2009.01.24 Neuss : Deutschland verspielt Sieg in letzter Sekunde

Bei der WM in Kroatien hat Deutschland den großen Schritt Richtung Halbfinale verpasst. Im ersten Hauptrundenspiel musste sich das DHB-Team mit einem 35:35 gegen Serbien begnügen.

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Torsten Jansen setzt zum Wurf an

Nervös, hektisch, aber am Ende nach großer Aufholjagd wenigstens mit einem Unentschieden belohnt: Die deutschen Handballer haben sich bei der WM in Kroatien im ersten Hauptrundenspiel gegen Serbien noch zu einem 35:35 (16:19) gerettet und damit immerhin alle Chancen auf den Einzug ins Halbfinale gewahrt. Gegen Norwegen kann die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand nun in der Gruppe II am Sonntag in Zadar (17.30 Uhr/live bei RTL) das Weiterkommen aus eigener Kraft mit 5:1 Punkten noch nicht perfekt machen.

Jansen bester Werfer

Torsten Jansen war mit zehn Toren bester Werfer für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB), die zwei Tage nach dem beeindruckenden 30:23 im letzten Vorrundenspiel gegen Vize-Weltmeister Polen zwar einen zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand aufholte, am Ende eine Führung aber nicht über die Zeit bringen konnte. Mladen Bojnovic gelang vier Sekunden vor dem Ende der Ausgleich für die Serben.

"Nur mit Moral gewinnt man keine Spiele, dazu muss man auch Qualität haben", sagte Heiner Brand, mochte seinem Team nach dem sechsten Spiel in sieben Tagen aber keine Vorwürfe machen: "Die Mannschaft war geistig nicht ganz frisch, das muss man akzeptieren. Und ein Sieg wäre wohl auch zu viel des Guten gewesen."

Auch Torsten Jansen und Holger Glandorf wussten am Ende nicht so recht, wie sie das Wechselbad der Gefühle einordnen sollten. "So wie wir gespielt haben, muss man mit dem Punkt eigentlich zufrieden sein", meinte Jansen und Glandorf fügte hinzu: "Am Ende war es ein verlorener Punkt. Aber wenn man unsere Leistung, sieht müssen wir froh sein, dass ein Punkt dabei herausgekommen ist."

DHB-Team findet in der zweiten Halbzeit besser ins Spiel

Lange hatte die deutsche Mannschaft schon wie der sichere Verlierer ausgesehen, erst in der zweiten Halbzeit kamen die große Aufholjagd und ein kleiner Lauf: Holger Glandorf traf in der 40. Minute beim 22:22 zum ersten Ausgleich seit dem 2:2. Und eine Minute später war es dann Kreisläufer Sebastian Preiß, der sein Team zum 24:23 erstmals überhaupt in Führung brachte.

Danach wogte die Partie hin und her und beide Teams brachten sich mit individuellen Fehlern immer wieder selbst in Bedrängnis. Jansen warf dann eine Minute vor dem Ende wieder einen Zwei-Tore-Vorsprung raus (35:33), doch gegen die ebenfalls kämpferischen Serben war die Entscheidung noch nicht gefallen.

Am Tag nach dem Polen-Spiel hatten Pascal Hens und Co erstmal ausgeschlafen und sich dann auf die vierstündige Reise vom Vorrundenspielort Varazdin nach Zadar gemacht. Dort holte Heiner Brand sein Team am Freitagabend noch zu einer leichten Trainingseinheit zusammen und schwor seine Stars auf den nächsten Gegner ein.

Serben überzeugen mit aggressiver Spielweise

Der hatte schon in der Vorrunde mit drei Siegen sowie bei der ganz knappen Niederlage gegen Dänemark überzeugt und zeigte auch gegen Deutschland seine leidenschaftliche und aggressive Spielweise. Gleich zu Beginn bekamen Holger Glandorf und Sebastian Preiß Schläge ins Gesicht, Hens musste sich gegen eine kurze Deckung durchkämpfen und blieb weitgehend blass.

So fand das DHB-Team im Angriff zunächst überhaupt nicht zu ihrem Rhythmus und im Tor bekam der Hamburger Johannes Bitter gegen die effektiven Serben um den Gummersbacher Momir Ilic keinen Ball zu fassen. Bereits nach zehn Minuten schickte Heiner Brand dann Carsten Lichtlein in den Kasten, doch davor hatte die deutsche Deckung um Oliver Roggisch weiter Probleme mit den gut strukturierten und im Abschluss eiskalten Serben. Am Kreis waren zudem Alem Toskic und Ratko Nikolic nur ganz schwer zu fassen.

Auf sechs Tore war der deutsche Rückstand erstmals nach 18 Minuten beim Stand von 8:14 schon angewachsen und an der Seitenlinie schüttelte der stark erkältete Heiner Brand immer wieder den Kopf. Allein Linksaußen Torsten Jansen traf in dieser Phase für Deutschland, auf der gegenüberliegenden Position verwarf Christian Schöne alle seine sechs Versuche in der ersten Hälfte.

Brand reagierte mit weiteren Wechseln und schickte immer neue Kombinationen in Angriff und Abwehr auf das Feld. Vor allem Michael Müller auf Halbrechts brachte anstelle von Glandorf einige Impulse und Michael Kraus spielte wenigstens ein paarmal seine Schnelligkeit aus. Als dann auch der wieder eingewechselte Bitter bei drei Paraden nacheinander endlich mal den gewohnten Rückhalt stellte, war die deutsche Mannschaft bis zur Halbzeit zumindest wieder auf Sichtweite herangekommen.