2009.02.11 Neuss : Ballack und Co. von Norwegen kalt erwischt

Der Auftakt ins neue Länderspieljahr ist daneben gegangen. Die deutsche Nationalmannschaft unterlag Norwegen in Düsseldorf nach einem Treffer von Christian Grindheim mit 0:1 (0:0).

us
Torsten Frings (l.) und Per Ciljan Skjelbred

Begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert ist Vize-Europameister Deutschland mit einer deftigen Blamage ins Länderspiel-Jahr 2009 gestartet. Die Elf von Bundestrainer Joachim Löw enttäuschte beim 0:1 (0:0) im Härtetest gegen Norwegen auf ganzer Linie, offenbarte Schwächen in allen Mannschaftsteilen und muss sich auf dem Weg zur WM-Endrunde in Südafrika gehörig steigern. Vor 45.000 Zuschauern in Düsseldorf erzielte Christian Grindheim in der 63. Minute den Siegtreffer für die "Wikinger", die im Jahr 2008 keinen einzigen Sieg errungen hatten.

Behäbig, teilweise lethargisch

Damit wurde die DFB-Auswahl durch den Weltranglisten-58., der als Sparringspartner für die anstehenden Aufgaben in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein (28. März) und in Wales (1. April) dienen sollte, für ein viel zu behäbiges, ja teilweise lethargisches Spiel bestraft. Außerdem machte sich der dreimalige Welt- und Europameister, der erstmals unter Löw zwei Spiele in Folge verlor und sich so schwach wie selten unter seiner Ägide präsentierte, mit vielen Ballverlusten und zahlreichen Schwächen in der Hintermannschaft das Leben immer wieder selbst schwer.

"Wir haben keine gute Leistung gebracht. Wir müssen versuchen, gegen so ein Bollwerk schneller zu spielen und mehr Chancen herauszuarbeiten. Unser Spielaufbau war viel zu behäbig", räumte Kapitän Michael Ballack ein und Heiko Westermann ergänzte: "Wir sind für die nächsten Spiele gewarnt. Wir haben kein Mittel gefunden, die Norweger zu knacken."

Dabei konnte Löw im Gegensatz zum letzten Länderspiel gegen England (1:2) im November vergangenen Jahres wieder auf seine Idealformation im Mittelfeld zurückgreifen. Neben Kapitän Michael Ballack, der zu seinem 90. Länderspiel kam und damit in der Rekordliste zu Rudi Völler auf Platz 13 aufschloss, und Bastian Schweinsteiger sowie Piotr Trochowski stand auch erstmals seit dem EM-Finale wieder Torsten Frings in der Startformation.

Der Bremer, der nach seiner Degradierung zum Ersatzspieler harsche Kritik am Bundestrainer geäußert und gar mit Rücktritt gedroht hatte, passte sich aber dem schwachem Niveau an. So kam das deutsche Spiel in der ersten Halbzeit überhaupt nicht in Schwung.

Die einzige Großchance im ersten Durchgang besaß der Stuttgarter Mario Gomez. Nach einer Kopfball-Vorlage seines Sturmpartners Miroslav Klose setzte der 23-Jährige, der vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle beim 3:1 gegen die Schweiz sein Debüt für Deutschland gegeben und dabei sein erstes Länderspiel-Tor erzielt hatte, den Ball aus kurzer Entfernung neben das Tor (10.).

Distanzschüsse als einziges Mittel

Ansonsten versuchte es die deutsche Mannschaft nur mit Distanzschüssen wie etwa durch Ballack (9.) oder Philipp Lahm (29.). Das Tor von Norwegens Keeper Rune Jarstein war aber kaum in Gefahr.

Das sah auf der Gegenseite schon anders aus. Nach einem Fehler von Heiko Westermann musste Per Mertesacker gegen Thorstein Helstad klären (14.). Sekunden später sah Schlussmann Rene Adler, der jüngst schon im Dress von Bayer Leverkusen Kritik einstecken musste, bei einem 20-m-Schuss von Per Skjelbred nicht gut aus. Adler konnte den Ball nur nach vorne abprallen lassen.

Dafür war der 23 Jahre Adler aber bei einem Kopfball von Helstad aus kurzer Entfernung zur Stelle (22.). So erhielt die deutsche Mannschaft vom Publikum schon kurz vor der Halbzeit Pfiffe zu hören.

Beck und Özil geben Debüt

Die zweite Halbzeit begann mit dem Debüt des Hoffenheimers Andreas Beck. Der Außenverteidiger kam wie abgesprochen für den Schottland-Legionär Andreas Hinkel ins Spiel. In der 78. Minute kam auch der Bremer Mesut Özil, der zuletzt auch heftig vom türkischen Verband umworben worden war, zu seinem ersten Einsatz im DFB-Trikot. Beck und Özil waren die Debütanten Nummer 23 und 24 in der Ära Löw.

Das deutsche Spiel änderte sich aber auch im zweiten Durchgang nicht. Die Löw-Elf fand kaum ein Rezept gegen die gut gestaffelte Hintermannschaft der Norweger, die in ihrer Personalnot mit einem Team der Namenlosen angereist waren.

So mussten die deutschen Anhänger bis zur 58. Minute auf die nächste deutsche Chance warten. Dabei war es Gomez, der Schlussmann Jarstein mit einem 18-m-Schuss prüfte.

Wer von einem Weckruf im deutschen Spiel ausging, sah sich aber getäuscht. Stattdessen waren es die Norweger, die den haushohen Favoriten bestraften. Infolge eines katastrophalen Defensivverhaltens geriet der Europameister 0:1 in Rückstand. Nach einer flachen Hereingabe von Morton Pedersen tauchte Grindheim völlig frei vor Adler auf und hatte wenig Mühe, das 1:0 für Norwegen zu erzielen. Neben Adler der ähnlich wie zuletzt in Leverkusen keinen sicheren Eindruck machte, sah auch Neuling Beck in dieser Aktion äußerst unglücklich aus.