2008.11.02 Neuss : Mikitenko darf auf Marathon-Jackpot hoffen

Wenn es in New York heute um das große Geld geht, ist Irina Mikitenko nur Zuschauerin. Die Siegerin von London und Berlin hofft dennoch auf den Sieger-Jackpot der Marathon-Serie.

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Irina Mikitenko ist in New York nur Zuschauerin

Trotz weltweiter Finanzkrise und ungewohnter Zuschauerrolle kann Irina Mikitenko am heutigen Sonntag an der New Yorker Börse das große Geld machen. Beim 39. Marathon am "Big Apple" (15 Uhr/live bei Eurosport) muss die Wattenscheiderin aber darauf setzen, dass sich die Konkurrentinnen verspekulieren und die Renndirektoren der fünf größten 42,195-km-Rennen der Welt anschließend eine halbe Million US-Dollar (390.000 Euro) an sie auszahlen.

"Denke gar nicht ans Geld"

"Ich denke gar nicht ans Geld, sonst könnte ich wahrscheinlich nicht schlafen", sagt Mikitenko. Als Siegerin der Läufe von London und Berlin 2008 sowie als Berlin-Zweite 2007 führt die 36-Jährige vor dem Finale der zwölf Rennen umfassenden World Marathon Majors (WMM) die Zwei-Jahres-Serie um einen Million schweren Jackpot zusammen mit 10.000-m-Ex-Weltmeisterin Gete Wami (Äthiopien/je 65 Punkte) an.

Mikitenko entschied sich jedoch wegen der zeitlichen Nähe des New Yorker Rennens zum Berlin-Marathon gegen einen erneuten Start und ist nun auf Schützenhilfe angewiesen. Diese soll Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25 Stunden) leisten, indem sie wie 2004 und 2007 gewinnt.

Keinesfalls darf Weltmeisterin Catherine Ndereba (Kenia) vorne landen und Wami, die im Vorjahr bereits das Geld der ersten Serie einstrich, dürfte höchstens Dritte werden. In diesem Fall bliebe es beim Gleichstand - die Entscheidung über den Sieg müsste von den Renndirektoren der Städtemarathons in New York, London, Chicago, Berlin und Boston getroffen werden.

Mikitenko hat im direkten Vergleich die Nase vorn

Da die Deutsche, mit ihren Berliner 2:19:19 viertschnellste Marathonläuferin der Geschichte, ihre Zähler bei nur drei Rennen sammelte (Wami vier), spräche viel für sie. Nach direkten Aufeinandertreffen steht es 1:1.

"Ich drücke Paula natürlich beide Daumen. Ich kenne sie gut, wir waren 2001 schon gemeinsam in Albuquerque im Trainingslager", meint die gebürtige Kasachin Mikitenko. Sie hatte wegen eines Beckenschiefstandes, der zu Rückenproblemen führte, die in den Fuß ausstrahlten, auf die Sommerspiele in Peking verzichten müssen, dafür aber vier Wochen später in Berlin triumphiert.

Mit dem Gedanken an eine Kür in New York spielte die frühere Eiskunstläuferin jedoch nie: "Ich wäre einfach noch nicht wieder in Top-Form. Ich darf mich nicht verschleißen. Meine nächsten Ziele sind London und dann der WM-Marathon in Berlin."

Lichtblick vor der Heim-WM

Sollte sie trotz ihrer "Untätigkeit" heute WMM-Siegerin werden, wäre das zehn Monate vor der Heim-WM in Berlin (15. bis 23. August) ein Hoffnungsschimmer für die am Boden liegenden deutsche Leichtathletik. Und das auch noch in einer Disziplingruppe, die eigentlich seit Jahren abgeschrieben ist.

Während bei den Frauen Hochspannung herrscht, ist die WMM-Serie der Männer schon vor New York entschieden. London-Sieger Martin Lel steht als Gewinner fest und tritt nicht mehr an. Star des bedeutendsten Marathons der Welt mit 38.000 Teilnehmern, die aus 105.000 Bewerbern ausgewählt wurden, ist Kenias Ex-Weltrekordler Paul Tergat. Die Sieger erhalten jeweils 130.000 Dollar plus Zeitbonus.