2009.01.25 Neuss : Deutschland verliert Spiel und verletzten Kraus

Die deutschen Handballer haben bei der WM in Kroatien die erste Niederlage kassiert. Gegen Norwegen verlor das DHB-Team 24:25. Michael Kraus musste verletzt ausgewechselt werden.

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Norwegens Frank Löke (r.) im Zweikampf mit Oliver Roggisch (l.) und Sebastian Preiß

Mit erhobener Faust und wutverzerrtem Gesicht ging Bundestrainer Heiner Brand auf den slowenischen Schiedsrichter zu und wollte am liebsten einfach zuschlagen. Das 24:25 (12:12) gegen Norwegen und der damit vergebene erste Matchball zum Halbfinaleinzug bei der WM in Kroatien brachte die Emotionen beim Erfolgstrainer zum Überlaufen: Erst verlor er Spielmacher Michael Kraus mit einem Außenbandriss im linken Knöchel auch für den Rest der WM, dann pfiff das slowenische Duo Nenad Krstic und Peter Ljubic seine Spieler in den letzten Sekunden gleich zweimal zurück und machte die Chance zum Ausgleich zunichte.

"Da hätten sie die Zeit anhalten müssen"

Zum Hauptrundenabschluss müssen die deutschen Weltmeister nun unbedingt gegen Europameister Dänemark (17.30 Uhr/live bei RTL) gewinnen, um das Weiterkommen auf jeden Fall perfekt zu machen. "Wir wurden immer wieder zurückgepfiffen. Da hätten sie die Zeit anhalten müssen", schimpfte Heiner Brand und fügte hinzu: "Ich habe mich schon bei der Verletzung von Michael aufgeregt. Die Rückraumspieler werden einfach aus der Luft geholt und das wird nicht gepfiffen."

Deutlichere Worte zu den letzten hitzigen Sekunden fand Pascal Hens: "Das war eine Frechheit, eine Unverschämtheit. Die wollen uns glaube ich nicht im Halbfinale haben." So musste Christian Schöne den Ball gleich zweimal wieder zurück ins Spiel bringen, da die Schiedsrichter nicht auf Frei- sondern Einwurf entschieden haben wollten.

Ege mit zahlreichen Glanzparaden

Beendet ist das Turnier für Kapitän Kraus: Der Lemgoer knickte nach einem Stoß des Norwegers Stian Vatne mit dem linken Fuß um und musste 16 Minuten vor dem Ende mit einer Trage vom Feld gebracht werden. "Es hat geknallt, da wusste ich, das war's", sagte Kraus.

Angeführt vom Nordhorner Holger Glandorf (sechs Tore) kämpften seine Teamkollegen nach seinem Ausfall zwar aufopferungsvoll, doch der norwegische Keeper Steinar Ege verhinderte in der Schlussphase mit zahlreichen Glanzparaden einen deutschen Erfolg.

Wie schon beim nervenaufreibenden 35:35 gegen Serbien am Samstag spielten die Deutschen auch gegen Norwegen alles andere als weltmeisterlich. Der Rückraum blieb weitgehend blass, Pascal Hens zog sich zudem eine Oberschenkelverhärtung- oder zerrung zu. Am Montag folgt eine Untersuchung, sein Einsatz gegen Dänemark ist zumindest fraglich.

Hens saß ab Mitte der ersten Hälfte lange nur auf der Bank. Von dort aus verfolgte auch Torhüter Johannes Bitter die meiste Zeit der Partie, für ihn kam Silvio Heinevetter zu seinem ersten Spiel bei einer WM und überzeugte gleich mit einer starken Leistung.

Heinevetter weiter stark

Dem Magdeburger war es dann auch zu verdanken, dass die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) trotz viel zu vieler Fehlwürfe vor allem in der Anfangsphase immer im Spiel blieb. Auf eine Führung gegen die aus dem Rückraum weitgehend harmlosen Norweger mussten die Deutschen aber bis zur 33. Minute warten, als Kreisläufer Sebastian Preiß zum 14:13 traf.

Heinevetter hielt weiter, die Norweger leisteten sich immer mehr technische Fehler im Angriff und drei Minuten später war der Vorsprung erstmals auf drei Tore angewachsen (16:13). Doch große Sicherheit brachte auch das nicht ins deutsche Spiel und so konnten die Norweger vom Melsunger Bundesliga-Trainer Robert Hedin das Spiel weiter offen halten.

Der Schock stand dann allen deutschen Spielern ins Gesicht geschrieben, als Michael Kraus in der 44. Minute schreiend zu Boden ging und nicht mehr alleine aufstehen konnte. Für ihn übernahm der 22-Jährige Martin Strobel die Verantwortung auf der Mittelposition und sechs Minuten vor dem Ende stand sogar eine Zwei-Tore-Führung zu Buche (22:20). Doch die individuellen Fehler im Angriff blieben, Ege war im norwegischen Tor plötzlich unüberwindbar und wurde schließlich zum Matchwinner.