2008.11.23 Neuss : Rost kritisiert Verhalten des DFB

HSV-Keeper Frank Rost fürchtet, bald nur noch von stromlinienförmigen Mitspielern ohne eigene Meinung umgeben zu sein. Schuld daran sei auch der DFB.

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Frank Rost fordert Spieler mit eigener Meinung

Frank Rost ist als Mann mit ausgeprägter Meinung bekannt. Doch der Torhüter des Hamburger SV sieht sich und seinesgleichen als gefährdete Spezies. Rost hat die vermeintliche Stromlinienförmigkeit vieler Profis kritisiert und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für diese Entwicklung verantwortlich gemacht.

"Im Fußballgeschäft muss man heutzutage einen Teil seines Gehalts als Rücklage bilden, um Strafen zu bezahlen. Es ist Wahnsinn, was vom DFB alles sanktioniert wird", sagte der 35-Jährige der Welt am Sonntag: "So zieht man sich nur Leute heran, die keine eigene Meinung mehr haben."

Natürlich müsse sich jeder an Regeln halten, der Schiedsrichter oder die Gegenspieler dürften nicht beleidigt werden. Aber man solle nicht jedes Wort, das nach dem Abpfiff aus der Erregung heraus gesagt werde, auf die Goldwaage legen, meinte Rost und forderte vom DFB mehr Gelassenheit: "Die aktuelle Entwicklung sorgt nicht dafür, dass junge Spieler Führungsqualitäten entwickeln." In einem "solchen Klima der Gängelung" könnten sich selten große Persönlichkeiten herausbilden.

Rost nimmt Ballack in Schutz

Auch in der inzwischen beigelegten Auseinandersetzung zwischen Bundestrainer Joachim Löw mit Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack bezog Rost Stellung: "Ich weiß nicht, was Ballack verbrochen hat. Was ist denn daran falsch, dass der Nationalmannschaftskapitän eine Meinung vertritt und seinen Kumpel Frings in Schutz nimmt? Führungsspieler werden nicht mehr geduldet, da wird sofort vom DFB Druck gemacht."