2008.11.16 Neuss : Lange: "Ich kann hier nur gewinnen"

Dirk Lange ist neuer Schwimm-Bundestrainer. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) spricht der 45-Jährige über die anstehenden Aufgaben.

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Im Interview: Dirk Lange

Der neue Schwimm-Bundestrainer Dirk Lange will mit harter Arbeit und Erfolg die Zweifler auf seine Seite ziehen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) sprach der 45 Jahre alte Hamburger über seine Pläne und Ziele.

sid: "Herr Lange, Ihre Verpflichtung als neuer Schwimm-Bundestrainer hat hohe Wellen geschlagen. Innerhalb des Verbandes und des Teams soll es bei Einigen Vorbehalte geben. Wie gehen Sie damit um?"

Dirk Lange: "Ich erwarte gar nicht, dass mich jeder sofort liebt, denn ich liebe auch nicht jeden. Für mich zählen nur Erfolg und Leistung. Daran werde ich mich messen lassen."

sid: "Sie haben den Ruf, in Ihrer Trainingsarbeit wenig kompromissbereit zu sein. Was erwartet die deutschen Schwimmer?"

Lange: "Ich werde auf keinen Fall den Knüppel herausholen und sagen: So und nicht anders wird es gemacht. Ich möchte eigenständige und mündige Athleten haben. Ich bin ein großer Freund von Individualität, achte aber auch sehr auf Disziplin."

sid: "Wie wollen Sie die zuletzt bis auf wenige Ausnahmen formschwachen Schwimmer wieder auf Erfolgskurs bringen?"

Lange: "Ich werde sehr strategisch und zielorientiert an die Sache herangehen. Es wird klare Änderungen der Stützpunktstruktur und im Durchgriffsrecht geben. Außerdem will ich Erfahrungswerte aus dem Ausland einbringen und für Wettkampfhärte sorgen. Denn nur wer sich in der Weltspitze aufhält, kann sich dort etablieren."

sid: "In Südafrika haben Sie zuvor erfolgreich gearbeitet und werden dort sehr gelobt. Warum sind Sie dennoch gewechselt?"

Lange: "Ich kann hier nur gewinnen, denn schlechter geht es eigentlich nicht mehr. Wenn ich es mit dem Fußball vergleichen müsste, dann haben wir zuletzt einige 0:5-Niederlagen kassiert. Aber das macht auch den Reiz aus. Der Verband ist groß und das Potential ist da."

sid: "Ist das eine Kritik am früheren Sportdirektor Örjan Madsen?"

Lange: "Auf keinen Fall. Er musste den Kopf für Dinge herhalten, für die er nichts konnte. Es gab offensichtlich ein Problem im Weisungsrecht. Ich halte ihn nach wie vor für einen der besten Sportwissenschaftler der Welt."

sid: "Sportdirektor Lutz Buschkow hat Ihnen in Aussicht gestellt, bei guter Arbeit den Posten des Chef-Bundestrainers zu erhalten. Wären Sie auch zum DSV gekommen, wenn dieser gleichzeitig verpflichtet worden wäre?"

Lange: "Nein, dann hätte es mich als Bundestrainer wahrscheinlich nicht gegeben."