2008.10.17 Neuss : Lewis Hamilton will den ersten Matchball nutzen

Vor dem vorletzten Formel-1-Rennen der laufenden Saison hat Lewis Hamilton fünf Punkte Vorsprung. Der erste Schlagabtausch mit Felipe Massa ging bereits an den Briten.

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Lewis Hamilton will in China glänzen

Lewis Hamilton will den ersten Matchball nutzen und sich im Reich der Mitte zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten krönen. Der Anfang ist bereits gemacht: Am Freitag legte der McLaren-Mercedes-Pilot im freien Training von Shanghai die Tagesbestzeit vor. In 1:35,630 Minuten absolvierte der Brite die 5,451 Kilometer lange Strecke, Zweiter wurde Konkurrent Felipe Massa hauchdünn vor Fernando Alonso. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) war als Elfter bester Deutscher.

Dennoch spürt Hamilton den Atem der Verfolger immer stärker im Nacken. Nur noch fünf Punkte liegt Ferrari-Rivale Massa vor dem vorletzten WM-Lauf am Sonntag (9.00 Uhr MESZ/live bei RTL und Premiere) zurück. Und plötzlich hat sogar der Pole Robert Kubica im BMW-Sauber bei zwölf Zählern Rückstand zumindest eine Außenseiterchance.

Doch diesmal will Hamilton nicht wie vor einem Jahr versagen, als er in den letzten beiden Rennen noch einen 17-Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben hatte. "Ich denke, dass alle diese Jungs die Besten sind. Um der Allerbeste zu sein, muss ich sie besiegen", sagt der 23 Jahre alte McLaren-Mercedes-Pilot. Sollte Hamilton gewinnen, müsste Massa mindestens Vierter werden, um beim WM-Finale in seiner brasilianischen Heimat Sao Paulo am 2. November noch eine Chance zu haben.

Massa zeigt sich kämpferisch

Doch Massa gibt nicht auf: "Wir müssen versuchen, beide Rennen zu gewinnen." Auch BMW sagt Hamilton nun den Kampf an. "Wir werden nicht schlafen. Wir werden alles probieren, was in der Kürze der Zeit noch möglich ist", sagt Technik-Chef Willy Rampf.

Die Kritik an Hamiltons zu riskanter Fahrweise reißt nicht ab. Jetzt meldete sich auch noch der dreimalige Weltmeister Sir Jackie Stewart zu Wort. "Seine Fahrweise war gegenüber den anderen etwas arrogant", kritisiert Stewart: "Das Rennen in Japan hat gezeigt, dass Lewis noch sehr jung und auf der Rennstrecke nicht immer genauso cool ist, wie er sich in Interviews gibt." Wenn er so weitermache wie in Japan, werde er nicht Weltmeister.

Ex-Weltmeister Damon Hill vergleicht die Situation mit der seines ehemaligen Kontrahenten Michael Schumacher: "Auch Michael hatte Zwischenfälle, aber man konnte sicher sein, dass er es im Normalfall nach Hause fährt. Er hat einfach nicht zugelassen, dass die Ungeduld Überhand nahm." Hamilton müsse jetzt cool bleiben und es nicht erzwingen wollen.

Hamilton zeigt sich selbstbewusst

Gegenüber der Bild gab sich der Vize-Weltmeister jedenfalls ganz selbstbewusst: "Die ganze Kritik verletzt mich nicht. Die Fahrer da draußen sind superharte Gegner - und wenn du wie ich die WM anführst, versuchen deine Rivalen natürlich, auch außerhalb der Strecke den größtmöglichen Druck aufzubauen." Er sei eben "ein leidenschaftlicher Rennfahrer", deshalb gehe er auch kritischen Situationen nicht aus dem Weg. Ob Hamilton aber auch die nötige Coolness hat, muss er nun in Shanghai beweisen.