2008.12.12 Neuss : DSV-Starter bei EM-Rekordflut "nur" mit Bronze

Die Damen-Staffel hat bei der Kurzbahn-EM über 4x50m Bronze für den DSV erschwommen. Amaury Leveaux (100m Freistil) und Alessia Filippi (800m Freistil) knackten Weltrekorde.

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Wieder Weltrekord für Amaury Leveaux

Mit einer bislang einmaligen Protestaktion haben Thomas Rupprath und Helge Meeuw bei der Kurzbahn-EM in Rijeka für einen Eklat gesorgt. Rupprath und Meeuw starteten im Finale über 50m Rücken in altertümlichen Badehosen, schenkten damit eine Medaille freiwillig ab und brachten so den Unmut über die Situation im Schwimmsport mit der Entwicklung der Wettkampfanzüge zum Ausdruck. Bronze für die Freistilstaffel der Frauen geriet durch die Aktion beinahe völlig in den Hintergrund.

Zuvor hatte schon Paul Biedermann mit einer Boykott-Ankündigung des Wettkampfanzugs für die WM 2009 in Rom die Wellen beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) hochschlagen lassen und den Verband sowie DSV-Ausrüster adidas unter Druck gesetzt. Zu möglichen Sanktionen erklärte Sportdirektor Lutz Buschkow süffisant: "Sie haben ja nichts Verbotenes getan. Sie sind ja in Anzügen von adidas geschwommen."

Rupprath fordert einheitliche Regeln

"Das hat nicht mehr viel mit Schwimmen zu tun. Hier kommen Leute, die wir sonst im Griff haben und nehmen uns unsere Rekorde und Medaillen weg", schimpfte Rupprath und forderte: "Entweder es gibt bald einheitliche Regeln oder wir sollten zumindest die Anzüge frei wählen können."

Rupprath verlor im Halbfinale nicht nur seinen Europarekord an den Slowaken Lubos Krizko (23,15) sowie seinen Titel an den Russen Stanislaw Donez (23,22), sondern verfehlte in knapper Badehose als Fünfter (24,18) sogar eine Medaille. Der Frankfurter Meeuw (24,36) belegte im Endlauf den letzten und achten Rang und meinte im Anschluss: "Wir wollten ein klares Zeichen setzen. Uns geht das so auf den Keks."

Leveaux schwimmt über 100m Freistil zum Weltrekord

Einziges Edelmetall am Freitag holte die DSV-Freistil-Staffel der Frauen. In der Besetzung Dorothea Brandt, Petra Dallmann, Lisa Vitting und Daniela Schreiber musste sich das Quartett über 4x50m in 1:38,06 Minuten nur der Weltrekordstaffel der Niederlande (1:33,80) und Schweden (1:38,00) geschlagen geben.

Zuvor hatte der Wahl-Hamburger Steffen Deibler über 100m Freistil in 47,77 Sekunden als Achter beim zweiten Weltrekord des Franzosen Amaury Leveaux (45,12) den Einzug ins Finale geschafft. Biedermann schied auf ungewohnter Strecke einen Tag nach seinem EM-Titel über 400m indes als Neunter trotz persönlicher Bestzeit (47,80) knapp aus.

Rekordflut geht weiter

Zuvor hatte schon Biedermann für Aufsehen gesorgt. "Bei der WM 2009 in Rom werde ich nicht in Anzügen von adidas starten", hatte der 22-Jährige aus Halle/Saale verkündet. Die deutschen Schwimmer sind seit langem mit den Anzügen unzufrieden, zudem sorgte eine Lieferpanne in Rijeka für neuen Unmut.

Während beim DSV über die Anzüge gestritten wurde, ging die Rekordflut weiter. Für einen weiteren Höhepunkt sorgte die Olympia-Zweite Alessia Filippi aus Italien mit Weltrekord über 800m Freistil (8:04,53). Europarekorde stellten Lokalmatadorin Sanja Jovanovic über 100m Rücken (57,87), der Ukrainer Igor Borisik über 100m Brust (57,33), der Serbe Milorad Cavic über 100m Schmetterling (49,19) sowie die Niederländerin Hinkelin Schreuder über 50m Schmetterling (25,21) auf.