2009.02.24 Neuss : Freispruch für Ibertsberger und Jancker möglich

Die Hoffenheimer Andreas Ibertsberger und Christoph Jancker können wegen einer Änderung des Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur möglicherweise ohne Strafe davonkommen.

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Andreas Ibertsberger

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) fordert drastische Strafen, doch die Hoffenheimer Andreas Ibertsberger und Christoph Jancker könnten in der Affäre um ihre verspäteten Kontrollen möglicherweise ohne Sperren davonkommen. Eine Neuregelung des Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) könnte für die Profis des Bundesliga-Herbstmeisters 1899 Hoffenheim in einem Präzedenzfall zum Rettungsanker werden.

Denn in der seit dem 1. Januar 2009 geltenden Fassung des WADA-Codes kann die Sperre des Sportlers von normalerweise zwei Jahren sogar auf Null reduziert werden. In Artikel 10.5 wird nun unterschieden zwischen keinem Verschulden des Sportlers und keinem signifikanten Verschulden des Sportlers. Sollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Sportgerichtsverfahren zu dem Urteil kommen, dass Ibertsberger und Jancker kein eigenes Verschulden nachzuweisen ist, wäre ein Freispruch möglich.

Danckert befürwortet eine milde Bestrafung

"Im Sinne einer ausgewogenen Entscheidung heißt das im Grunde nur, dass die einzelnen Fälle genau untersucht werden. Die WADA hat den Passus geändert, weil offenbar nicht in jedem Fall zwangsläufig Sperren notwendig sind", sagte Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Für eine milde Bestrafung in der Affäre sprach sich am Dienstag auch der Sportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert aus. "Ich will den Spielern nicht unterstellen, dass sie manipuliert haben. Deshalb würde eine Sperre von einem oder zwei Monaten ausreichen. Wichtig ist, dass allen Profis klargemacht wird, was ihnen in einem solchen Fall blüht", sagte der SPD-Politiker.

"Das hier ist ein Dopingfall, ganz klar!"

Nach Angaben von NADA-Chef Armin Baumert gibt es für die beiden 1899-Profis ohnehin keine Möglichkeit, straffrei davonzukommen. Der DFB habe sich dem Code der WADA und NADA unterworfen, "und da ist es egal, ob die Lücke eine oder zehn Minuten groß ist - das hier ist ein Dopingfall, ganz klar! Da kann es null Toleranz geben, das unangemessene Verhalten der Spieler ist zu sanktionieren, denn sie haben die Regeln gebrochen", sagte Baumert der Süddeutschen Zeitung: "Auch Fußballprofis müssen lernen, dass sie wie Basketballspieler und alle anderen ganz klare Regeln einzuhalten haben."

Ob der DFB in seinem Sportgerichtsverfahren auf Freispruch für Ibertsberger und Jancker plädiert, ist ohnehin fraglich. Denn eine solche Entscheidung hätte vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wohl kaum Bestand. Zuletzt hatte der CAS die Italiener Daniele Mannini und Davide Possanzini für ein Jahr gesperrt, da diese mit über 30 Minuten Verspätung zur Dopingprobe angetreten waren. Allerdings lag der Fall noch vor der Modifizierung des WADA-Codes.

Ibertsberger und Janker haben die Athletenvereinbarung unterschrieben

"Sollten die Spieler beweisen können, dass sie nicht wussten, dass sie unmittelbar nach Spielschluss zur Dopingkontrolle müssen, könnte man zu dem theoretischen Ergebnis kommen, keine Strafe zu verhängen. Dass das in dem Fall so sein wird, bezweifele ich allerdings, da Doping-Sanktionen auch abschreckende Wirkung zukommen soll", sagte der Frankfurter Rechtsanwalt Nicolas Roessler dem sid.

Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) forderte unterdessen, bei der Beurteilung von Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen ein faires Maß anzulegen. Dies gelte insbesondere dann, wenn ein Spieler unverschuldet in eine Zwickmühle zwischen Traineranordnungen und Anti-Doping-Bestimmungen gerate. "Die Spieler sollen nicht für Fehler der Klubs büßen", sagte VDV-Justitiar Frank Rybak.

Kein neuer "Fall Busch"

Zumindest muss der DFB wegen der Hoffenheimer "Doping-Affäre" keinen neuen "Fall Busch" fürchten. Ibertsberger und Janker, die beim Spiel bei Borussia Mönchengladbach aus bislang noch ungeklärten Gründen erst nach zehn Minuten zur Dopingprobe erschienen waren, haben zu Saisonbeginn die Athletenvereinbarung unterschrieben und könnten deshalb auch bestraft werden.

Eishockey-Nationalspieler Florian Busch war trotz einer im März 2008 zunächst verweigerten und später nachgeholten Kontrolle Anfang Dezember des vergangenen Jahres vom Adhoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht gesperrt worden, da der 24-Jährige die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben und der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) zum damaligen Zeitpunkt den Code der NADA noch nicht in seine Statuten aufgenommen hatte. Deshalb fehlte die Rechtsgrundlage für eine Sperre.