-Toyota-Pilot Rosberg zum Favoriten macht. "Lewis hat die besseren Chancen, auch vom Auto her", glaubt Rosberg. Derjenige, der jetzt keine Fehler mehr mache, werde den Titel gewinnen. "Gönnen würde ich es beiden", meint Rosberg und ergänzt angesichts der Drucksituation: "Ich kenne Lewis sehr gut. Man kann in seinem Gesicht schon sehen, was los ist."

Sutil setzt auf Hamilton

Force-India-Pilot Sutil setzt ebenfalls auf seinen ehemaligen Formel-3-Teamkollegen Hamilton. "Ich glaube, dass er aus dem letzten Jahr gelernt hat und es schafft", sagt Sutil trotz des unnötig aggressiven Fahrstils, mit dem sich Hamilton in Fuji gleich in der ersten Kurve ins Hintertreffen brachte und eine Durchfahrtsstrafe kassierte. Eigentlich sei der 23-Jährige "stark vom Kopf her, aber er riskiert viel. Da kann dann schon mal was passieren am Ende der Saison", meint Sutil.

Die vielen Fehler der beiden ärgsten WM-Rivalen ist für Toyota-Pilot Glock der Grund für seinen Tipp auf Kubica. Schon vor dem Rennen in Fuji habe er auf den 23-Jährigen gesetzt, als der noch 20 Punkte zurücklag. Jetzt, bei nur noch zwölf Zählern Rückstand, glaube und hoffe er erst recht, dass seine Wette in Erfüllung geht.

Glock, der 2007 den Titel in der Nachwuchsserie gewann, kann durchaus nachfühlen, was in Lewis Hamilton derzeit vorgeht. "Ich habe auch eine etwas unruhigere Kupplungshand gehabt, als es um den Titel ging. Ich habe damals allerdings etwas defensiver reagiert und nicht mit der Brechstange", erinnert sich Glock: "Lewis ist verbissener, er sagt sich: "Alles oder nichts"."

Nur Vettel will sich nicht festlegen. Der Toro-Rosso-Pilot glaubt zwar, dass es Hamilton und Massa unter sich ausmachen, aber er würde es Räikkönen wünschen. "Ich komme mit ihm sehr gut aus, aber leider geht das ja nicht mehr", sagt der Monza-Sieger über den "Iceman".