2008.10.16 Neuss : Liga schiebt Großinvestoren Riegel vor

Der Ligavorstand hat die "50+1-Regelung" bestätigt. Damit bleiben die 36 Profi-Klubs der deutschen Bundesligen unter Kontrolle der Vereine. Hannovers Martin Kind droht mit Klage.

jbe
Die "50+1-Regelung" hat auch weiter Bestand

Der Ligavorstand der 36 deutschen Profi-Klubs hat sich gegen englische Verhältnisse ausgesprochen. So sollen Investoren auch in Zukunft keine Mehrheit und damit auch keine uneingeschränkte Macht in den Vereinen erwerben können. Der Ligavorstand sprach sich am Donnerstag auf einer mehrstündigen Sitzung für die weitere Gültigkeit der derzeitigen "50+1-Regelung" aus, durch die bei den in Kapitalgesellschaften umgewandelte Klubs 50 Prozent plus eine Stimme der Anteile unter Kontrolle der jeweiligen Vereine stehen müssen. Einen entsprechenden Vorschlag wird der Ligavorstand der nächsten Mitgliederversammlung machen und den Klubs der Linzenzligen auch erläutern.

Martin Kind will klagen

Der Vorstandsvorsitzende von Hannover 96, Martin Kind, seit langem ein eifriger Verfechter der Streichung der 50+1-Regel, reagierte empört und kündigte Klagen gegen die Deutsche Fußball Liga (DFL) und gegebenenfalls auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) an. "Diese Empfehlung hätte man deutlich früher formulieren können, so haben wir viel Zeit verloren. Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit dieser Empfehlung folgen wird", sagte Kind der Tageszeitung Die Welt (Freitagausgabe).

"In diesem Fall wird es zu einer Rechtsklärung kommen müssen. Es wird auf jeden Fall eine Klage geben", so Kind weiter: "Gegen wen genau, muss noch geklärt werden. Auf jeden Fall gegen die DFL, in der Folge eventuell auch noch gegen den DFB. Es gibt keinen anderen Weg." Diese Regelung gebe es nur in Deutschland: "Es liegt in der Mentalität der Deutschen, dass sie nicht die Chancen sehen, sondern vor allem die Risiken."

Ligapräsident Rauball will den Wettbewerb schützen

"Dieser Beschluss wurde nach einer sehr sachlich geführten Diskussion und unter Berücksichtigung der Argumente von Hannover 96 getroffen. Die Bundesliga lebt von ihrer Stabilität und ihrer Ausgeglichenheit. Maßgebliches Gut muss auch künftig der Schutz des Wettbewerbs bleiben. Die getroffene Entscheidung soll dazu beitragen, dies zu gewährleisten", sagt Ligapräsident Reinhard Rauball.

Vereine wie Hannover hatten sich zuletzt im Sinne einer Erschließung neuer Kapitalquellen für eine weitere Öffnung für finanzstarke Investoren ausgesprochen. Kritiker dieser Strategie befürchteten, dass die Klubs dadurch jedoch zu Spekulationsobjekten verkommen könnten.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vom deutschen Meister Bayern München, in Personalunion auch Mitglied des Ligavorstandes, hatte zu Monatsbeginn angesichts der monatelangen Diskussionen über die Thematik auf eine Entscheidung über den künftigen Umgang mit der 50+1-Regel gedrängt.

Für eine Änderung der Vorschrift sind Zwei-Drittel-Mehrheiten sowohl in der Mitgliederversammlung des Liga-Verbandes als auch auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) notwendig.