2008.12.03 Neuss : Gegenbauer von "Hoeneß-Festspielen" genervt

Berlins Klub-Präsident Werner Gegenbauer hat ungewohnt offen Kritik an Dieter Hoeneß geübt. Er warf dem Hertha-Manager indirekt übertriebene Selbstdarstellung vor.

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Hertha-Manager Dieter Hoeneß

Bei Bundesligist Hertha BSC Berlin ist ein offener Machtkampf ausgebrochen. Klub-Präsident Werner Gegenbauer kritisierte die jüngsten Äußerungen von Manager Dieter Hoeneß in den Medien und sprach von "Dieter-Hoeneß-Festspielen". Der Ex-Nationalspieler selbst reagierte empört und soll eine öffentliche Entschuldigung gefordert haben.

Gegenbauer: "Dieter-Hoeneß-Festspiele"

"Der Manager hatte die Chance, öffentlich den Aufschwung von Hertha darzustellen. Aber er hat Dieter-Hoeneß-Festspiele daraus gemacht", sagte Gegenbauer der Berliner Morgenpost und schoss einen weiteren verbalen Giftpfeil in Richtung Manager ab: "Dass, wenn Hertha erfolgreich ist, manchem das Wort "wir" schwerer über die Lippen kommt, als das Wort "ich", darüber schmunzeln wir. Daran wird sich in den anderthalb Jahren auch nichts mehr ändern."

Hoeneß konterte am Mittwoch mit ähnlicher Entschlossenheit. "Die Vorwürfe der letzten Tage gegen meiner Person entbehren jeder Grundlage", sagte der Manager dem sid: "Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen, aber wenn man keine Probleme hat, macht man sich wohl welche."

Hoeneß, der 2010 als Manager bei Hertha aufhört, hatte zuletzt gemeint, er habe bei Hertha Vergleichbares geleistet wie sein Bruder Uli bei Bayern München. Zudem hatten seine Aussagen über die Zeit nach seinem Abschied für Wirbel gesorgt. Auf Nachfrage hatte Hoeneß am Wochenende ein Comeback bei Hertha nicht definitiv ausgeschlossen. "Ich halte mir alle Optionen offen", so Hoeneß.

Nun zeigte sich Hoeneß überrascht von den Worten seines Freundes Gegenbauer, mit dem er gerne mal eine Partie Golf spielt. "Ich kann das nicht verstehen. Es gehört zu meinem Job, mit den Medien zu sprechen. Ich wurde gefragt, nicht umgekehrt", sagte er der Bild (Mittwoch-Ausgabe). Angesprochen auf seine Zukunft schloss er eine Rückkehr zur Hertha aus. Auch wolle er seinem Nachfolger Michael Preetz das Leben nicht schwer machen und auf keinen Fall wie einst Robert Schwan den Grantler vom Berg geben.

Die Kritik von Gegenbauer überrascht. Seitdem Hoeneß im Jahr 1996 bei Hertha anheuerte und kurze Zeit später Manager wurde, achtete der frühere Bundesliga-Profi darauf, dass kein Streit der Gremien nach außen drang. Gegenbauers Vorgänger Bernd Schiphorst, in seiner Amtszeit (2000 bis 2008) dem Manager stets loyal verbunden, zeigte sich nun auch verwundert: "Ich bin überrascht und bezweifle, dass diese Debatte Hertha BSC und Dieter Hoeneß hilft."

Zudem soll es unterschiedliche Meinungen über den sportlichen Kurs geben. Während Hoeneß nachgesagt wird, dass er angesichts der jüngsten Erfolge in der Liga bereits in diesem Jahr mit der Mannschaft in die Champions League drängt und über Verstärkungen im Winter von bis zu acht Millionen nachdenkt, will Gegenbauer den Sparkurs fortsetzen. "Wir sind nicht in der Lage, darüber nachzudenken, wofür wir Mehr-Einnahmen ausgeben. Es geht darum, wie wir Mindereinnahmen ausgleichen."