2008.11.23 Neuss : Armin Veh beim VfB Stuttgart entlassen

Der VfB Stuttgart hat sich am Sonntagmorgen mit sofortiger Wirkung von Trainer Armin Veh getrennt. Am Samstag hatten die Schwaben 1:4 in Wolfsburg verloren.

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Der VfB Stuttgart hat sich von Armin Veh getrennt

Vor eineinhalb Jahren war Armin Veh noch der gefeierte Meister-Trainer, am Sonntag ist seine Ära beim VfB Stuttgart jäh zu Ende gegangen: Einen Tag nach der höchsten Saisonniederlage hat der deutsche Meister von 2007 überraschend schnell auf seine Krise reagiert und den 47-Jährigen nach dem 1:4 (1:0) beim VfL Wolfsburg mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Das Training am Sonntag leitete bereits der bisherige Assistent Markus Babbel. Der Europameister von 1996 soll als Teamchef auch für die nächsten Spiele die Verantwortung übernehmen. Als Trainer wird Rainer Widmayer, ehemaliger Co beim VfB II, fungieren.

Babbel: "Freudige Überraschung"

"Wir hoffen, dass beide den VfB wieder zurück in die Erfolgsspur bringen", sagte VfB-Präsident Erwin Staudt. Babbel sprach von einer "freudigen Überraschung": "Das wird keine leichte Aufgabe. Wir befinden uns in einer schwierigen Phase, aber die Mannschaft hat Potenzial. Es liegt nun an mir, die Mannschaft von ihren Stärken zu überzeugen."

Dies war Veh zuletzt offensichtlich nicht mehr gelungen. Dennoch sei die Entlassung von Veh und seines Assistenten Alfons Higl sei eine "schwierige Entscheidung" gewesen, führte Staudt weiter aus, "denn wir sind dankbar für das, was Armin Veh in den letzten drei Jahren geleistet hat. Wir sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass wir einen Veränderungsbedarf haben."

Manager Hort Heldt erklärte nach einem rund dreistündigen Gespräch am Samstagabend mit Veh, "dass wir uns in einigen Punkten nicht einig waren". Deshalb war nach einer "sehr erfolgreichen und intensiven Zeit" der Punkt gekommen, "an dem eine Entscheidung notwendig war. Wir wollten neue Reize setzen. Markus Babbel kennt die Mannschaft und weiß, wie die Spieler ticken." Am Donnerstag trägt der VfB bei Sampdoria Genua sein drittes Spiel der UEFA-Cup-Gruppenphase aus. Am Sonntag empfangen die Schwaben Schalke 04 in der Bundesliga.

Veh hatte im Februar 2006 das Amt von Giovanni Trapattoni übernommen und die Schwaben 2007 überraschend zur Meisterschaft geführt. Sein Rauswurf ist die zweite Trainerentlassung der laufenden Saison, am 5. Oktober hatte sich Borussia Mönchengladbach von Jos Luhukay getrennt. Veh ist der 311. Coach in der Bundesliga-Geschichte, der seinen Platz vorzeitig räumt.

Staudt hält Ansprache

Staudt machte am Sonntagmorgen in einer Ansprache den VfB-Profis klar, "dass jeder sein Potenzial abrufen muss". Mit der Trennung von Veh wolle man den Spielern das Alibi nehmen. Er erwarte nun, "dass ein Ruck durch die Mannschaft geht, und ich hoffe, dass wir so die kommenden Aufgaben meistern werden".

Ob Babbel und Widmayer nur eine Interimslösung für die kommenden Wochen sind, ist noch offen. "Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. Wir haben jetzt wichtige Spiele vor uns, in denen beide für die Mannschaft verantwortlich sind. Dann wird man weiterschauen", sagte Heldt.

Bereits am Sonntag wurde allerdings schon über mögliche Kandidaten für die Veh-Nachfolge spekuliert. Genannt wurden Volker Finke, Zvonimir Soldo, Krassimir Balakow, Mirko Slomka und Thomas Doll.

Die Niederlage in Wolfsburg war für den VfB bereits die sechste in dieser Saison und das fünfte Spiel in Folge ohne Sieg. Die Schwaben liegen derzeit auf Rang elf und damit weit hinter den eigenen Erwartungen zurück.

"Entscheidende Fehler" in der Transferpolitik

Noch am Freitag hatte Veh erstmals "entscheidende Fehler" in der Transferpolitik eingeräumt. "Horst Heldt, Jochen Schneider und ich haben nicht die richtigen Leute geholt. Dafür bluten wir jetzt alle zusammen. Ich habe auch genug Selbstkritik, das zuzugeben", sagte der Ex-Coach.

Der VfB hatte vor eineinhalb Jahren Gledson, Yildiray Bastürk, Ciprian Marica, Raphael Schäfer, Sergiu Radu und Ewerthon an den Neckar geholt. Auch die Einkäufe vor dieser Spielzeit (Martin Lanig, Jan Simak) erwiesen sich mit Ausnahme von Torwart Jens Lehmann nicht als die erwarteten Verstärkungen.

Die Kritik an seiner Person hatte Veh erst in der vergangenen Woche als "nicht mehr sachlich" empfunden. "Wir sind gefühlter 19.", sagte er und nahm die Spieler in die Verantwortung: "Die, die uns das eingebrockt haben, müssen es auch auslöffeln. Die Spieler müssen einen Arsch in der Hose haben." In Wolfsburg war davon aber nichts zu sehen, weshalb Veh seine Führungsspieler erneut abwatschte. Wenige Stunden später war er beurlaubt.