2009.02.03 Neuss : Fandel befürchtet "zu viele Augen im Spiel"

Chip im Ball statt Zusatz-Schiedsrichter: FIFA-Referee Herbert Fandel hat "Zweifel" am UEFA-Projekt mit fünf Unparteiischen geäußert. Helfen könne vielmehr die Technik.

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Herbert Fandel macht sich Gedanken

FIFA-Referee Herbert Fandel (Kyllburg) hat sich gegen die von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) angedachte Einführung von zwei Zusatz-Schiedsrichtern ausgesprochen und plädiert weiter für den Einsatz technischer Hilfsmittel. "Ich habe Zweifel an dem Projekt mit fünf Schiedsrichtern, denn dann sind einfach zu viele Augen im Spiel. Meiner Meinung nach bringen zusätzliche Schiedsrichter hinter dem Tor nichts, vielmehr sollten ein Chip im Ball, eine Maschine oder ein Laser eingeführt werden, damit hundertprozentig angezeigt werden kann, ob der Ball im Tor war oder nicht", sagte Fandel am Dienstag in Frankfurt/Main.

Arbeitsplatz hinter dem Tor

Im November des vergangenen Jahres hatte die UEFA bei der Qualifikation zur U19-Europameisterschaft auf Zypern erstmals in offiziellen Spielen den Einsatz von insgesamt fünf Schiedsrichter getestet. Die jeweils hinter dem Tor postierten Zusatz-Referees durften das Feld betreten, mussten aber hinter dem Torhüter bleiben. Die Zusatz-Schiedsrichter waren nicht mit Fahnen ausgestattet, sondern nur durch ein Funkgerät mit den anderen Referees verbunden.

Mit Hilfe zweier zusätzlicher Schiedsrichter soll neben der Frage, ob ein Ball die Torlinie übertreten hat oder nicht, vor allem das Trikotzerren im Strafraum und das Zeitspiel des Torwarts unterbunden werden. William Gaillard, der Kommunikationsdirektor der UEFA, hatte erklärt: "Ich glaube schon, dass sich Spieler bei einem vierten und fünften Schiedsrichter mehr in Acht nehmen. Zehn Augen sehen eben mehr als sechs, vor allem wenn die zusätzlichen vier direkt am Strafraum postiert sind."

Hoeneß für Einführung der Torkamera

Während die Einführung zusätzlicher Schiedsrichter in der Bundesliga bislang noch kein großes Thema war, hatte sich Bayern-Manager Uli Hoeneß nach der 0:1-Niederlage des deutschen Meisters beim Hamburger SV zum Rückrundenauftakt für die Einführung einer Torkamera ausgesprochen. "Das ist wieder eine Szene, wo ich unbedingt dafür bin, dass es die Torkamera gibt und wo ich die Technik gerne hätte", sagte Hoeneß.

Grund für den Wunsch von Hoeneß war eine Szene in der 48. Minute, als HSV-Keeper Frank Rost einen Kopfball des Münchners Miroslav Klose abwehrte - strittig war trotz der TV-Bilder, ob der Ball vor oder hinter der Linie war. Trotz heftiger Proteste des Rekordmeisters entschied das Schiedsrichter-Gespann, dass es kein Tor war.