2008.11.01 Neuss : Brisanter WBA-Kampf zwischen Sturm und Sylvester

Mit Felix Sturm und Sebastian Sylvester stehen sich heute in Oberhausen erstmals seit 2000 wieder zwei deutsche Boxer in einem WM-Fight gegenüber. Beide stichelten im Vorfeld.

nse
WBA-Titelverteidiger Felix Sturm

"Dummer Pole" - die Beleidigung von Graciano Rocchigiani in Richtung Dariusz Michalczewski vor dem WM-Kampf der beiden im April 2000 ist legendär. Seitdem haben sich nie mehr zwei Deutsche im Ring um einen WM-Titel gegenübergestanden. Bis zum heutigen Samstag (22.00 Uhr/live im ZDF). Und wenn in Oberhausen Titelverteidiger Felix Sturm aus Leverkusen und Herausforderer Sebastian Sylvester aus Greifswald um den WBA-Gürtel im Mittelgewicht kämpfen, ist die Stimmung mindestens so angespannt wie damals bei "Tiger" gegen "Rocky".

"Hassduell" zwischen zwei Deutschen

"Hassduell" steht selbst auf der Internetseite von Sylvesters Wiking Boxstall. Seit Jahren bauten sich die gegenseitigen Sticheleien aus beiden Lagern immer weiter auf. De-Eskalation ist auf beiden Seiten nicht vorgesehen. "Verstand und Niveau ist bei denen nicht vorhanden", erklärte Sturm mit Blick auf "Hurrikan" Sylvester und seine Entourage.

Die ständigen Provokationen der selbst ernannten "Wikinger" haben eben ihre Spuren beim 29 Jahre alten Weltmeister hinterlassen. Mit seinem bosnischen Geburtsnamen Adnan Catic redet Sylvester den gebürtigen Leverkusener ausschließlich an ("Weil er so heißt"). "Was ist ein Sturm gegen einen Hurrikan?" fragte Sylvesters Management in Anzeigen und im Frühjahr lieferten sich beide Seiten schließlich einen "Karikaturenstreit" im Fachblatt Boxsport.

Gegenseitige Sticheleien im Vorfeld

Die erste Anzeige stammte von Sylvesters Seite. Ein ängstliches "Stürmchen" war zu sehen. Universum stellte danach mangelnde Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse des Gegners bloß, Wiking wiederum strich immer wieder die bosnische Herkunft des Champions heraus. Durchaus nachvollziehbare Rassismusvorwürfe aber weist der 28 Jahre alte Familienvater aus Greifswald weit von sich: "Wir sind keine Nazis, und wer uns kennt, der weiß das."

Sturm aber ist angepieckt. "Er hat so einen Hass auf Sylvester, der trainiert wie ein Wahnsinniger. In seinen Augen ist so viel Power, der will den auffressen", hat Jean-Marcel Nartz von Sturms Universum Boxstall festgestellt. Trainer Michael Timm meint nach 90 intensiven Sparringsrunden: "Diese Sticheleien sind für Felix zusätzliche Motivation."

Sturm geht laut Experten als Favorit in den Kampf

Die Experten sind sich einig, dass der Leverkusener mit seiner größeren Erfahrung aus zehn WM-Kämpfen und seinen herausragenden technischen Fähigkeiten der Favorit ist. 30 seiner 33 Kämpfe hat Sturm gewonnen, hat zweimal den WM-Titel verloren und ihn sich stets zurückgeholt. "Nach Punkten ist Felix in Bestform von niemandem zu bezwingen", ist dessen Manager Klaus Peter Kohl überzeugt.

Der in 31 Kämpfen 29 mal siegreiche Ex-Europameister Sylvester verlässt sich dagegen auf seine Kondition und Schlagkraft: "Er kann mir nicht immer davonlaufen, irgendwann werde ich ihn erwischen." Manager Winfried Spiering hat in bester Wikinger-Diktion bereits die Taktik ausgegeben: "Rammen und versenken."

Danach, sagt Sylvester, "geben wir uns die Hand und alles ist geklärt. Aber Freunde werden wir nie." Nichts ist schließlich besser für's Geschäft als eine gepflegte Feindschaft. Da muss man nur bei "Tiger" und "Rocky" nachfragen.