2008.11.19 Neuss : DFB-Elf will den Berlin-Fluch brechen

Einen erfolgreichen Jahresabschluss strebt die deutsche Nationalelf im Spiel gegen England an. Allerdings konnte gegen die "Three Lions" in Berlin bisher nie gewonnen werden.

phi
Nationaltrainer Löw will gegen England einen erfolgreichen Jahresabschluss

Das Machtwort von Bundestrainer Joachim Löw verdaut, den Prämien-Poker beendet und die ganze Konzentration auf den Klassiker gegen das Fußball-Mutterland gerichtet: Die deutsche Nationalmannschaft geht trotz großer Personalsorgen hochmotiviert in das letzte Länderspiel des Jahres gegen England am heutigen Mittwoch in Berlin (20.45 Uhr/live im ZDF) und will endlich den Fluch in der Hauptstadt beenden.

Bierhoff: "Mit Sicherheit ein interessantes Spiel"

"Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist - die Partie gegen England ist für uns enorm wichtig, weil sie das Jahr beendet und wir auf einen großen Rivalen treffen. Wir wollen 2008 erfolgreich abschließen, damit wir mit einem positiven Gefühl in das neue Jahr starten können. Wir werden mit Sicherheit ein interessantes Spiel sehen", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, nachdem die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in allen sieben Begegnungen gegen den Weltmeister von 1966 in Berlin ohne Sieg geblieben war.

Auch Bundestrainer Löw will den Berlin-Fluch gegen die "Three Lions" unbedingt beenden und nach den Querelen der vergangenen Wochen mit seinem Team wieder sportliche Schlagzeilen schreiben. Deshalb verdeutlichte der 48-Jährige seinem jungen Team im Anschluss an den 45-minütigen Besuch der Nationalspieler bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer kurzen Grundsatzrede im Teamhotel noch einmal, was er von ihnen mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika erwartet.

Neue Harmonie bei der Nationalmannschaft

"Alles verlief sehr harmonisch und die Stimmung war nach der Ansprache von Joachim Löw auch ganz normal. Wir sind froh, dass wir die Angelegenheiten zum Jahresende geklärt haben", sagte Bierhoff, der mit Blick auf die bei der Ansprache ebenfalls anwesenden reuigen Rebellen Ballack und Frings unterstrich: "Es war nicht so, dass Löw bei seiner knappen Ansprache Michael Ballack und Torsten Frings vor den anderen Spielern nochmal durch die Manege gezogen hat."

Geklärt wurde neben dem Verhaltens-Kodex am Montag auch die Prämienregelung für die WM-Qualifikationsspiele. Nach rund 40 Minuten einigten sich die Mannschafts-Räte um Kapitän Ballack mit dem DFB-Präsidium auf eine moderate Erhöhung der Prämien.

200.000 Euro für die WM-Quali

Bei einer erfolgreichen WM-Qualifikation können die Nationalspieler jeweils maximal 200.000 Euro Prämie verdienen. Falls sich die DFB-Auswahl als Erster in ihrer Gruppe direkt für das WM-Turnier qualifiziert, erhält jeder Spieler pro Nominierung für ein WM-Qualifikationsspiel eine Summe von 20.000 Euro.

Die Mannschafts-Räte Ballack, Frings und Lahm hatten ihr Soll im Zuge des letzten Länderspiel des Jahres 2008 mit der Einigung über die Prämien geleistet. Für die insgesamt 31. Partie gegen England sind die drei Stammkräfte aus unterschiedlichsten Gründen nicht nominiert, verletzungsbedingt fehlen zudem Clemens Fritz, Marcell Jansen und Christian Pander.

Wahrscheinlich vier Debütanten

Deshalb darf sich der erstmals nominierte Wolfsburger Marcel Schäfer auch große Hoffnungen auf sein Debüt in der Startelf der Nationalmannschaft machen. Die beiden Hoffenheimer Neulinge Marvin Compper und Tobias Weis werden wohl im zweiten Durchgang zum Einsatz kommen.

Ein Geheimnis machte Teammanager Bierhoff am Dienstag noch um die Aufstellung im deutschen Tor. Aller Voraussicht wird der Bremer Tim Wiese zu seinem ersten Länderspieleinsatz kommen. Rene Adler wird zwar möglicherweise beginnen, Wiese dann aber wohl zumindest in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Definitiv in der Startformation steht der Schalker Jermaine Jones, der im zentralen Mittelfeld gemeinsam mit Simon Rolfes die Fäden ziehen soll. Angreifer Miroslav Klose wird die DFB-Auswahl derweil als Kapitän aufs Feld führen.

Englisches Team trotz mehrerer Ausfälle stark besetzt

Aber nicht nur Löw ist gezwungen, zum Abschluss des Jahres zu experimentieren. Auch England-Coach Fabio Capello hat prominente Ausfälle zu beklagen. Zuletzt meldete sich Frank Lampard mit einer Rippenverletzung ab. Steven Gerrard vom FC Liverpool laboriert an einer Muskelverletzung, auch Rio Ferdinand (Rückenprobleme) und Stürmer Wayne Rooney (Wadenverletzung/Bronchitis) vom englischen Meister Manchester United sowie die Chelsea-Profis Ashley und Joe Cole fallen aus.

"Die Engländer haben trotz der Ausfälle eine so starke Mannschaft wie schon länger nicht mehr. Sie haben nach der verpassten EM alle Spiele gewonnen. Das spricht für sich. Wir werden eine starke Mannschaft in Berlin sehen. Wir müssen die Engländer nicht stark reden, sie sind stark", warnte Bundestrainer Löw.