2008.11.15 Neuss : Culcay-Keth nimmt EM-Titel ins Visier

Jack Culcay-Keth träumt vom EM-Gold, der Deutsche Box-Verband (DBV) von besseren Zeiten: Der Weltergewichtler will sich in Liverpool zum Amateurbox-Europameister krönen.

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Im EM-Finale: Jack Culcay-Keth

Weltergewichtler Jack Culcay-Keth hat bei der Amateurbox-EM in Liverpool den ersten Europameistertitel für den Deutschen Box-Verband (DBV) seit vier Jahren vor Augen. Der Darmstädter könnte mit einem Sieg den Aufwärtstrend des seit Jahren kriselnden deutschen Boxsports fortsetzen.

"Ich bin zuletzt bei Olympia und der WM knapp gescheitert. Jetzt bin ich dran", sagte der gebürtige Ecuadorianer, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland zog. Im Endkampf trifft der 23-Jährige auf Mohamed Nurudsinau aus Weißrussland, der sich gegen Abdulkadir Koroglin (Türkei) durchgesetzt hatte. Letzter deutscher Europameister war 2004 der Velberter Vitali Tajbert.

DBV zieht positives Fazit

Unabhängig vom Kampfausgang zog der DBV bereits ein positives EM-Fazit. Neben Culcay-Keth holten der Leverkusener Rene Krause (Halbschwergewicht) und Denis Makarov aus Bottrop (Bantamgewicht) jeweils Bronze. "Wir sehen wieder Licht am Ende des Tunnels. Die Erfolge geben uns Auftrieb und stimmen uns für Olympia 2012 optimistisch", sagte Bundestrainer Adolf Angrick.

Bei Olympia in Peking hatte der DBV mit dem schlechtesten Abschneiden seit 80 Jahren den Tiefpunkt einer jahrelangen sportlichen Talfahrt erlebt. Alle vier Vertreter waren in der ersten Runde gescheitert. Dies hatte unter anderem die Ablösung von Chef-Bundestrainer Helmut Ranze zur Folge.

"Wir haben nach den Spielen viel Prügel einstecken müssen. Aber wir haben aus den Fehlern gelernt", meinte Angrick. So habe man in der Vergangenheit zu lange an erfahrenen Boxern wie Rustam Rahimov festgehalten und dem Nachwuchs zu wenig Vertrauen geschenkt.

Das Beispiel Culcay-Keth zeige jedoch, dass es in Deutschland durchaus hoffnungsvolle Box-Talente gebe. "Er besitzt enormes Potenzial. Er ist sehr beweglich, antizipiert hervorragend und hat den notwendigen Instinkt, wann er explodieren muss", lobte Angrick.

"Jack hat viel Kraft gelassen"

Im Finale sieht der Trainer die Chancen ausgeglichen: "Jack hat viel Kraft gelassen, und sein Gegner ist physisch sehr stark. Aber Jack kann das mit seinen technischen Fähigkeiten kompensieren."

In Peking war Culcay-Keth noch unglücklich gegen den Südkoreaner Jung Joo Kim trotz eines 11:11 ausgeschieden. Auch bei der WM 2007 in Chicago, wo der DBV ebenfalls leer ausgegangen war, hatte der Darmstädter mit Platz fünf eine Medaille nur knapp verpasst.