2009.02.18 Neuss : Unzufriedener Zwanziger will Antworten

Dr. Theo Zwanziger hat von Bundestrainer Joachim Löw eine genaue Analyse der Pleiten gegen England und Norwegen gefordert. "Ich bin derzeit nicht zufrieden", so der DFB-Präsident.

us
Dr. Theo Zwanziger

Präsident Theo Zwanziger beklagt nach zuletzt zwei Heimpleiten der deutschen Nationalmannschaft in Folge einen Imageschaden für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und nimmt erstmals auch Bundestrainer Joachim Löw in die Pflicht. "Ich bin mit den sportlichen Leistungen der A-Nationalmannschaft derzeit nicht zufrieden. Es ist nun die Aufgabe von Joachim Löw und dessen Trainer-Stab, jetzt sehr genau zu analysieren, wie es sein kann, dass die Mannschaft zweimal hintereinander in Berlin gegen England und in Düsseldorf gegen Norwegen verloren hat", sagte Zwanziger der Sport Bild.

Die beiden vermeidbaren Niederlagen gegen Englands B-Team im vergangenen November (1:2) und gegen Außenseiter Norwegen vor einer Woche (0:1) haben Zwanziger offenbar schwer zugesetzt. Zwei Heimpleiten in Serie hatte eine DFB-Auswahl zuletzt im Jahr 1956 kassiert.

Zwanziger stört sich am "Schlendrian"

Mit Blick auf die anstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein in Leipzig (28. März) und gegen Wales in Cardiff (1. April) fordert der DFB-Boss deshalb, dass Löw seinen Spielern den zuletzt eingekehrten "Schlendrian" wieder austreibt.

"Es ist ein Einstellungsproblem. Entscheidend wird vor den nächsten beiden Spielen sein, dass die Leistungen der Spieler für die Nationalmannschaft wieder rausgekitzelt werden", sagte Zwanziger, der bereits direkt im Anschluss an die Blamage gegen Norwegen das Gespräch mit Löw gesucht und daraufhin festgestellt hatte, dass der Bundestrainer "sehr enttäuscht war".

Zwanziger befürchtet nach den ersten beiden Niederlagen in Serie seit sechs Jahren, dass der Vize-Europameister auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika wegen der unmotivierten Auftritte bei den Fans weiter Kredit verspielt. "Die Mannschaft war nicht bereit, an ihre Grenzen zu gehen. Die Sympathiewerte für die Nationalmannschaft werden nach solchen Spielen nicht weiter nach oben geschraubt, das ist mir klar", sagte Zwanziger.

Beim Heimspiel gegen Fußball-Zwerg Liechtenstein Ende März in Leipzig muss der DFB nicht damit rechnen, dass die Zuschauer weg bleiben. Bislang sind 38.800 Karten verkauft, insgesamt passen 43.800 Zuschauer in das Zentralstadion. Die restlichen 5000 Tickets sind bereits von Käufern reserviert und werden auf jeden Fall abgesetzt.

DFB-Boss zeigt Verständnis für Fans

Dennoch zeigte Zwanziger Verständnis für den Frust der Fans nach der Pleite gegen Norwegen. "Da ich keine Eintrittskarte kaufen musste, leide ich ein wenig mit den Fans, die sich ihre Karte gekauft haben, um eine überzeugende deutsche Mannschaft zu sehen", sagte Zwanziger und fügte hinzu: "Mir tut das für die vielen Jugendlichen, die ins Stadion kommen und ihre Stars sehen wollen, ein Stück weit leid, wenn solche Leistungen wie gegen Norwegen geboten werden."

Damit die Nationalmannschaft gegen Liechtenstein und in Wales zurück in die Erfolgsspur kehrt, wird Löw die Zügel noch einmal anziehen. So bittet der Bundestrainer seine Spieler vor dem Spiel gegen Liechtenstein in Leipzig bereits einen Tag früher als geplant am 23. März zum Treffpunkt, um einen Tag später die Fitnesstests durchzuführen.

"Wir werden ein anderes Gesicht zeigen"

"Ich bin froh, dass wir im März ein paar Tage länger Zeit haben. Da werden wir die Dinge intensiv aufarbeiten. In den beiden Qualifikationsspielen werden wir ein anderes Gesicht zeigen", sagte Löw.

Dass Löw zudem nicht länger auf Schmusekurs mit seinen Spielern gehen will, bekam am Mittwoch vor allem Lukas Podolski deutlich zu spüren. Löw setzte den Bayern-Stürmer vor dessen Comeback gegen den 1. FC Köln gehörig unter Druck. "Wir erwarten, dass er um seine Chance bei Bayern kämpft, Zusatzschichten einlegt und mehr trainiert als alle anderen Bayern-Spieler. Er will doch in einem guten Zustand nach Köln kommen. Und vor allem auch wieder für Deutschland spielen", sagte Löw der Bild-Zeitung.