2009.02.11 Neuss : Thiede gibt beim Achter das Steuer aus der Hand

Peter Thiede gibt nach 16 Jahren das Steuer des Deutschland-Achters aus der Hand und ist zukünftig als Trainer tätig. Im Ruderboot wurde Thiede als Steuermann dreimal Weltmeister.

phi
Steuermann Peter Thiede beendet seine aktive Karriere

Der Steuermann geht von Bord. Nach 16 Jahren als Antreiber von acht starken Männern beendet der kleine Peter Thiede seine große Karriere an den Steuerseilen des Deutschland-Achters. Insgesamt dreimal flog der Zeitsoldat nach dem Gewinn von WM-Gold im Überschwang der Freude ins Wasser, er holte fünf weitere WM-Medaillen und feierte 1996 mit dem Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Atlanta.

Thiede wird U23-Trainer

Nun will der A-Lizenz-Trainer seine Erfahrungen an andere weitergeben: Im Leistungszentrum Dortmund übernimmt Thiede die Betreuung der U23-Nachwuchsteams. "Den Entschluss, Trainer zu werden, hatte ich schon im Laufe des letzten Jahres getroffen. Ich bin froh, dass es jetzt geklappt hat und mir der Weg zum Trainer geebnet wurde", sagte der 40-jährige Thiede.

Sein letztes großes Rennen bestritt der 1,67m kleine und 55 Kilogramm leichte Mann mit dem Mikrophon vergangenen Sommer in Peking, als es bei den Olympischen Spielen allerdings nur zu einem enttäuschenden achten Platz reichte. Der Trainerjob, zunächst in Teilzeit und auf ein halbes Jahr befristet, war damals längst in Planung. "Ich steige sozusagen um vom Ruderboot ins Motorboot und wechsel die Sichtweise: von innen nach außen", sagt Thiede.

Drei WM-Titel mit dem Deutschland-Achter

Einen Wettkampf als aktiver Ruderer hat er nie bestritten. Dennoch hörten die Modellathleten, für die er der "Chef im Boot" war, immer auf ihn. "Früher musste der Steuermann nur die Schläge zählen, heute bestimmt er die Taktik mit", beschrieb Thiede sein Aufgabenfeld. Bei den Rennen sagte er die Zwischenspurts an und beobachtete gleichzeitig die Aktivitäten der Gegner.

Zuletzt gelang ihm 2006, bei seinem dritten WM-Titel nach 1993 und 1995, der ganz große Coup. Nie vergessen wird er seinen ersten Goldmedaillengewinn vor 16 Jahren im tschechischen Roudnice. Bei einem schweren Autounfall auf der Anreise verletzten sich gleich fünf Athleten. Thiede erlitt eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma. Doch ein paar Tage später standen die Jungs mit Gold dekoriert ganz oben auf dem Treppchen.

Per Zufall zum Rudern gekommen

Seine Karriere verdankt der Hobby-Fußballer eigentlich nur einem Zufall. Thiede peilte eine Laufbahn als Gewichtheber an. "Ich war gar nicht schlecht, aber für den Leistungssport nicht gut genug", meint er. Dann wurde er von einem Sichtungstrainer in Rostock angesprochen. Da habe er noch gar nicht gewusst, was Rudern sei, sagt Thiede.