2009.02.06 Neuss : Köhler gegen Aufnahme des Sports ins Grundgesetz

Bundespräsident Horst Köhler steht einer Aufnahme des Sports ins Grundgesetz skeptisch gegenüber. Zugleich warnte das Staatsoberhaupt vor Resignation im Kampf gegen Doping.

sha
Bundespräsident Horst Köhler

Bundespräsident Horst Köhler steht einer Aufnahme des Sports ins Grundgesetz skeptisch gegenüber. "Ich bin ein großer Anhänger des Sports, aber unser bewährtes Grundgesetz verdient auch Ruhe", sagt Köhler im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstagsausgabe).

Er sei für eine offene Diskussion, "aber nicht nur nach dem Motto, wie kriegt jeder sein Anliegen ins Grundgesetz, sondern auch unter der Fragestellung: Wie weit will man eigentlich das Grundgesetz mit Einzelzielen bestücken?"

"Kriminelle Energie nicht unterschätzen"

Zugleich mahnte das Staatsoberhaupt weitere Anstrengungen im Anti-Doping-Kampf an: "Denn Resignation im Kampf gegen Doping, das wäre für mich ein Abstieg: für den Sport, für das zutiefst Menschliche darin, für Wahrhaftigkeit."

Man dürfte die kriminelle Energie nicht unterschätzen, die die Kombination von Gier, Geld und wissenschaftlichem Fortschritt möglich macht, weder bei den Sportlern noch bei deren Entourage. Köhler: "Doping zerstört die Glaubwürdigkeit des Sports von innen."

"Südafrika ist die Bühne, der Kontinent das Theater"

Zuversichtlich äußerte sich der Bundespräsident über die Fußball-WM 2010 in Südafrika. "Meine Hoffnung ist: Es wird ein afrikanisches Ereignis. Südafrika ist das Land, das die Weltmeisterschaft von seiner ökonomischen und administrativen Kapazität her ausrichten kann. Südafrika ist die Bühne, der ganze Kontinent ist das Theater."

Er erwarte nicht, dass die Gastgeber versuchen, die Perfektion der Deutschen bei der WM 2006 oder der Chinesen bei den Olympischen Sommerspielen 2008 zu kopieren. "Sie sollen es mit ihren Mitteln machen, dann wird es klappen. Wir aus dem Norden können ruhig merken, dass man auch ohne Klimaanlage leben kann."