2009.02.24 Neuss : 1860 München setzt Trainer Kurz vor die Tür

Marco Kurz ist nicht länger Trainer des TSV 1860 München. Der Zweitligist beurlaubte den Coach am Dienstag mit sofortiger Wirkung. Co-Trainer Uwe Wolf übernimmt bis auf Weiteres.

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Marco Kurz wurde beurlaubt

Marco Kurz muss nach drei Wochen unter Miroslav Stevic beim Zweitligisten 1860 München seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor hatte seine Zweifel am Trainer direkt bei seinem Amtsantritt geäußert, durch das 1:4 beim MSV Duisburg hatte Stevic genügend Argumente für die Entlassung gesammelt. Mit sofortiger Wirkung beurlaubten die "Löwen" am Dienstagvormittag den 39 Jahre alten Fußballlehrer.

Damit ist nach der Entmachtung des ehemaligen Geschäftsführers Stefan Reuter der Umbruch in der sportlichen Leitung komplett. Kandidaten für die Nachfolge von Kurz werden zahlreich gehandelt, Klaus Augenthaler ließ bereits wissen, er sei "gesprächsbereit".

"Das war eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist", sagte Stevic: "Leider war die Entwicklung der Mannschaft nicht so effizient und erfolgreich, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Wir mussten eine Entscheidung im Sinne des Vereins treffen."

Stevic: "Jetzt ist das Alibi von den Spielern weg."

In einem persönlichen Gespräch seien dem Coach die Beweggründe mitgeteilt worden, hieß es. Stevic nannte sie am Dienstag auf einer Pressekonferenz. "Das letzte Spiel in Duisburg und die lethargische Stimmung haben dazu beigetragen, diese Entscheidung zu treffen", sagte der Serbe und nahm die Mannschaft in die Pflicht: "Jetzt ist das Alibi von den Spielern weg." Sie stünden nun in der Verantwortung.

Kurz war am 19. März 2007 vom Trainer der Reserve als Nachfolger von Walter Schachner befördert worden. Als Abwehrspieler hatte er 129 Bundesliga-Einsätze für 1860 absolviert. "Bis auf Weiteres" werde Co-Trainer Uwe Wolf das Training leiten, zumindest bis zum kommenden Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Sonntag. Stevic verspricht sich von seiner Personalentscheidung einen Schub: "Die Mannschaft wird nun neue Impulse bekommen und muss in den nächsten Wochen die entsprechende Reaktion auf dem Platz zeigen."

Bereits am Montag hatte der neue Geschäftsführer Manfred Stoffers berichtet, dass er noch Stunden nach der Niederlage "einen dramatischen Kotzreiz bekämpft" habe. Stoffers, der als Marketingfachmann jüngst zur Moderation der Löwen-Führungskrise rund um den zunächst geplatzten Investoren-Deal eingestellt worden war, hatte damit ähnlich wie Stevic die Beurlaubung von Kurz vorbereitet. "Am Rosenmontag trifft man keine Entscheidungen", sagte Stoffers.

Lange Kandidatenliste

Als Kandidaten für die Nachfolge gelten neben Augenthaler nun Armin Veh, Ewald Lienen, Bernhard Trares, Klaus Toppmöller und der Pole Ryszard Komornicki vom FC Aarau, der Kontakte bereits bestätigte. Uwe Rapolder ist dagegen kein Thema.

"Es gibt wenige Trainer, die sich in solchen Phasen so etwas zutrauen. Es sind ganz einfache Tugenden, die ein Trainer in diesem Verein verkörpern muss. 1860 ist ein Arbeiterverein, wir kennen die Tugenden eines Arbeiters, der ehrlich und mit Fleiß seinen Job macht. Erfahrung ist sicherlich eine Eigenschaft, die ein Trainer haben sollte", umriss Stevic das Wunschprofil.

Offenbar kann er sich aber auch selbst in dem Job vorstellen: "Wenn es ums Ganze geht, muss jeder seine egoistischen Wünsche und Ideen eliminieren und sich in den Dienst des Vereins stellen", sagte er auf die Frage, ob er sich im Zweifelsfall auch selbst auf die Bank setzen könnte. Zudem erneuerte er sein Versprechen Aufstieg 2010: "Wenn ich ein Wort gebe, dann stehe ich auch dazu."

Augenthaler hatte sich zuvor via Bild-Zeitung bereits angeboten: "Es geht nicht um Rot oder Blau. Ich wäre gesprächbereit. " Stevic hatte allerdings erklärt, dass kein ehemaliger Bayern-Spieler bei den Löwen engagiert werde, solange er im Amt sei. Lothar Matthäus war zwischenzeitlich ebenfalls als Kandidat genannt worden.