2008.10.18 Neuss : Längere Laufzeit der TV-Rechte angedacht

Die Laufzeit der Bundesliga-Rechte soll nach Spiegel-Informationen von drei auf vier Jahre verlängert werden. Interesse an den Rechten hat derweil angeblich auch der Sender ESPN.

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Die Zukunft der TV-Rechte bleibt spannend

Die Bundesliga-Rechte sollen nach Informationen des Nachrichten-Magazins Der Spiegel bei der anstehenden Ausschreibung Ende Oktober für vier statt wie bisher nur für drei Jahre vergeben werden. Dies müsse allerdings noch mit dem Bundeskartellamt abgestimmt werden, hieß es.

In anderen europäischen Ländern sind längere Laufzeiten bei den TV-Verträgen gang und gäbe. So werden in den Niederlanden die Rechte für fünf Jahre ausgeschrieben. Eine längere Vertragslaufzeit würde die Planungssicherheit der Käufer erhöhen - und die Liga kann auf höhere Honorare hoffen. Derzeit zahlt der Pay-TV-Sender Premiere 205 Millionen Euro pro Saison für die Rechte.

ESPN mit Interesse an der Bundesliga?

Gleichzeitig erwächst dem Abo-Kanal, der bislang als "Platzhirsch" im Bezahlfernsehen in Deutschland keine Nebenbuhler zu fürchten hat, möglicherweise doch Konkurrenz. Angeblich soll der zum Disney-Konzern gehörende Sportsender ESPN Interesse an den Bundesliga-Rechten haben. Es sollen bereits Gespräche mit deutschen Kabelnetzbetreibern geführt worden sein. ESPN hatte vor Jahren einen Einstieg beim Münchner Sportkanal DSF geprüft, als dieser noch zum Firmenreich Leo Kirchs gehörte.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollte sich zu den Spekulationen um eine Ausschreibung für vier Jahre sowie ein mögliches Angebot von ESPN nicht äußern. Allerdings ist eine längere Laufzeit nach sid-Informationen wahrscheinlich.

Abendspiel sorgt für Unmut

Zudem käme der DFL eine Konkurrenzsituation im Pay-TV-Bereich gerade recht, um in der Inlandsvermarktung doch auf die bislang erzielte Summe von 409 Millionen Euro per annum zu kommen. Aufgrund bereinigter Abonnentenzahlen hatte Premiere zuletzt ein sattes Minus verkündet, womit Zweifel aufgekommen waren, ob der Abo-Sender noch in der Lage ist, eine ähnlich hohe Summe wie zuletzt aufzubringen.

Premiere, aber auch anderen Free-TV-Sendern wurde - wie inzwischen durchsickerte - ein Spiel des Tages samstags um 18.30 Uhr parallel zur ARD-Sportschau offeriert. Das Erste lehnte dieses Ansinnen ab und drohte seinerseits mit Kürzungen des Honorars für die Bundesliga-Rechte. Die ARD zahlt für die Erstverwertung im frei empfangbaren Fernsehen am Samstag bislang 97 Millionen Euro pro Jahr.

ARD will Bundesliga in der Sportschau behalten

Für die öffentlich-rechtlichen Sender wird es unterdessen im Wettbewerb um die großen Sportrechte nach Einschätzung des ARD-Vorsitzenden Fritz Raff immer schwerer mitzuhalten. Dennoch will die ARD die Sportschau mit der Bundesliga halten.

"Wir sind sehr konkret daran interessiert, die Sportschau mit der Bundesliga bei uns zu behalten. Aber man darf sich nichts vormachen, wenn da die großen Player kommen, dann gibt es für den gebührenfinanzierten Rundfunk auch Grenzen", sagte Raff der WirtschaftsWoche.

"Ich bin mir schon seit längerem darüber im Klaren, dass gerade der Sportrechtebereich für die Öffentlich-Rechtlichen sehr schwierig werden wird. Wenn diese Entwicklung eintritt, dann wird es für uns eine Endlichkeit geben beim Mitbieten um bestimmte große Rechte, dann müssen wir auf unsere anderen Qualitäten setzen", wird Raff zitiert.