2009.03.02 Neuss : Fall Hoffenheim: weitere Vernehmungen denkbar

Nach Angaben des DFB sind im Fall der verspätet abgegebenen Doping-Proben der Hoffenheimer Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker weitere Vernehmungen möglich.

us
Hoffenheim-Profis Ibertsberger (v.), Janker

In der Affäre um die zehn Minuten verspätet abgegebenen Doping-Proben der Hoffenheimer Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker sind nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) weitere Vernehmungen möglich. "Ich bin mir noch nicht sicher, ob wir noch weitere Vernehmungen durchführen werden", sagte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, dem kicker.

Am vergangenen Freitag waren neben verschiedenen Zeugen auch Ibertsberger, Janker und 1899-Trainer Ralf Rangnick unter der Leitung von Nachreiner in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main vom Kontrollausschuss vernommen worden. Dort hatten Ibertsberger und Janker die Möglichkeit, zu den verspätet abgegebenen Dopingproben beim Bundesligaspiel bei Borussia Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar Stellung zu nehmen.

"Im Protokoll ist festgehalten, dass sie neun beziehungsweise zehn Minuten nach den Gladbacher Spielern erschienen sind", sagte Nachreiner. Die Kontrolle in Mönchengladbach bei Ibertsberger und Janker hatte ein negatives Ergebnis. Ihnen droht wie in einem ähnlich gelagerten Fall gerade in Italien geschehen dennoch eine einjährige Sperre. Theoretisch hätten in diesen zehn Minuten Maßnahmen ergriffen werden können, um die Dopingprobe zu manipulieren.

Dass die Hoffenheimer Profis mit einer milden Strafe rechnen können, glaubt Dirk-Reiner Mertens, Richter am Internationalen Sportgerichtshof CAS, allerdings nicht. "Grundsätzlich gilt die Regelsperre von zwei Jahren. Ich wundere mich, warum alle so selbstverständlich über eine Ein-Jahres-Sperre diskutieren", sagte Mertens dem Nachrichten-Magazin Der Spiegel.

Zuletzt kam Kritik am DFB auf, da, wie im Radsport üblich, bei den Doping-Kontrollen keine unabhängigen Begleiter - so genannte Chaperons - eingesetzt werden. In der Bundesliga dürfen die Klubs die Begleiter auswählen, was bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf Unverständnis stieß. "Dieses Prozedere ist nicht normal", sagte WADA-Generalsekretär David Howman der ARD.

Fragen wirft nach Angaben der Süddeutschen Zeitung auch das Sanktionssystem des Verbandes auf. Denn Ibertsberger war trotz der laufenden Ermittlungen am Samstag beim 0:0 der Hoffenheimer bei Borussia Dortmund im Einsatz. Nach dem WADA-Code war es bislang so, dass Sportler, denen ein Vergehen bei den Dopingrichtlinien vorgeworfen wird, bis zur Urteilsfindung suspendiert wurden.