2009.01.16 Neuss : Real-Präsident Calderon tritt offenbar zurück

Laut Medienberichten wird Ramon Calderon bei einer Pressekonferenz am Freitag als Präsident von Real Madrid zurücktreten. Calderon wird Betrug bei einer Abstimmung vorgeworfen.

us
Ramon Calderon

Präsident Ramon Calderon von Spaniens Rekordmeister Real Madrid tritt nach schweren Betrugsvorwürfen offenbar den Rückzug an. Spanische Medien berichten übereinstimmend, Calderon werde bei einer Pressekonferenz am Freitagabend (18.00 Uhr) sein Amt niederlegen. Der 57-Jährige ist seit dem 2. Juli 2006 Vereinsboss der "Königlichen".

Mit Calderons Rücktritt wäre gleichzeitig der Kampf um seine Nachfolge eröffnet. Zuletzt hatten zahlreiche Prominente wie Calderon-Vorgänger Florentino Perez oder Rallye-Fahrer Carlos Sainz ihr Interesse am Amt des Real-Präsidenten bekundet.

Bis zuletzt hatte Calderon versucht, seine Haut zu retten. Nach einem Krisentreffen am Donnerstag in seiner Villa mit engen Vertrauten des Vorstands und Sportdirektor Pedrag Mijatovic habe er vorgezogene Neuwahlen anstreben und bis dahin im Amt bleiben wollen, berichteten spanische Medien.

"Aufgeben ist was für Feiglinge"

Einen freiwilligen Rücktritt hatte Calderon nach der Veröffentlichung des Skandals eigentlich ausgeschlossen. "Aufgeben ist was für Feiglinge", hatte der Spanier noch am Mittwoch gesagt.

Calderon war in den vergangenen Tagen unter Beschuss geraten, nachdem die Sportzeitung Marca handfeste Beweise für angebliche Manipulationen geliefert hatte. Demnach soll der Klub-Chef zur Generalversammlung am 7. Dezember Personen unerlaubt Zutritt und Abstimmungsrechte verschafft haben, um wichtige Finanz-Entscheidungen durchzubringen.

Die Zeitung veröffentlichte auch Fotos von zehn namentlich nicht genannten Personen, die nicht stimmberechtigt ihren Stimmzettel in die Höhe hielten und damit ein Votum abgaben. Dabei soll es sich um fünf Nicht-Mitglieder sowie um fünf nicht zur Wahl zugelassene Klub-Mitglieder handeln.

Bereits im vergangenen Jahr stand Calderons Amtszeit bei den "Königlichen" auf der Kippe, als seine Kritiker wegen angeblicher Ungereimtheiten bei der Präsidentschafts-Wahl im Juli 2006 vor Gericht gezogen waren. Die Klage wurde jedoch abgewiesen und Calderon im Amt bestätigt.

Die anfänglichen Vorbehalte gegen seine Person konnte Calderon durch die Verpflichtungen von Star-Trainer Fabio Capello, Top-Spielern wie Fabio Cannavaro und Ruud van Nistelrooy sowie durch den Meistertitel 2007 zunächst zerstreuen. Auch in der vergangenen Saison wurde Real unter dem Mitte Dezember entlassenen Trainer Bernd Schuster spanischer Champion, hat in dieser Spielzeit jedoch bereits zwölf Punkte Rückstand auf Tabellenführer und Erzrivale FC Barcelona.