2009.01.30 Neuss : Hamburger SV bläst zur Attacke

Der Hamburger SV lässt sich von der Pokal-Gala des FC Bayern nicht verunsichern. Mit einem Heimsieg im Nord-Süd-Duell kann der HSV heute für eine Nacht die Tabellenspitze erobern.

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Joris Mathijsen (l.) und Luca Toni

Scheinbar unbeeindruckt von Bayern Münchens Pokal-Gala bläst der Hamburger SV zum Angriff auf den deutschen Rekordmeister. "Wir haben keine Angst vor den Bayern. Es könnte ein Thriller werden, der uns viel Freude bereitet", sagt HSV-Trainer Martin Jol vor dem heutigen Duell mit dem ewigen Süd-Rivalen (20.30 Uhr/live in der ARD und bei Premiere). Mit einem Sieg zum Rückrundenstart könnten die Hanseaten nicht nur für mindestens 19 Stunden die Tabellenspitze übernehmen, sondern sich auch als Mutmacher für die gesamte Bundesliga profilieren.

"Wir nehmen die Herausforderung an. Unser Ziel ist es, die Bayern zu schlagen. Ich denke nicht eine Sekunde an eine Niederlage und habe ein gutes Gefühl", meint Hamburgs Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Von einem kollektiven Schockzustand, der der Liga nach dem beeindruckenden 5:1-Triumph der Münchener im Achtelfinale des DFB-Pokals am Dienstag beim VfB Stuttgart zu drohen schien, ist in der Hansestadt nichts zu spüren.

"Die Hamburger sind ein harter Brocken"

Selbst die Bayern erwarten alles andere als schlotternde Knie bei ihrem Gegner. "Natürlich ist unser Selbstvertrauen nach dem Sieg in Stuttgart groß, aber der HSV ist ein harter Brocken. Wir wissen, dass wir uns keine Nachlässigkeiten erlauben können und wollen drei Punkte holen", sagt Trainer Jürgen Klinsmann, dessen Mannschaft schon ein Remis zur Tabellenführung reicht. Verzichten muss der Coach auf den weiterhin angeschlagenen Lukas Podolski und den rotgeperrten Massimo Oddo.

Dem HSV fehlt hingegen einer, der bei einem Einsatz am Freitag wohl das meiste Interesse auf sich gezogen hätte. Torjäger Ivica Olic, der zur kommenden Saison ablösefrei zu Bayern wechselt, wurde vom DFB nach einer Testspielschlägerei mit Hoffenheims Carlos Eduardo für die ersten beiden Rückrundenspiele gesperrt.

Gesperrter Olic drückt auf der Tribüne die Daumen

"Dass ich nicht dabei sein kann, ist natürlich ganz bitter. Aber ich denke, dass die Mannschaft auch ohne mich gewinnen kann", meint der kroatische Nationalstürmer und will seinen Teamkollegen von der Tribüne aus die Daumen drücken: "Ich hoffe, dass ich das nervlich durchstehe."

Beim 3:1-Sieg im Pokal am vergangenen Dienstag gegen den Zweitligisten 1860 München hatte sich Olic in bestechender Form präsentiert und die Hamburger mit einem Dreierpack fast im Alleingang ins Viertelfinale geschossen. "Auch wenn Ivica nun nicht dabei sein kann, habe ich volles Vertrauen in meine Mannschaft. Wir werden seinen Ausfall kompensieren", sagt Jol.

Im Angriff wird der Coach, der mit dem HSV in der Bundesliga zu Hause noch ungeschlagen ist, wohl den ehemaligen Münchener Paolo Guerrero an der Seite von Mladen Petric aufbieten. HSV-Keeper Frank Rost flüchtet sich angesichts des Fehlens von Olic derweil in Galgenhumor: "Aufgrund seiner Sperre ist Ivica wohl schon jetzt der beliebteste Spieler bei den Bayern-Fans." Die Münchener wollen den Ausfall ihres künftigen Angreifers hingegen nicht überbewerten.

Hoffmann will die Bayern jagen

"Der HSV hat gute Leute in der Hinterhand", meint Klinsmann. Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht in der Partie derweil sogar eine Art Titelgipfel: "Der HSV hat einen breiteren Kader als Herbstmeister Hoffenheim. Ich denke, dass die Hamburger ein sehr starker Konkurrent für uns sein werden." Hamburgs Vereinsboss Bernd Hoffmann hatte den HSV-Anhänger schon auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende geschworen: "Wir wollen die Bayern jagen." Das Interesse an der Begegnung ist auch im Ausland riesengroß. Die Partie wird nach Angabe der Deutschen Fußball Liga (DFL) in 170 Ländern live übertragen.