2008.11.10 Neuss : EWS: Spielmanipulation schlimmer als Doping

Spielmanipulationen sind aus Experten-Sicht bedrohlicher für den Fußball als Doping. Grund sei die "Wahrnehmung, die sich in den Köpfen der Menschen festsetzt".

tr
Die FIFA sieht in Spielmanipulation eine große Gefahr

Spielmanipulationen und illegales Wettgeschäft sind aus Sicht von Experten bedrohlicher für den Fußball als Doping. "Das ist eine große Bedrohung, im Fall Fußball wegen der Wahrnehmung, die sich in den Köpfen der Menschen festsetzt, noch größer als Doping", sagte Detlev Zenglein, Analyst des vom Fußball-Weltverband FIFA ins Leben gerufenen Frühwarnsystems EWS (Early Warning System), am Montag auf einem Kongress in Zürich.

Laut Zenglein reichen Gerüchte über Manipulationen schon aus, um bei den Menschen Argwohn auszulösen und den Enthusiasmus für den Sport zu verlieren, weil sie sich betrogen fühlen. Nach Schätzungen der EWS-Experten könnten sich Einnahmen aus dem illegalen Wettgeschäft weltweit auf zwischen 100 und 350 Milliarden Dollar (80 bis 270 Milliarden Euro) belaufen.

25 Spiele Gegenstand von Untersuchungen

Der Kampf gegen illegale Wetten und Manipulationen richte sich vor allem auf den asiatischen Markt, sagte der strategische Kopf der EWS, Wolfgang Feldner. In Europa sei die Wett-Industrie, so Feldner, "hoch reguliert, sie hat ihre Regeln und sie kämpft mit uns gegen Spielmanipulationen. Wir müssen die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass sich in Asien etwas abspielt, dass die Integrität des Sports angreift".

25 von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) organisierte Spiele in den vergangenen zwei Jahren seien wegen möglicher Manipulationen Gegenstand von Untersuchungen, die noch nicht abgeschlossen sind. "In Europa braucht man im Kampf gegen Manipulationen ein grenzübergreifendes Gesetz", sagte Carsten Koerl, Vorsitzender einer Firma (Sportradar) zur Kontrolle von Wettgeschäften.