2008.12.11 Neuss : Biedermann schwimmt zu seinem ersten Kurzbahn-Gold

Paul Biedermann hat sich bei der EM in Rijeka über 400m Freistil sein erstes Kurzbahn-Gold gesichert. Janne Schäfer (50m Brust) und die 4x50m-Lagenstaffel der Männer holten Silber.

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Paul Biedermann gewinnt Gold über 400m

Nach seinem ersten EM-Titel auf der Kurzbahn schaute Deutschlands neuer Vorzeigeschwimmer Paul Biedermann auf die Anzeigetafel und schüttelte den Kopf. "Ich bin sehr enttäuscht über meine Zeit", erklärte der 22-Jährige nach seinem Triumph über 400m Freistil selbstkritisch, konnte sich dann aber doch freuen: "Natürlich bin ich stolz auf dieses Gold."

Zwar blieb Biedermann in 3:33,73 Minuten 2,75 Sekunden über seinem Europarekord von den deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen in Essen. Doch der Modell-Athlet aus Halle/Saale verwies den Italiener Massimiliano Rosolino (3:39,33) und den Dänen Mads Gläsner (3:39,77) sicher auf die Plätze zwei und drei.

"Kämpfernatur" Biedermann peilt Doppel-Gold an

"Es hat sich ausgezahlt, dass ich mir für die letzten 100m Kraft aufbewahrt habe", meinte Biedermann zu seinem taktisch klugen Rennen, und sein Heimtrainer Frank Embacher fügte hinzu: "Paul ist eine Kämpfernatur, und es spricht doch für ihn, dass er trotz des Erfolges nicht zufrieden ist." Am Sonntag kann der Olympia-Fünfte, der im Frühjahr bereits EM-Gold auf der Langbahn gewonnen hatte, über seine Weltrekordstrecke 200m Freistil Doppel-Gold in Kroatien perfekt machen.

Sprint-Spezialistin Janne Schäfer über 50m Brust sowie die 4x50m-Lagenstaffel der Männer verpassten zwar die erfolgreiche Titelverteidigung, sicherten sich aber Silber. Schäfer blieb in 30,36 Sekunden nur hinter der Russin Walentina Artemjewa (29,96), die im Halbfinale (29,77) ihren Europarekord aus dem Vorlauf verbessert hatte. Das Quartett des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) musste sich mit deutschem Rekord (1:33,31) nur den neuen Weltrekordlern aus Italien (1:32,91) geschlagen geben. Der Spanier Aschwin Wildeboer stellte als Startschwimmer über 50m Rücken in 23,27 Sekunden den Europarekord des Rostockers Thomas Rupprath ein.

Allerdings gab es beim DSV wie bei Olympia in Peking auch viel Schatten, und vor allem die "jungen Wilden" zahlten Lehrgeld. Gleich zwölf DSV-Starter blieben in den Vorläufen auf der Strecke. Darunter auch der 18 Jahre alte Hoffnungsträger Marco Koch aus Darmstadt, der über 100m Brust (1:00,12) als 25. scheiterte.

"Das ist die schmerzliche Realität"

"Nach Essen hatten wir uns mehr erhofft. Aber es hat sich gezeigt, dass wir uns international zurzeit sehr schwer tun. Das ist die schmerzliche Realität", meinte der neue DSV-Trainer Dirk Lange.

Zu den Geschlagenen gehörte zum Auftakt überraschend auch Weltrekordler Alain Bernard aus Frankreich. Der 100-m-Olympiasieger schwamm hinter seinen Landsleuten Amaury Leveaux und Frederick Bousquet über 50m Freistil zwar die drittbeste Vorlaufzeit (2113), der europäische Schwimm-Verband LEN erlaubt ab den Halbfinals aber nur je zwei Teilnehmer pro Nation.

Dafür schwamm Leveaux im Halbfinale in 20,48 Sekunden Weltrekord. Im Endlauf reichten ihm 20,63 Sekunden zum Sieg. Für weitere Europarekorde sorgten die Niederländerin Marleen Veldhuis in Abwesenheit von Olympiasiegerin Britta Steffen über 100m Freistil (51,91) sowie die Italienerin Francesca Segat über 200m Lagen (2:07,03).