2009.02.11 Neuss : Schnusenberg kämpft gegen "englische Zustände"

Schalkes Präsident Josef Schnusenberg hat klar Stellung gegen fremde Investoren und für die "50+1"-Regelung bezogen. Die Entwicklung in England sei "nur noch tragisch-grotesk".

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Josef Schnusenberg

Gegen fremde Investoren nach englischem Vorbild und für die "50+1"-Regelung hat sich Josef Schnusenberg, Präsident des Bundesligisten Schalke 04, stark gemacht. "Dieser Fußball-Kapitalismus frisst seine Fans, die zum Teil gar nicht mehr in der Lage sind, die hohen Ticket-Preise zu bezahlen", sagte Schnusenberg auf der Veranstaltung "Tore und Gewinne" am Dienstag: "Diese Entwicklung im Mutterland des Fußballs ist für mich nur noch tragisch-grotesk."

Unterstützung erhielt der Schalke-Boss von Günter Netzer. "Die englischen Vereine stehen auf sehr dünnem Eis", sagte der Europameister von 1972 und Weltmeister von 1974: "Die Investoren werden über kurz oder lang ihre Lust verlieren."

Besonders die Transferpolitik des von einer Investorengruppe aus Abu Dhabi übernommenen Traditionsklubs Manchester City kritisierte der Geschäftsführer des Vermarkters Infront: "Dieser Scheich hat jegliches Gefühl für Geld verloren, das ist unanständig."

120 Millionen für Kaka sind "unanständig"

Auch mit Blick auf den Versuch von ManCity, den brasilianischen Weltstar Kaka für 120 Millionen Euro zu verpflichten, forderte Schnusenberg die Europäische Fußball-Union (UEFA) zum Handeln auf. "Die UEFA sollte dringend ihre ganze Kraft darauf verwenden, den verwilderten Wettbewerb im europäischen Fußball zu ordnen", sagte er: "Wir brauchen wieder Augenmaß."

Die Bundesliga sei das Zukunftsmodell für Europa, betonte Schnusenberg, "weil die seriöse Finanzierung unserer Vereine ein langfristiger Wettbewerbsvorteil ist. Unsere Bilanzen sind grundsolide und entsprechen dem Prinzip des ehrbaren Kaufmanns."

Der Schalke-Präsident sprach sich dafür aus, Investoren die Mehrheit an einem Bundesligisten weiterhin zu verwehren. In den Konzepten dieser fußballfremden Investoren sehe er "weit und breit nichts Brauchbares".

Schnusenberg und Netzer sprachen sich zudem für den Vorschlag von UEFA-Präsident Michel Platini aus, eine Gehaltsobergrenze einzuführen. "Ich bin ein Verfechter des Salary Cap", sagte Schnusenberg. Und Netzer ergänzte: "Ich habe Sympathie für ein solches System."

Mit der neuen Veranstaltungsreihe "Tore und Gewinne" möchte Schalke mit Experten und Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sport die markanten Trends im Profigeschäft erörtern. Nach Netzer als Premierengast ist am 24. März Herbert Hainer, Vorstandsvositzender des Sportartikelherstelles adidas, eingeladen.