2009.02.04 Neuss : Der "ewige Olympier" Tröger wird 80 Jahre alt

Als Generalsekretär und Präsident lenkte Walther Tröger jahrelang die Geschicke des Nationalen Olympischen Komitees. Heute feiert der bedeutende Funktionär seinen 80. Geburtstag.

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Walther Tröger

Der Schreibtisch ist noch immer gut gefüllt, vom Ruhestand ist Walther Tröger auch mit 80 Jahren weit entfernt. Nur an seinem Geburtstag heute will der Doyen des deutschen Sports den Stift beiseite legen. "Ich werde mich zurückziehen und den Geburtstag in kleiner Runde mit meiner Familie feiern", sagt der Wahl-Frankfurter, der vier Jahrzehnte lang die Geschicke des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) als Generalsekretär (ab 1961) und Präsident (1992) maßgebend mitbestimmte.

Die große Feier findet am Freitag im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt. Dazu hat sich IOC-Präsident Jacques Rogge angekündigt. Denn als IOC-Sportdirektor saß Tröger von März 1983 bis Oktober 1990 an einer Schaltstelle des Weltsports. "Was Sport angeht, hat Juan Antonio Samaranch auf Walther Tröger gehört", sagt Rogge: "Er genießt innerhalb des IOC großen Respekt für seine Arbeit, die er für das deutsche NOK leistete und für sein großartiges Sportwissen."

Tröger wird wohl Ehrenmitglied im IOC

Bei der 121. IOC-Session im Oktober in Kopenhagen wird der "ewige Olympier" Tröger, wie ihn die Frankfurter Rundschau mal nannte, ein letztes Mal Stimmrecht haben. Danach scheidet das dienstälteste deutsche IOC-Mitglied wegen Überschreitens der Altersgrenze aus und wird voraussichtlich zum Ehrenmitglied ernannt - 20 Jahre nachdem er im September 1989 in der "Weltregierung des Sports" die Nachfolge von Berthold Beitz angetreten hatte.

Tröger galt im Sport stets als Mann der Basis und der Praxis sowie als Freund der Sportler. Achtmal führte er eine deutsche Mannschaft bei Winterspielen in seiner Lieblingsrolle als Chef de Mission an. "Ich habe stets Spaß gehabt an internationalen Beziehungen und der Betreuung von Sportlern", sagt der Funktionär, der als einer von wenigen den Sprung vom Haupt- ins Ehrenamt schaffte.

Tröger stand im Ruf, ein Pragmatiker zu sein. Er selbst mag das Wort nicht so und umschreibt seine Haltung lieber so: "Ich denke, ich habe immer einen gesunden Menschenverstand gehabt und nicht den Tunnelblick."

Schwere Stunden 1972 in München

Die schwersten Stunden seiner Laufbahn erlebte er 1972 als Bürgermeister des Olympischen Dorfes in München. Der Anschlag auf die israelische Mannschaft mit elf toten Sportlern sowie einem getöteten Polizisten war ein tiefer Einschnitt für ihn.

"Unschuldige, die unter meiner Obhut standen, waren betroffen. Und ich konnte nicht helfen. Das beschäftigt mich heute noch", sagt Tröger, der am 5. September 1972 um 5.30 Uhr von der Polizei geweckt worden war. "Ich war dann bei allen zwölf Verhandlungsrunden dabei." Noch heute pflegt Tröger, der im oberfränkischen Wunsiedel geboren wurde, engen Kontakt zu zwei Witwen von damals.

"Bei Wahlen muss man immer mit Niederlagen rechnen"

Nach einem Jurastudium begann er seine Laufbahn 1951 als Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband, ehe er 1961 Generalsekretär des NOK wurde. 1996 wehrte er als NOK-Präsident erfolgreich den Versuch von DSB-Präsident Manfred von Richthofen ab, Deutschen Sportbund (DSB) und NOK zusammenzuführen. Bei der letztlich 2006 erfolgten Fusion trat er erneut als Verfechter der Eigenständigkeit des NOKs auf.

Zwei große Niederlagen musste Tröger in seiner Karriere verkraften. 1992 verpasste er den angestrebten Einzug in die IOC-Exekutive, 2002 verlor er die Kampfabstimmung um das Präsidentenamt im NOK gegen den vom Richthofen-Lager aufgebauten Klaus Steinbach. "Ich habe mich deshalb nicht vor Gram vergraben. Bei Wahlen muss man immer mit Niederlagen rechnen. Und ich kandidierte, weil ich dachte, gute Argumente zu haben."