2008.12.27 Neuss : Rolf Wolfshohl feiert heute den 70. Geburtstag

Heute feiert Rolf Wolfshohl seinen 70. Geburtstag, verzichtet aber auf ein großes Fest: "Auf der Couch sitzen, ist wirklich nicht meine Welt", sagt der frühere Kölner Rad-Star.

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Rolf Wolfshohl wird 70 Jahre alt

Sein Name stand einst für Fleiß, Einsatzwille und Kampfgeist - Werte, die das Leben von Radsport-Idol Rolf Wolfshohl bis heute prägen. "Ich brauche die Arbeit, sonst würde ich mich unwohl fühlen. Auf der Couch sitzen, das ist nun wirklich nicht meine Welt", sagt der frühere Kölner Rad-Star, der heute 70 Jahre alt wird.

Und da Wolfshohl eh viel lieber im Sattel sitzt, wird es an seinem Ehrentag auch kein großes Fest geben. "Das ist für mich ein Tag wie jeder andere. Wir machen eine kleine Feier im Familienkreis, das reicht", sagt Wolfshohl, der kein großes Brimborium mag. Extravaganz war ihm stets zuwider: "Ich versuche, ein normales Leben zu führen."

Zwei Tage im Gelben Trikot

Dabei steht der Radsport immer noch an erster Stelle. Mit seiner Tochter führt der Rheinländer ein Fahrrad-Geschäft in Köln-Rath. Im Januar wird sogar expandiert. "Dann ziehen wir um in den Gewerbepark", berichtet der frühere Ausnahmefahrer, der 1968 bei der Tour de France zwei Tage im Gelben Trikot fuhr und den Sieg wohl nur wegen eines Sturzes aus der Hand gab.

Auf 435 Quadratmetern wird künftig an den Rädern geschraubt. "Eigentlich wollten wir schon im Dezember rüber. Das hat aber nicht geklappt", erzählt Wolfshohl. Damit es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, ist der frühere Vuelta-Sieger (1965) auf der Baustelle natürlich höchstpersönlich im Einsatz.

Mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der er einst so namhaften Fahrern wie Jacques Anquetil oder Raymond Poulidor das Siegen schwer machte, geht und fährt Wolfshohl auch heute noch durchs Leben. Dabei kommt er immer noch auf stolze 6000 bis 7000 Kilometer pro Jahr. Den 30km langen Weg von seinem Haus im Bergischen Land bis zum Geschäft legt er selbstverständlich mit dem Rad zurück.

Seine Herzensangelegenheit ist der Radsport-Verein RSC le Loup Köln-Rath. "Ich bin mit den Schülern viel unterwegs. Das hält jung", sagt der deutsche Straßenradmeister von 1968. Wolfshohl hat sich die Nachwuchsförderung auf die Fahne geschrieben, der Verein muss dabei ohne Sponsor auskommen. "Natürlich könnten wir einen Geldgeber gebrauchen, aber eine Biermarke käme nicht in Frage", betont er.

An der Basis sieht er keine Krisenstimmung durch Dopingaffären. "Über die positiven Fälle wie Schumacher reden wir erst gar nicht. Wir wollen den Jungs zeigen, dass Radsport auch ohne Doping zu bewerkstelligen ist. Dafür muss man hart arbeiten und sich gesund ernähren", sagt der frühere Top-Rennfahrer.

"Radsport ist populär, hat aber keine Lobby"

Dass der Radsport ein derart schlechtes Image besitzt, hält Wolfshohl für ein wenig ungerecht: "Der Radsport ist populär, hat aber keine Lobby. Es muss auch mal beachtet werden, dass im Radsport am härtesten kontrolliert wird. Und da ist es wie mit den Radarkontrollen. Je mehr kontrolliert wird, desto höher ist auch die Trefferquote."

Radrennen schaut er heutzutage nur noch vereinzelt im Fernsehen an. "Ich trauere den alten Zeiten nicht nach", sagt der Rheinländer, dessen überschäumendes Temperament ihm früher oft im Weg stand und eine noch erfolgreichere Karriere verhinderte.

Wolfshohl musste in seiner Laufbahn viele Rückschläge und üble Stürze einstecken. Auch im Privatleben. Seit 1984 ist sein Sohn Rolf-Dieter nach einem Sturz bei der deutschen Meisterschaft vom Hals abwärts querschnittsgelähmt.