2009.02.02 Neuss : Steelers krönen sich zum Rekordchampion

Zum sechsten Mal haben die Pittsburgh Steelers den Super Bowl für sich entscheiden können. Die Steelers gewannen die 43. Auflage in Tampa gegen die Arizona Cardinals mit 27:23.

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Steelers-Quarterback Ben Roethlisberger und Super-Bowl-MVP Santonio Holmes (l.)

35 Sekunden vor dem Spielende wurde Kurt Warners Heldenepos zur Tragödie: Mit zwei Touchdown-Pässen im letzten Viertel hatte der Spielmacher der Arizona Cardinals das fast schon verloren geglaubte Finale der National Football League (NFL) gegen die Pittsburgh Steelers noch zu Gunsten seines Teams gedreht. Dann schlug der Favorit zurück. Quarterback Ben Roethlisberger warf den Ball zu Santonio Holmes - Touchdown, 27:23. Warners Träume waren geplatzt, die Steelers alleiniger Super-Bowl-Rekordchampion.

"Jetzt oder nie. Wenn wir es schaffen, wird man sich für immer an uns erinnern", hatte Roethlisberger seinen Mannschaftskameraden vor dem entscheidenden Spielzug in Tampa/Florida zugerufen. Holmes" Antwort war ebenso deutlich: "Spiel mir den Ball zu - egal, was passiert."

Gesagt, getan. Während die Steelers nach dem sechsten Super-Bowl-Triumph jubelnd durch den Konfettiregen hüpften, blieb Warner und den Cardinals nur ein wehmütiger Blick auf die rund 25. 000 Dollar teure Vince-Lombardi-Trophy für den Sieger.

Warner verpasst seinen zweiten Super-Bowl-Sieg

"Natürlich ist die Enttäuschung riesengroß", sagte Arizonas Quarterback: "Aber wir haben gegen das beste Team der Liga verloren. Niemand hat uns zugetraut, dass wir überhaupt so weit kommen. Nun hatten wir sogar die Chance, das Spiel zu gewinnen." Sein zweiter Super-Bowl-Sieg nach dem Erfolg vor neun Jahren mit den St. Louis Rams blieb dem Spielmacher verwehrt.

Schon 2000 war Warner mit seinem damaligen Team fast aus dem Nichts gekommen. Vor dem Start seiner NFL-Karriere hatte der heute 37-Jährige noch Supermarktregale aufgefüllt, war dann über die Hallenliga AFL und den inzwischen eingestellten Europa-Ableger NFL-Europe in die stärkste Football-Liga der Welt gekommen und anschließend richtig durchgestartet.

Nach zahlreichen Verletzungen verblasste sein Ruhm jedoch in ähnlich rasender Geschwindigkeit, bis er in der abgelaufenen Saison zum großen Comeback ansetzte. Doch das Happy End blieb aus. Der 43. Super Bowl könnte das letzte Football-Spiel des Routiniers gewesen sein.

Karriereende nicht ausgeschlossen

"Ich weiß nicht, ob ich meine Karriere fortsetzen werde", sagte Warner nach der bitteren Niederlage, bei der er Pässe für einen Raumgewinn von insgesamt 377 Yards, drei Touchdowns und eine Interception warf: "Ich werde mir Zeit nehmen und dann eine Entscheidung treffen."

Die Cardinals, die mit dem Quarterback erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in den Super Bowl eingezogen waren, würden den auslaufenden Vertrag gern verlängern. Doch Warners Ehefrau Brenda hat offenbar andere Pläne: "Ich werde Kurt zu nichts drängen. Aber ich würde gern ein normales Leben führen, in dem mein Mann nicht jedes Wochenende brutal auf den Boden geworfen wird."

Steelers verdienen sich Einladung ins Weiße Haus

Für die Steelers hat die Zukunft derweil gerade erst begonnen. Spielmacher "Big Ben" Roethlisberger, der das Team bereits 2006 zum Sieg im Super Bowl geführt hatte, ist gerade mal 26 Jahre alt. Matchwinner Holmes, der zum "wertvollsten Spieler" (MVP) des Endspiels gekürt wurde, sogar erst 24 und Head Coach Mike Tomlin mit 36 Jahren der jüngste Trainer, der je den Super Bowl gewann.

Als Belohnung gab es schon kurz nach dem Triumph einen Anruf von US-Präsident Barack Obama. "Ich habe ihn bei dem Lärm um mich herum allerdings kaum verstanden und einfach nur "Danke" in den Hörer gebrüllt", berichtete Tomlin. Demnächst wird die Konversation mit dem wohl prominentesten Fan der Steelers entspannter verlaufen. Für den Super-Bowl-Sieger gibt es eine Einladung ins Weiße Haus.