2008.10.25 Neuss : Häußler steigt als krasser Außenseiter in den Ring

Supermittelgewichtler Danilo Häußler hat heute im WM-Kampf gegen Mikkel Kessler keine Chance, doch die will er nutzen. Der 33-Jährige setzt auf seine konditionellen Fähigkeiten.

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Mikkel Kessler gilt als einer der besten Boxer derzeit

Wie gut, dass Danilo Häußler schon für die Zukunft vorgesorgt hat. Seit zwei Monaten ist der 33-Jährige in einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Was Ordentliches, wenn es mit dem Berufsboxen vorbei ist. Und das wird aller Wahrscheinlichkeit nach Samstag nach in Oldenburg der Fall sein. Der Supermittelgewichtler aus Schwedt tritt zum WM-Kampf des Verbandes WBA gegen den dänischen Titelverteidiger Mikkel Kessler an (22.20 Uhr/live in der ARD).

Ein Kampf, den Häußler nicht gewinnen kann, wenn er denn in seiner elfjährigen Profikarriere nicht alle Beobachter getäuscht hat. Drei Niederlagen musste er bereits einstecken, diverse knappe Punkturteile wurden unter Pfiffen zu seinen Gunsten entschieden und in seinem letzten Kampf im Dezember 2007 scheiterte er durch ein Unentschieden beim Versuch, noch einmal Europameister zu werden.

Auf Rang 34 führt ihn die unabhängige Computer-Weltrangliste. Nur sieben seiner 29 Siege feierte Häußler vorzeitig, er hat empfindliche Augenbrauen, die schnell aufplatzen und wird bei den Konkurrenzverbänden der WBA nicht unter den Top Ten geführt.

Sein Gegner gilt dagegen als einer der derzeit besten Boxer der Welt. Der mit seiner halbseitigen Tätowierung ausgesprochen martialisch aussehende Däne ist ein K.o.-Schläger, der vor zwei Jahren Markus Beyer durch einen K.o. in der dritten Runde den WM-Titel entriss. 30 seiner 40 Siege kamen durch Knockout, die einzige Niederlage erlitt er gegen Superstar Joe Calzaghe.

Nartz: "Dieser Kampf ist versuchter Totschlag"

"Dieser Kampf ist versuchter Totschlag", sagte Jean-Marcel Nartz, der Technische Direktor von Sauerlands Kontrahenten Universum Box-Promotion der Sport Bild, "es ist das Mismatch des Jahres, ein völlig ungleiches Duell." Selbst Kesslers Promoter Mogens Palle klagt: "Diese Ansetzung ist völlig verantwortungslos."

Häußlers Trainer Manfred Wolke weiß natürlich auch, was auf seinen tapferen, aber technisch limitierten Schützling zukommt, das Handtuch zur Aufgabe ist stets griffbereit. "Kessler ist im Moment wahrscheinlich der beste Boxer der Welt. Für Danilo ist das eine riesige Herausforderung. Aber man wächst sowieso nur an außergewöhnlichen Aufgaben."

Häußler setzt auf seine "bessere Kondition"

Häußler hat bedingt durch Krankheiten und Verletzungen von ihm und seinen geplanten Gegnern fast ein Jahr nicht mehr im Ring gestanden und versucht, dieses Defizit durch intensiveres Sparring wettzumachen. "Ich muss alles versuchen, um die ersten vier Runden zu überstehen. Danach kann ich meine bessere Kondition ausspielen", hofft der optimistische Boxer aus Frankfurt/Oder.

Falls das aber nicht gelingt, hat die ARD immerhin vorgesorgt, damit der Fernsehabend am Ring nicht zu schnell endet. Nach Häußler verteidigt in der Weser-Ems-Halle Marco Huck erstmals seinen EM-Titel im Cruisergewicht. Dabei trifft der 23-Jährige aus Bielefeld auf den Italiener Fabio Tuiach (28), der mit 22 Siegen aus 23 Profikämpfen die gleiche Bilanz wie der Titelverteidiger ausweist.