2008.11.16 Neuss : Fabian Hambüchen holt Rang drei bei DTB-Pokal

Fabian Hambüchen hat in Stuttgart trotz eines Sturzes am Reck den dritten Platz der Champions Trophy im Mehrkampf belegt. Matthias Fahrig will nach Sperre 2009 wieder angreifen.

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Fabian Hambüchen wird Dritter beim DTB-Pokal in Stuttgart

Gefallen und doch gefeiert - am Ende eines verkorksten Olympiajahres konnte Fabian Hambüchen beim DTB-Pokal in Stuttgart trotz der Querelen um seine Fingerverletzung und eines Sturzes vom Reck wieder strahlen. Der Reck-Weltmeister schloss eine dreitägige "Riesengaudi" (Hambüchen) mit Rang drei in der neu kreierten Champions Trophy im Mehrkampf ab. Am Samstag hatte der 21-Jährige im Weltcup am Boden und am Reck triumphiert und das Publikum begeistert.

"Ich habe die Superstimmung richtig ausgekostet und genossen. Der Spaß am Turnen ist wieder da und mittlerweile bin ich richtig stolz auf meine Bronzemedaille von Peking", sagte Deutschlands "Sportler des Jahres", der bei der letzten Übung der gesamten Veranstaltung beim Kolman-Salto die Stange verfehlte und stürzte. Mit 91,550 Punkten lag der Vize-Weltmeister vor 4000 Zuschauern in der Porsche-Arena am Ende hinter Maxim Dewiatowski aus Russland (92, 000) und dem Japaner Hisahi Mizutori (91,700). Philipp Boy aus Cottbus (87,750) belegte den achten und letzten Platz.

Nach einem Absteiger am Seitpferd war Hambüchen zwischenzeitlich bis auf Rang fünf zurückgefallen, arbeitete sich aber von Durchgang zu Durchgang nach vorne. Doch ein knapper Vorsprung vor dem Gang ans "Königsgerät" reichte letztlich nicht zum mit 15.000 Euro dotierten Sieg.

Die Ovationen seiner überwiegend weiblichen und jugendlichen Fans betäubten auch ein wenig den Schmerz Hambüchens im kleinen Finger der linken Hand. Seine bereits aus den olympischen Tagen stammende Blessur hatte sich nach zwischenzeitlichem Abklingen Ende vergangener Woche als Bänderriss entpuppt, was Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen veranlasste, von einem Behandlungsfehler bei Olympia zu sprechen. Eine weitere Belastungsprobe für sein nicht erst seit Peking gespannte Verhältnis zum Deutschen Turner-Bund (DTB).

Eine weitere Untersuchung in den kommenden Tagen soll endgültig Aufschluss darüber geben, ob ein operativer Eingriff beim Reck-Europameister erforderlich ist oder die Verletzung konservativ behandelt werden kann. Im Falle einer OP würde Hambüchen für das Weltcup-Finale in Madrid und den Bundesliga-Endkampf in Heidelberg im Trikot der KTV Straubenhardt ausfallen.

Doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf das nach-olympische Jahr. Hambüchen arbeitet bereits an zwei G-Teilen, diese absoluten Höchstschwierigkeiten sind ab 2009 neu im Code de Pointage. Wolfgang Hambüchen: "Da ist Fabian auf einem guten Weg. Eine Operation würde uns allerdings sechs Wochen Zeit kosten."

2009 soll auch ein Neuanfang für Matthias Fahrig werden. Nach 18-monatiger Sperre für internationale Wettkämpfe wegen diverser interner Disziplinlosigkeiten will der sprunggewaltige Hallenser seine wohl letzte Chance nutzen, noch einmal in die deutsche Nationalriege zurückzukehren. Zusätzlich zu seinen Stärken am Boden und am Sprung - dort holte er in Stuttgart die Bronzemedaille - strebt der 22-Jährige auch bessere Leistungen im Mehrkampf an.

"Dafür muss ich mich anpassen und unterordnen. Ich werde aber immer Matthias Fahrig bleiben", formulierte der Olympiateilnehmer von Athen 2004 mit einem Hauch von Skepsis bezüglich seiner Selbstdisziplin. Sportlich allerdings wäre Fahrig, so jedenfalls das Urteil von Hambüchen, ein Gewinn für das deutsche Turnteam: "Eigentlich führt kein Weg an 'Matze' vorbei."

Gleiches gilt bei den Frauen nach wie vor für Oksana Chusovitina, doch die in Peking mit Sprungsilber dekorierte Kölnerin konnte die Porsche-Arena zwei Wochen nach ihrem Achillessehnenriss nur mit Krücken betreten. Doch auch mit 33 Jahren will die gebürtige Usbekin ihre einzigartige Karriere so nicht beenden: "Mein nächstes sportliches Ziel sind die Weltmeisterschaften 2009 in London."