2009.02.08 Neuss : Boll gewinnt seinen vierten Europe-Top-12-Titel

Zum insgesamt vierten Mal hat Tischtennis-Ass Timo Boll das Europe-Top-12-Turnier gewonnen. Im Finale setzte sich der Europameister gegen den Weißrussen Wladimir Samsonow durch.

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Timo Boll siegt beim Europe-Top-12-Turnier in Düsseldorf

Timo Boll machte einen Luftsprung und riss vor Freude immer wieder seine rechte Faust nach oben: Nach einem wahren Tischtennis-Thriller feierte Deutschlands Ausnahmespieler beim Heimspiel in Düsseldorf ein Happy End. Mit unbändigem Kampfgeist und Weltklasse-Schlägen in Serie schmetterte sich Boll zu seinem vierten Triumph beim Europe-Top-12.

Nach einem problemlosen Durchmarsch ins Finale behielt der dreifache Europameister gegen den Weißrussen Wladimir Samsonow in einem hochklassigen Endspiel die Nerven und siegte nach einem 0:2- und 1:3-Satzrückstand 4:3 (5:11, 7:11, 11:6, 11:13, 11:4, 11:9, 11: 9).

"Das Spiel hatte keinen Verlierer verdient"

"Es war ein verrücktes Spiel, absolute Spitzenklasse. Das Spiel hatte keinen Verlierer verdient", sagte Boll, nachdem er seinen Erfolgen 2002, 2003 und 2006 einen weiteren Titel hinzugefügt hatte. "Schade, dass es keine Unentschieden gibt", meinte Boll nach dem Krimi ganz fair: "Aber so ist der Sport. Am Ende war es messerscharf."

Mit dem vierten Europe-Top-12-Sieg schloss Boll in der ewigen Siegerliste zu Samsonow auf und kassierte 9000 Euro Preisgeld. Alleiniger Rekordhalter ist aber weiterhin Schwedens Tischtennis-Idol Jan-Ove Waldner (7 Siege).

Boll präzise wie ein Uhrwerk

Zudem ließ Boll in seiner sportlichen Heimat das Trauerspiel von 2008 vergessen. Damals hatte der Topfavorit die Gruppenphase nicht überstanden und war frustriert abgereist. Dies wiederholte sich 2009 nicht, weil Boll präzise wie ein Uhrwerk sein druckvolles Angriffsspiel abspulte und erst im Finale richtig gefordert wurde. Dort holte er einen Rückstand auf und verspielte im siebten Satz ein 7:3, ehe der Triumph perfekt war.

DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig sieht Boll sogar bereits wieder für den Angriff auf die Weltmacht China gerüstet. "Ich denke, dass Timo wieder auf dem Weg nach ganz oben ist", lobte Schimmelpfennig eine in der Tat fast perfekte Leistung des 27 Jahre alten Linkshänders: "Er hat sich enorm spielstark präsentiert und gilt völlig zurecht als bester Spieler Europas."

Auf dem alten Kontinent werden die Gegner knapp

Souverän und nervenstark hatte Boll zuvor zum wiederholten Male gezeigt, dass ihm in Europa die Gegner auf Augenhöhe ausgehen. Im Halbfinale gegen den ehemaligen EM-Dritten Michael Maze, der im Viertelfinale Dimitrij Ovtcharov ausgeschaltet hatte, feierte Boll mit einem 4:1 seinen 15. Sieg im 15. Duell mit dem Dänen bei internationalen Turnieren und gab in fünf Sätzen nur 27 Punkte ab.

Ovtcharov hätte zuvor ein Traum-Halbfinale gegen Boll perfekt machen können, musste sich aber aufgrund spieltaktischer Schwächen Maze 2:4 geschlagen geben. "Ich bin schon sehr enttäuscht, aber nächstes Jahr greife ich wieder an", sagte der 20-Jährige.

Wu Jaiduo verlor im Halbfinale

Deutschlands beste Spielerin Wu Jaiduo präsentierte sich am Samstag in exzellenter Form, verlor aber am Sonntag ihr Halbfinale gegen Vorjahresfinalistin Li Qian (Polen). In einem Marathon-Match über sieben hochklassige Sätze unterlag Wu (FSV Kroppach) mit 3:4 (9:11, 14:12, 13:11, 12:14, 6:11, 11:8, 8:11). "Ich bin enttäuscht. Mein Ziel sind nun die German Open, bei der WM will ich endlich ins Viertelfinale", sagte Jiaduo. Die Damenkonkurrenz gewann Li Qian (Polen).

Für Boll war der Sieg beim Europe-Top-12 nur der Auftakt eines Jahres, in dem er die Dominanz Chinas brechen will. Am 28. April beginnt die WM in Yokohama. "Wenn er dort so spielt, steht er auf dem Treppchen", sagte Schimmelpfennig.