2009.02.10 Neuss : DFL widerspricht 1860 - "Löwen" in der Krise

Laut DFL gibt es bislang keine Untersagung des angekündigten Investoren-Einstiegs beim Zweitligisten 1860 München. Derweil drohen die "Löwen" im Chaos zu versinken.

bto
Die DFL sucht das Gespräch mit 1860 München

Bei Zweitligist 1860 München nimmt das Chaos immer größere Ausmaße an. Nachdem am Montagabend der spektakuläre Millionen-Deal mit einem Berliner Investor vorläufig geplatzt war, folgte am Dienstag ein weiterer Akt in der "Löwen"-Posse. Die Deutsche Fußball Liga widersprach der Darstellung des Vereins, Bedenken der DFL hätten das Geschäftskonstrukt verhindert. Kurz danach wies der Verein die Darstellung der DFL zurück und Sportdirektor Miroslav Stevic kündigte an, dass er bleiben wolle. Aufsichtsrat Jo Brauner soll derweil laut tz zurückgetreten sein, eine Bestätigung gab es zunächst nicht.

"Die Pressemitteilung des Präsidiums des TSV München von 1860 e.V. vom gestrigen Abend war nicht mit der DFL abgestimmt. Es gibt bislang keine Untersagung des angekündigten Investoren-Einstiegs. Die DFL hält weiter ein Gespräch mit 1860 für erforderlich, um eine Klärung der Angelegenheit herbeizuführen. Ein Termin ist für die kommenden Tage vorgesehen", teilte Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung, mit.

Später ließ Müller ausrichten: "Wäre es zu dem geplanten Gespräch mit 1860 gekommen, hätten wir die zuständigen Vertreter des Klubs darüber informiert, dass mehrere Passagen des Vertrags nicht mit den Statuten vereinbar sind." Am frühen Abend wies die DFL noch einmal mit Nachdruck darauf hin, dass die von der DFL vorgenommene Vorabeinschätzung "selbstverständlich" keine formale Untersagungsentscheidung darstelle. Der Verein habe "auf ein persönliches Treffen [...] verzichtet".

Präsidium geht auf Tauchstation

Vom massiv unter Druck geratenen "Löwen"-Präsidium, das Stevic installiert und dem Investment offenbar ohne ausreichende juristische Absicherung und Rücksprache mit der DFL zugestimmt hatte, war auf dem von Reportern belagerten Vereinsgelände an der Grünwalder Straße zunächst nichts zu sehen.

Am Mittag reagierte 1860 - schriftlich: "Uns wurde gestern von der DFL schriftlich mitgeteilt, dass die DFL nach aktueller "Prüfung der Unterlagen die Einschätzung vertritt, dass die vertragliche Ausgestaltung des Modells in Teilen nicht mit den Vorschriften des Ligaverbandes vereinbar" sei. Da zwei elementare Vertragspunkte beanstandet wurden, hat sich das Präsidium gemeinsam mit dem Investor Nicolai Schwarzer entschlossen, den Genehmigungsantrag zurückzuziehen und bis auf Weiteres auf Eis zu legen."

Besonders die Nähe zwischen Stevic und Schwarzer galt als Knackpunkt. Das ließ auch Aufsichtsrat und Münchens OB Christian Ude in der SZ durchblicken: "Ich habe massive Zweifel bekommen, ob diese Verträge bei der DFL genehmigungsfähig wären. Es ist in den Verträgen von Einflussnahmen des Investors die Rede, die man als bestimmend ansehen kann." Ude kritisierte zudem scharf, es sei "grundsätzlich nicht gut, wenn das Präsidium Geschäfte aushandelt", dafür sei die Geschäftsführung da.

Geschäftsführung appelliert an Sponsoren

Vor die Presse trat zunächst aber nur eben diese düpierte Geschäftsführung zur Schadensbegrenzung. "Es tut uns leid, dass wir so spät erst in die Verträge einbezogen worden sind. Das soll in Zukunft anders sein", sagte der nach der jüngsten Beurlaubung von Weltmeister Stefan Reuter aufgerückte Markus Kern: "Wir bitten die Sponsoren und Partner, uns treu zu bleiben. Wir werden auch diesmal den Weg aus dem Schlammassel finden." Kürzlich hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß erklärt, die neuesten Entwicklungen bei 1860 seien "der Anfang vom Ende".

Später stellte sich Stevic. "Es gibt Irritationen. Ich will weiter meine Funktion ausüben. Ich bin hergekommen, um sportlich etwas zu bewegen. Das ist das, was mich interessiert", erklärte der ehemalige Löwen-Profi kämpferisch. Auf die Nachfrage, wie es ohne die Millionen weitergehen soll, entgegnete der Serbe: "Sind Sie sicher, dass die Millionen weg sind?"

Sechs Tage nach der Ankündigung, mit frischem Geld 2010 wieder in die Bundesliga aufsteigen zu wollen, erscheint die Zukunft des Traditionsvereins nun völlig ungewiss.