2008.11.24 Neuss : Issinbajewa und Bolt mit ehrgeizigen Plänen

Die Welt-Leichtathleten Jelena Issinbajewa und Usain Bolt halten weitere Steigerungen ihrer Bestmarken für möglich. Bolt will 100m in 9,52s laufen, Issinbajewa 5,20m überspringen.

lhi
Will seinen Fabelweltrekord auf 9,52s verbessern: Usain Bolt

Als Fürst Albert von Monaco seine Lobeshymnen auf die Welt-Leichtathleten 2008 gesungen hatte, standen Jelena Issinbajewa und Usain Bolt endgültig im Mittelpunkt der großen Gala von Monte Carlo. Der Sprintstar aus Jamaika tanzte im feinen Smoking lachend und scherzend im Reggae-Rhythmus durch den Abend, und Russlands Stabhochsprung-Queen im rückenfreien, edelsteinbesetzten 30.000-Dollar-Kleid wurde nur vom unglaublichen Dekollete der neuen Ehefrau des einstigen 400-m-Hürden-Phänomens Edwin Moses die Schau gestohlen.

Daran, dass Usain Bolt nach seinen mit Weltrekord gekrönten Goldmedaillen über 100m (9,69 Sekunden), 200m (19,30) und 4x100m (37,10) auch an der Cote d'Azur das Rennen machen würde, hatte kein Zweifel bestanden. Gegen ihn hatte selbst ein Ausnahmeläufer wie Äthiopiens Doppel-Olympiasieger Kenenisa Bekele nicht die Spur einer Chance. Dass Bekeles Landsfrau Tirunesh Dibaba nach dem gleichen Peking-Double (5000/10.000m) allerdings Issinbajewa unterliegen würde, war in der Tat eine Überraschung.

In Spikes schneller als im Ferrari

Das Votum der International Athletics Foundation unter Fürst Albert wurde angesichts des hochkarätigen neuen Sponsor-Vertrages zwischen Leichtathletik-Weltverband IAAF und Sportartikelhersteller adidas (dreistellige Millionensumme über elf Jahre bis 2019) auch als politische Entscheidung gewertet. Wäre die Wahl nicht erneut auf Issinbajewa gefallen, die Erste, die zum dritten Mal (nach 2004/05) Welt-Leichtathletin werden durfte, wären die Herzogenauracher im Wettlauf der Ausrüster um die beiden mit je 100.000 Dollar belohnten Sieger leer ausgegangen. Bolts Jamaika-Team stattet der deutsche Rivale Puma aus.

Mit Marken nimmt es zumindest Bolt nicht so genau. Sein Ausrüster hatte ihm nach dem Peking-Triumph einen BMW M3 geschenkt, in Monte Carlo präsentierte er sich auf der Formel-1-Strecke stolz im Ferrari F 430 Spider. "Den Traumwagen hätte ich gern. Aber ich habe mich nicht getraut, richtig aufs Gas zu drücken. In Peking war ich in der Kurve in Spikes schneller als hier in Monte Carlo im Ferrari", gestand der Musik- und Autofan aus der Karibik.

Chicken Nuggets um vier Uhr früh

Bolt erzählte noch einmal von der Nacht nach dem 100-m-Triumph in Peking: "Ich konnte ebensowenig schlafen wie mein Zimmerkollege Maurice Smith, der Zehnkämpfer. Um vier Uhr früh gingen wir zum Fastfood-Restaurant und zogen uns Chicken Nuggets rein." Was er nicht erzählte: Am gleichen Tag stand der Vorlauf über 200m an.

Der total entspannt und stets souverän wirkende Frauenschwarm aus der Karibik war ohne seine langjährige Freundin angereist. Stunden vor der Gala hatte er auf der Pressekonferenz bei der Frage nach einer möglichen Hochzeit verdutzt die Augenbraue hochgezogen: "Ich? Mit 22?"

Issinbajewa: "Ich halte 5,20m für möglich"

Die vier Jahre ältere Issinbajewa sieht das schon anders: "Ja, ich möchte heiraten und ein Kind haben." Ob mit ihrem neuen Freund Artem, einem blutjung aussehenden DJ aus Donetsk, der Heimatstadt von Weltrekordler Sergej Bubka (6,14m), ließ sie offen. "Erst einmal möchte ich einen Weltrekord aufstellen, der möglichst 100 Jahre besteht. Ich halte 5,20m für möglich. 2012 in London soll dann Schluss sein, spätestens bei der WM 2013 in Moskau", sagte die in Monaco lebende und aus Wolgograd (früher Stalingrad) stammende Russin.

Bolt denkt nicht an das Karriereende, nennt auch keine Fabelzeiten, von denen er träumt. Die 100-m-Zeit, die sein Coach Glen Mills für möglich hält, der ihn im Training oft über Megaphon antreibt und zuweilen auch beleidigt, geistert aber mittlerweile auch ihm durch den Kopf: 9,52.