2008.11.28 Neuss : DFL gelingt guter Abschluss in schwierigen Zeiten

Die alten TV-Partner bleiben im Bundesliga-Boot: Die DFL hat die nationalen TV-Rechte für die Spielzeiten 2009 bis 2013 an Premiere, ARD, ZDF und DSF vergeben.

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Die TV-Partner bleiben

Alte Partner, Salami-Spieltage und sogar ein bisschen mehr Geld: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat im Millionen-Poker um die TV-Rechte für die kommenden vier Jahre ganze Arbeit geleistet und in schwierigen Zeiten ein hoch gelobtes Ergebnis erzielt.

Die DFL wird bis 2013 weiter mit Premiere, ARD, ZDF und DSF zusammenarbeiten und dadurch pro Saison 412 Millionen Euro einnehmen. Insgesamt werden es in den kommenden vier Spielzeiten 1,65 Milliarden Euro sein. Diese Zahlen gab die DFL nach der Mitgliederversammlung der 36 Erst- und Zweitligisten in Frankfurt/Main bekannt. Der befürchtete Verlust blieb damit aus, es sprang sogar etwas mehr heraus. In den vergangenen drei Jahren hatte die Liga im Mittelwert 405 Millionen Euro pro Saison kassiert.

Seifert: "Das war kein Selbstläufer"

Entsprechend zufrieden waren die Entscheidungsträger. "Wir haben in einer schwierigen Lage für den Profi-Fußball ein vorzeigbares Ergebnis erzielt", sagte Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball: "Angesichts der Tatsache, dass wir uns in einem äußerst schwierigen Medienmarkt bewegen und zudem durch unverständliche Vorgaben des Kartellamtes benachteiligt werden, sind die Wachstumsmöglichkeiten für die Bundesliga begrenzt." Hinzu käme laut Rauball eine gesamtwirtschaftliche Abwärtsentwicklung mit einer weltweiten Finanzkrise, die auch den Medien-Unternehmen zu schaffen mache.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hielt die Ergebnisse "unter den gegebenen Umständen für ausgezeichnet". Eintracht-Frankfurt-Boss Heribert Bruchhagen, Vorstandsmitglied des Ligaverbandes, zollte dem DFL-Team um Geschäftsführer und Chef-Unterhändler Christian Seifert höchsten Respekt: "Das war kein Selbstläufer und verdient große Anerkennung."

DFL kündigt Klage gegen das Kartellamt an

Seifert selbst war froh, dass die Pokerrunde beendet ist: "Es waren sehr turbulente Wochen. Wir haben das herausgeholt, was der deutsche Medienmarkt in letzter Konsequenz hergibt. Große Wachstumssprünge waren auch mit Blick auf die Vorgaben des Kartellamtes einfach nicht drin."

Die DFL-Verhandlungsposition war durch die internationale Finanzkrise, finanzieller Probleme beim Hauptpartner Premiere und dem Veto des Bundeskartellamts gegen den bereits perfekten 500-Millionen-Euro-Vertrag mit der durch Medien-Mogul Leo Kirch kontrollierten Firma Sirius geschwächt. Am Freitag kündigte die DFL eine Klage gegen die Kartellbehörde an, die im Februar die Geschäftsräume von DFL und DFB durchsucht und Akten beschlagnahmt hatte.

Zweite "Sportschau" kommt nun nach dem "Tartort"

Der Pay-TV-Sender Premiere, der mit 225 Millionen (2009/2010) bis 275 Millionen Euro (2012/13) mit Abstand größter Geldgeber bleibt, wird weiterhin alle Spiele der Bundesliga und 2. Liga live übertragen. Die ARD bleibt mit der vom Bundeskartellamt vor 20.00 Uhr geforderten zusammenfassenden Berichterstattung im Free-TV am Samstag bei der DFL im Boot. Das neue Livespiel am Samstag um 18.30 Uhr läuft ausschließlich bei Premiere. Die ersten Bilder dieser Begegnung sind im Free-TV am Samstagabend im "ZDF-Sportstudio" zu sehen.

Das Bundesliga-Wochenende im Fernsehen wird die ARD mit einer weiteren "Sportschau" am Sonntagabend nach dem "Tatort" um 21.45 Uhr beenden. Die ARD berichtet darin über die beiden Sonntagsspiele in der Bundesliga, die ab der kommenden Saison zu unterschiedlichen Zeiten (15.30 und 17.30 Uhr) angepfiffen werden. Dieser Sendeplatz wird im Moment noch von der Talkrunde "Anne Will" belegt.

DSF muss sich mit der 2. Bundesliga begnügen

Das DSF, das derzeit noch am Sonntagabend über die beiden Sonntagsspiele als Erstverwerter im Free-TV berichtet, wird ab der kommenden Saison nur noch Spiele der 2. Liga in der Zusammenfassung senden. Die beiden neuen Samstagsspiele der 2. Liga (Anstoß: 13.30 Uhr) zeigt allerdings die ARD im Rahmen ihrer Zusammenfassung.

Die ARD kommt außerdem auch weiter als Live-Sender zum Zuge. Neben den Eröffnungsspielen der Hin- und Rückrunden überträgt "das Erste" auch die künftigen Relegationsspiele zwischen dem Bundesliga-Drittletzten und dem Zweitliga-Dritten.

Seifert: "Es gibt kein Angebot, das ungesichert ist"

Im Bereich IPTV bleibt die Deutsche Telekom ebenso am Ball wie bei den Mobilfunk-Rechten. Im Web-TV überträgt künftig ebenfalls Premiere. Die Einnahmen der Profiklubs steigen in der Vertragslaufzeit sukzessive an. Im ersten Jahr erhält die DFL 390 Millionen Euro, im letzten 440 Millionen. "Die moderaten Anstiege von Jahr zu Jahr waren im Sinne der DFL. Die Vereine sollen keine Phantasie-Summe sehen und einer Karotte hinterherlaufen, die es nicht gibt", sagte Seifert.

Befürchtungen, dass der finanziell angeschlagene Premiere-Konzern, dessen Nettoverschuldung in diesem Jahr auf 341 Millionen Euro gestiegen ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen könnte, hat Seifert nicht: "Wir haben in diesem Zusammenhang Spezialisten hinzugezogen. Es gibt kein Angebot, das ungesichert ist."