2008.10.17 Neuss : Argentiniens Coach Basile nimmt seinen Hut

Der zweimalige Weltmeister Argentinien muss sich nach einem neuen Nationaltrainer umsehen. Alfio "Coco" Basile räumte nach dem bitteren 0:1 gegen Chile seinen Stuhl.

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Aus für Alfio Basile

Still und heimlich trat die graue Eminenz des argentinischen Fußballs von der großen Bühne ab: Alfio Basile erklärte nach der historischen 0:1-Pleite in Chile hinter verschlossenen Türen seinen Rücktritt als Trainer der Nationalmannschaft des zweimaligen Weltmeisters. Nicht ein Wort war vom 64-Jährigen in den entscheidenden Stunden in Buenos Aires zu erfahren.

Dafür musste noch in der Nacht ein sichtlich angeschlagener Julio Grondona vor die Presse treten. Während sich auf den Stufen des Gebäudes des argentinischen Fußball-Verbandes (AFA) schon längst eine knappe Hundertschaft neugieriger Journalisten eingefunden hatte, um vom allmächtigen AFA-Boss eine offizielle Bestätigung für die Nachricht des Tages zu erhalten, diktierte Grondona die mit Spannung erwarteten Worte in die Mikrofone: "Ja, es stimmt. Es waren persönliche Gründe."

Historische Pleite gab den Ausschlag

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war die Niederlage am Vortag in Santiago. Erstmals hatte Argentinien gegen den Nachbarn ein Pflichtspiel verloren. Die Wucht der Kritik, die anschließend über "Coco" Basile in der argentinischen Presse hereinbrach, war offenbar zu viel für den Trainerfuchs.

Dabei hatte die südamerikanische WM-Qualifikation mit drei Siegen in Folge für die "Gauchos" nach Wunsch begonnen, ehe die argentinische Formkurve steil nach unten zeigte: Fünf Spiele ohne Sieg nagten am Image des Trainers, der schon nach der deutlichen 0:3-Schlappe im Finale der Copa America 2007 gegen den Erzrivalen Brasilien Sympathie eingebüßt hatte. Zwar gelang der "Albiceleste" am vergangenen Wochenende noch ein 2:1-Sieg im Klassiker gegen Uruguay, doch nach dem 0:1 in Chile im Rahmen der Eliminatoria 2010 war das Vertrauen endgültig aufgebraucht.

Batista als Nachfolger im Gespräch

Dort liegt Argentinien nach zehn von 18 Spieltagen mit 16 Punkten nur auf dem dritten Rang. Der Vorsprung vor Platz fünf, der zwei Relegationsspiele gegen einen Vertreter aus Nord- oder Mittelamerika nötig machen würde, beträgt nur drei Punkte.

Als heißester Kandidat auf die Nachfolge Basiles, der seit September 2006 zum zweiten Mal dieses Amt ausfüllte, gilt nun der Weltmeister von 1986, Sergio "El Checho" Batista, der die argentinische Olympia-Auswahl in Peking als Trainer zur Goldmedaille führte. In der Gerüchteküche werden zudem Ex-Rekordnationalspieler Diego Simeone, derzeit Coach des Traditionsklubs River Plate und San-Lorenzo-Trainer Miguel Angel Russo gehandelt. Auch das argentinische Idol Diego Maradona ist wie immer in der Verlosung, wenn es in Argentinien um die Verteilung wichtiger Aufgaben geht.