2008.12.21 Neuss : Steffen und Steiner können auf Ehrung hoffen

Bei der Wahl zu Deutschlands Sportlern des Jahres gelten die beiden Olympiasieger Britta Steffen und Matthias Steiner als Favoriten. Spannung ist bei den Mannschaften angesagt.

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Kann auf den Sieg hoffen: Gewichtheber Matthias Steiner

Ihre Siegerfotos von Peking gingen um die Welt: Hier der bärtige Gewichtheber-Koloss, der für einen der emotionalsten Augenblicke der Olympischen Spiele sorgte, als er nach dem Gewinn der Goldmedaille wie ein Kind weinte und immer wieder das Foto seiner toten Frau Susann küsste. Dort das blonde Schwimmsternchen mit dem sensationellen Double über 100 und 50m Freistil.

Heute stehen Matthias Steiner (26) und Britta Steffen (25) vor dem nächsten Triumph. Sie gelten in Baden-Baden als Favoriten bei der Wahl zu Deutschlands Sportlern des Jahres 2008 (21.45 Uhr/live im ZDF). Bei den Mannschaften wird das männliche Hockeyteam vorn erwartet, das ebenfalls in Peking gesiegt hatte.

Doch ein Jahr nach den Erfolgen von Turn-Weltmeister Fabian Hambüchen (Niedergirmes) und Madgdalena Neuner (Wallgau), die als dritte Biathletin in Folge vorn lag, könnte es bei der 62. Abstimmung seit 1947 (DDR ab 1953) auch anders kommen. Nach dem Votum von über 1000 Journalisten ist bis zuletzt für Spannung gesorgt bei den 750 Gästen im Benazet-Saal des Kurhauses. Unter ihnen befinden sich alle Einzel-Olympiasieger, die zum 16-maligen deutschen Gold in Peking beitrugen, Dutzende Welt- und Europameister sowie Sieger der Paralympics von Peking.

Frodeno und Romeike ebenfalls mit guten Chancen

Gute Chancen werden bei den Männern auch dem Triathleten Jan Frodeno (Saarbrücken) eingeräumt, der ähnlich wie Steiner als erster seiner Sportart bei der Wahl gewinnen könnte. Die Reiter hoffen auf Hinrich Romeike (Nübbel/Schleswig-Holstein), der in der Vielseitigkeit in Einzel- und Mannschaftswertung triumphiert hatte. Mit ihm wäre seine Zunft erstmals seit Springreiter Fritz Thiedemann vor 50 Jahren wieder ganz vorn vertreten.

"Britta Steffen mit ihren zwei Goldmedaillen im Schwimmen ist Favoritin", sagt Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz (Murg-Niederhof) und drückt damit die Meinung Vieler aus. Neben der 36-Jährigen gilt auch die Leverkusenerin Britta Heidemann, die in Peking Gold mit dem Degen gewann, als Sieganwärterin. Liegt Steffen vorn, wäre es (inklusive DDR-Wahlen) der 19. Sieg einer Schwimmerin fünf Jahre nach Hannah Stockbauer (Bamberg/2003). Im Fechten hatte zuletzt 1985 Cornelia Hanisch (Offenbach) triumphiert, im Radsport gab es in Ost und West noch nie eine deutsche Wahl-Siegerin.

Spannung bei den Mannschaften

Bei den Mannschaften gelten die Biathlon-Frauen nach ihren WM-Siegen und die Fußballer als große Rivalen des Hockeyteams, das zuletzt 1992 nach dem Olympiagold von Barcelona bei der Wahl gesiegt hatte. Dabei könnte das Überraschungsteam 1899 Hoffenheim als Aufsteiger und Bundesliga-Herbstmeister vor der Nationalmannschaft liegen, die EM-Zweiter hinter Spanien war.

Matthias Steiner war noch kein Deutscher, als vor Jahresfrist Turnfloh Hambüchen siegte. Den Wechsel in die Heimat seiner aus Zwickau stammenden und am 16. Juli 2007 tödlich verunglückten Frau Susann hatte der gebürtige Wiener betrieben, weil er sich vom österreichischen Verband schlecht gefördert fühlte. Erst im Januar 2008 erhielt der 140-Kilo-Mann nach dreijähriger nervenaufreibender Wartezeit die deutsche Staatsbürgerschaft, wurde Monate später Europameister und Peking-Mitfavorit. Mit 461 Kilo gewann er in China Gold im Zweikampf.

Britta Steffen, die Vergleiche mit der dreimal zur Sportlerin des Jahres gewählten Schwimm-Kollegin Franziska van Almsick ablehnt ("Franzi ist Franzi und ich bin Britta"), hat sich nach Olympia stark auf ihr Wirtschafts-Ingenieur-Studium konzentriert. 2009 will die aus Schwedt an der polnischen Grenze stammende Wahl-Berlinerin in Rom erstmals Weltmeisterin werden. "Dieser Titel fehlt mir noch", sagt die viermalige Europameisterin von 2007.