2009.02.11 Neuss : Münchens OB Ude hat von den "Löwen" genug

Die Chaostage beim TSV 1860 München gehen weiter. Wegen der Führungskrise hat nun Münchens Oberbürgermeister Christian Ude seinen Rücktritt als Aufsichtsrat angedroht.

us
Münchens Oberbürgermeister Christian Ude

Ude denkt an Rücktritt und könnte sich Reuters Rückkehr vorstellen, Stevic schließt seinen eigenen Rückzug jedoch aus, Schwarzer will sein Geld zurück, kann sich eine Rückkehr als Investor aber vorstellen. Beim mit dem vollmundig angekündigten und millionenschweren Zukunftsmodell spektakulär gescheiterten Zweitligisten 1860 München herrscht weiter das blanke Chaos.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der mit zahlreichen Interviews am Mittwoch medienwirksam in Erscheinung trat, droht nun wegen der sich immer weiter zuspitzenden Krise nach dem geplatzten Investor-Deal mit seinem Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der Sechziger.

"Die Leidensfähigkeit, die man als Löwe ohnehin haben muss, wird in diesen Tagen aufs Äußerste strapaziert. Die Frage, wann die Grenze überschritten ist, wird in der Tat immer aktueller", sagte der SPD-Politiker dem Münchner Merkur. Am Dienstag war bereits Aufsichtsrat Jo Brauner zurückgetreten.

Zugleich erteilte Ude in der AZ Rücktrittsforderungen gegenüber dem schwer in der Kritik stehenden Präsidium eine Absage: "Ich halte jetzt nichts von Schlachtrufen. Zweifelsohne ist alles sehr unglücklich verlaufen, es sind schwere handwerkliche Fehler im Präsidium begangen worden - aber was bringt jetzt ein Köpferollen?"

Ude: Krise ist schon beachtlich

Am Montag war der angekündigte Millionen-Vertrag mit einer Investorengruppe um den Berliner Immobilienhändler Nicolai Schwarzer geplatzt, nachdem sich das vom Präsidium gestützte Geschäftskonstrukt als alles andere als einwandfrei entpuppt hatte. "Die Krise ist schon beachtlich. Und zwar ist zu der finanziellen Krise, die es ja vorher schon gab, jetzt wieder eine Krise für das Ansehen dazugekommen", sagte Ude der Bild-Zeitung.

Für nicht nachvollziehbar hält der 61-Jährige das Vorgehen des Präsidenten Rainer Beeck und seiner beiden Vertreter, Bayerns SPD-Landtagschef Franz Maget und Investmentbanker Michael Hasenstab. "Ich bin über den Ablauf bestürzt", sagte Ude, der von Geschäftsführer Markus Kern auf einer Dienstreise wegen der Vertragsinhalte alarmiert wurde und "sehr erschrocken" gewesen sei.

Der Vertrag hätte vorgesehen, der Investorengruppe die Macht zu übergeben. Der Wortlaut hätte ausreichen müssen, "um erkennen zu können, dass die Liga dem nicht würde zustimmen können", kritisierte Ude. "Gott sei dank" habe Kern nicht unterschrieben.

Dass der chronisch klamme Verein nun ganz abzustürzen droht, glaubt Ude nicht. "Nach meiner Erkenntnis ist Insolvenz kein akutes Problem, aber natürlich fehlt das Geld für den angepeilten Aufstieg." Zugleich erteilte Ude einem Abschied aus der teuren Arena mangels praktikabler Alternativen eine Absage.

Auf rund 300.000 Euro sollen sich derweil laut AZ die Forderungen von Schwarzer an 1860 belaufen. Diese Summe habe der 35-Jährige für die Leihgeschäfte von Antonio Rukavina und Nikola Gulan bereits vorgestreckt. Schwarzer sagte aber auch, er sei nach wie vor von seiner Investment-Idee bei 1860 überzeugt.

"Momentan habe ich das Invest lahmgelegt, bei einem Automatikauto wäre der Schalthebel jetzt auf Parken. Je nachdem, was in den kommenden Tagen passiert, muss ich entscheiden, den Rückwärtsgang einzulegen", sagte Schwarzer und fügte hinzu: "Wenn Ruhe einkehrt im Verein, gibt es unter Umständen noch eine Chance für das Modell."

Unterdessen hat Miroslav Stevic seinen Rückzug ausgeschlossen. "Nein, niemals. Warum sollte ich zurücktreten? Ich mache weiter", sagte der 39 Jahre alte Serbe, der seit Dienstag vergangener Woche 1860-Sportdirektor ist und Weltmeister Stefan Reuter verdrängt hatte. Ude sagte, er würde Reuter mit offenen Armen empfangen, sollte der zu einer Rückkehr bereit sein und Stevic doch gehen.