2009.02.18 Neuss : Sportfive erhält Zuschlag für Olympiarechte

Im Rennen um die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 hat Sportfive den Zuschlag vom IOC erhalten. Damit geht der langjährige Partner EBU leer aus.

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Das IOC hat die Übertragungsrechte für Olympia 2014 2016 vergeben

Im Poker um die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 hat die Sportrechte-Agentur Sportfive die Konkurrenz ausgestochen. Die Europäische Rundfunk Union EBU und das Schweizer Unternehmen Infront, an dem der ARD-Fußball-Experte Günter Netzer beteiligt ist, sind aus dem Rennen. Die Zäsur in der olympischen Fernsehgeschichte ist damit besiegelt. Nach den Sommerspielen 2012 in London endet die 56 Jahre währende Partnerschaft zwischen Internationalem Olympischen Komitee (IOC) und dem europäischen Senderverbund EBU.

Das IOC vergab die Übertragungsrechte für die Winterspiele 2014 in Sotschi und die Sommerspiele 2016 (Austragungsort wird im Oktober bestimmt) für 40 europäische Länder an Sportfive. Deutschland, wo ARD und ZDF theoretisch weiter zum Zug kommen könnten, gehört allerdings ebenso wie die weiteren Kernmärkte Frankreich, Großbritannien und Spanien nicht zu diesen 40 Ländern. Dort will das IOC direkt verhandeln.

ARD und ZDF haben noch alle Möglichkeiten

"Selbstverständlich haben ARD und ZDF noch alle Möglichkeiten, den Zuschlag zu erhalten. Dass wir nicht mit dem Einkaufsverbund EBU abgeschlossen haben, heißt nicht, dass wir nicht mit den einzelnen Mitgliedern abschließen", sagte IOC-Vize Thomas Bach, der die Verhandlungen führt, dem Sport-Informations-Dienst (sid)."Die finanziellen Vorstellungen des IOC gehören in die Fabelwelt. Ich denke, diese Blüten werden auf dem deutschen Markt einem abrupten Frost ausgesetzt", meinte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Der in Hamburg und Paris beheimatete Sportrechtehändler Sportfive machte das Rennen gegen die Schweizer Konkurrenz Infront. Sportfive darf die Winterpiele 2014 und die Sommerspiele 2016 in Europa im Free-TV, Pay-TV, Internet und auf dem Handy vermarkten.

Sportfive-Sprecherin Caroliene Goetz: "Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Infront hat schon sportlich fair gratuliert. Ich denke, dass unsere erfolgreiche Vermarktung der Fußball-Europameisterschaft 2008 mit ausschlaggebend war. Wir haben Erfahrung und Strukturen, von denen wir profitieren."

Deutliche Mehreinnahmen für das IOC

Durch den Abschluss erzielt das IOC deutliche Mehreinnahmen gegenüber 2010/12, als die European Broadcasting Union (EBU), der Zusammenschluss der wesentlichen öffentlich-rechtlichen Sender Europas, 560 Millionen Euro (ohne Italien) zahlte. Bach sprach von einer "erheblichen Steigerungsrate". Schon das EBU-Angebot für 2014/16 hatte bei über 600 Millionen Euro gelegen. Sportfive garantiert nach sid-Informationen nun 110 Millionen Euro in den 40 Nebenmärkten, den Rest will das IOC in den Kernmärkten erlösen.

Damit endet nach den Sommerspielen 2012 in London die 1956 in Melbourne begonnene Zusammenarbeit zwischen EBU und IOC. Dessen Präsident Jacques Rogge dankte dem Senderverbund für die bisher geleistete Arbeit und meinte zudem: "Dieser Abschluss eröffnet eine aufregende Ära, was die Übertragung der Olympischen Spiele betrifft."

Der frühere WDR-Intendant und Ex-EBU-Präsident Fritz Pleitgen hatte jüngst in einem Interview mit dem Fachmagazin Sportjournalist kritisiert, das IOC "filetiere" Olympia. "Gewinnmaximierung geht vor Programm", sagte Pleitgen.

Sportfive muss nun 200 Übertragungsstunden der Sommerspiele und 100 Stunden der Winterspiele im Free-TV garantieren - sonst dürfen keine Verträge abgeschlossen werden.