2009.01.16 Neuss : Brand plant ohne Kraus: Härtetest am Samstagmorgen

Bundestrainer Heiner Brand plant ohne Michael Kraus für das WM-Eröffnungsspiel gegen Russland. Dennoch besteht Hoffnung, ein Test am Samstagmorgen soll die Entscheidung bringen.

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Michael Kraus hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben

Sorgenkind Michael Kraus verfolgte das Abschlusstraining von der Seitenlinie, Bundestrainer Heiner Brand gab derweil seinem Vertreter Martin Strobel letzte taktische Anweisungen: Die deutschen Handballer starten wohl ohne ihren verletzten Spielmacher Kraus am Samstag (17.30 Uhr/live bei RTL) bei der Weltmeisterschaft in Kroatien gegen Russland in das Unternehmen Titelverteidigung.

"Vorläufig sehe ich nicht, dass er spielt. Ich plane zunächst ohne ihn. Aber mal sehen, wie es am Samstag aussieht. Ich muss noch einmal mit den Ärzten reden", sagte Brand nach der einstündigen Übungseinheit im Vorrundenort Varazdin.

Endgültige Entscheidung fällt erst am Spieltag

Der Kapitän wird sich nach seinem am vergangenen Sonntag erlittenen Muskelfaserriss in der linken Wade am Samstagmorgen noch einmal einem abschließenden Test unterziehen. "Ich habe eigentlich keine Schmerzen mehr. Ich wollte schon ins Training einsteigen. Probleme gibt es aber noch beim Abstoppen und bei schnellen Drehungen", meinte der Führungsspieler.

Während sich seine Teamkollegen am Freitag auf das Duell mit dem Olympiasechsten in einem Trainingsspiel einstimmten, machte "Mimi" Kraus Dehnübungen, leichte Steigerungsläufe und einige Übungen mit dem Ball. "Ich werde bei dieser WM zum Einsatz kommen. Ich weiß aber noch nicht, wann", erklärte der Lemgoer.

Lemgoer Teamkollege Strobel soll die Lücke schließen

Falls es bei Kraus vor den Begegnungen gegen Russland und am Sonntag gegen den WM-Elften Tunesien nicht doch noch eine Wunderheilung geben sollte, lastet der Druck auf seinem erst 22 Jahre alten Lemgoer Teamkollegen Strobel (20 Länderspiele/39 Tore). "Er ist dann die Nummer eins. Martin hat nicht viel Erfahrung, da müssen wir den Druck ein wenig rausnehmen", meinte Brand.

Der ehemalige Junioren-Europameister Strobel gibt sich trotz der enormen Last bei seinem ersten großen Turnier in der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) cool: "Ich freue mich unglaublich auf das Auftaktspiel. Ich bin relativ gelassen und werde versuchen, der Mannschaft zu helfen." Wichtige Tipps holt er sich dabei noch kurzfristig - von Zimmerkollege Kraus.

Weltmeister Torsten Jansen zeigt sich trotz der durchwachsenen Vorbereitung und der Verletzungssorgen zuversichtlich. Manchmal habe man einen Lauf, aber es hänge immer am seidenen Faden, ob man ins Halbfinale komme oder nicht, so der Hamburger. Neben Russland und Tunesien sind Außenseiter Algerien, Mazedonien und Vize-Weltmeister Polen die deutschen Gegner in der Vorrunde. Die besten drei Mannschaften ziehen in die Hauptrunde in Zadar ein.

"Können jeden schlagen"

"Wir können jeden schlagen, aber auch gegen fast jeden verlieren. Wir können nicht von einer erfolgreichen Titelverteidigung sprechen. Dazu haben wir zu viele Neue. Es gilt, von Spiel zu Spiel Selbstvertrauen zu sammeln", meinte Torhüter Johannes Bitter, nach der Nichtberücksichtigung von WM-Held Henning Fritz die unumstrittene Nummer eins.

Mit starken Torhüter- und Abwehrleistungen muss die deutsche Auswahl an Sicherheit gewinnen und so im wichtigen Auftaktspiel zum Erfolg kommen. "Russland ist immer eine undankbare Aufgabe. Man muss über das schnelle Spiel einfache Tore machen. Aus dem Positionsspiel ist es schwer", sagte Brand, der seinen 17er-Kader bis 9.00 Uhr am Samstag noch auf 16 oder 15 Spieler reduzieren wird. Seine Entscheidung hängt auch von der Personalie Kraus ab.

Fest steht aber, dass mit Bitter und Carsten Lichtlein zunächst nur zwei Torhüter nominiert werden. Silvio Heinevetter wird im Turnierverlauf als dritter Schlussmann nachgemeldet.